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Nur durch die Zeit von Elisabet Ney getrennt

Mal ist sie Manga-Heldin, mal Trophäenjägerin, mal „Everybody’s Darling“ – die Annäherung an Elisabet Ney (1833-1907) ist so unterschiedlich wie die acht Künstlerinnen, die seit heute mit der Ausstellung „Bitte folgen“ in der Stadthausgalerie ihre Sicht der Bildhauerin zeigen.
Seit Monaten haben sich Margret Sandmann, Elke Seppmann, Waltraud Kleinsteinberg, Anne Fellenberg, Mieke Brehm, Liane Sommer, Eva Ketzer und Anke Gollub mit der Biographie der Frau auseinandergesetzt, die vor 175 Jahren in Münster geboren wurde. Elisabet Ney war eine Frau mit vielen Gesichtern – sie ertrotzte sich 1850 als 17-Jährige durch Androhung eines Hungerstreiks ihr Studium der Bildhauerei in Berlin, sicherte sich durch ihre Hartnäckigkeit Aufträge für Büsten prominenter Zeitgenossen. Ney kam in der Welt herum. Eine Grenzgängerin in vieler Hinsicht, als Künstlerin, Frau und Mutter. Ney starb 1907 als 74-Jährige in ihrem Atelier in Austin, Texas.
Zeitgenössische Interpretation
Es ist nicht die historische Darstellung einer schillernden Persönlichkeit, die die Mitglieder des KünstlerinnenForums Münsterland e.V. zum Projekt angeregt hat. Es ist vielmehr der zeitgenössische Blick und eine differenzierte, emotionale Art der Selbstreflexion, die dieser Ausstellung ihren besonderen Reiz gibt. „Die Künstlerinnen sind letztlich nur durch die Zeit von Elisabet Ney getrennt – ihre Sehnsüchte und Versagen, ihr Ehrgeiz und Verdrängen, ihre Prioritäten und Selbstzweifel markieren auch heute noch die Grenzgänge von Frauen, die mehrere Modelle gleichzeitig leben“, so Kuratorin Petra Lindner.
Widersprüchliches
Das Skulpturenpaar aus Keramik von Margret Sandmann etwa thematisiert diesen Widerspruch. Oder die Arbeiten von Elke Seppmann. Sie greift zum einen auf das klassische Genre der Malerei zurück und zeigt die Verwundbarkeit und Einsamkeit in der Beziehung Mann-Frau-Sohn. Virtuell lenkt sie auf ihrer Webseite www.elisabet-ney.de den Blick auf das Leben der Ney. So augenzwinkernd und ironisch, so spielerisch wie kritisch – Seppmann hat keine vorgefertigen Antworten. Sie regt vielmehr an, die Fährte einer ungewöhnlichen Künstlerin aufzunehmen.
Zwischen Karriere und Familie
In dem Gefüge Familie und Beruf(ung) ist die zweifache Mutter Ney andere Wege als damals üblich gegangen. Die subtile, mitfühlende Installation von Waltraud Kleinsteinberg führt es vor Augen. Sieben Gipsköpfe beziehen sich auf die Galerie berühmten Männer, die Ney-Büsten von Schopenhauer bis Ludwig II darstellen. Als Kontrapunkt stehen gegenüber elf Zeichnungen in Bilderrahmen, die an Familiengalerien auf Anrichten erinnern.
Tiefe Traurigkeit
Eine tiefe Traurigkeit verströmt die Installation von Anke Fellenberg „Maikäfer flieg….“. Das pralle Grün des Zeltes voller Kinderträume und der vermeintlichen Spielwiese aus Schnipseln wird jäh gestört von zwei einsamen Kinderstiefel-Paaren am Rand. Das Gefühl von Geborgenheit und Zuneigung bleibt jäh auf der Strecke.
Irritierende Blicke auch bei der namenlosen Skulptur von Eva Ketzer. Brotscheiben baumeln an einer Wäschespinne. Ein Symbol für ein verkehrtes Hausfrauen-Klischee.
Beredte Installation
Zögere niemals – Never Hesitate: Anke Gollub führt die Ney mit ihrer beredten Installation aus Geweihen und Abwurfstangen von Rehen, als Trophäensammlerin vor, die vom beruflichen Ehrgeiz getrieben wurde und die ihren Erfolg mit Verzicht und Fehlschlägen bezahlte. Dazwischen blicken zwei Rehkitze in Rötel von der Leinwand. Die beiden Ney-Söhne, von ihrer Mutter oft allein gelassen.
Die Ausstellung "Bitte folgen" ist bis zum 29. Januar in der Stadthausgalerie, Platz des Westfälischen Friedens (Rathausinnenhof), dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Ein Katalog zur Ausstellung ist erschienen.
Bruni Frobusch
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/elisabet-ney/
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/683782.html
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