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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Windige Zeiten zu Kyrills Geburtstag

Mann mit Schirm im Wind

Stürmisch geht es heute auch bei echo-muenster zu. [M.Schaller/www.pixelio.de]

[18.01.2008 | Münster | SCL]

So'n bisschen Wind kann uns doch nichts anhaben!? Pustekuchen!

Heute vor einem Jahr fegte Orkan Kyrill über Münster und lehrte uns, wo der (Wetter-)Frosch die Locken hat. Ergebnis der Lehrstunde in Sachen Naturgewalten: Massenhaft Kleinholz, ein paar zerquetschte Autos sowie Arbeit auf lange Sicht für Waldarbeiter und Dachdecker. Den Jahrestag nimmt das Redaktionsteam von echo-muenster zum Anlass, mal über Brisen, Böen und Stürme in unserem Alltag zu sinnieren.

KMA: Windvorhersage für Münsters Straßen

Nee, also wirklich, so ein Sturm soll uns nicht nochmal passieren. Damit Münsteraner der Gefahr aus dem Weg gehen können, hier die Vorhersage für Windaufkommen in Münsters Straßen mit der hohen Wahrscheinlichkeit von π mal nassem Zeigefinger.


Lediglich leichtes Rauschen ist rund um das Rüschhaus und im Rüschfeld (oder hat wirklich jemand gedacht, der Name bezeichnet die Rüschen an der Bluse der Droste?) zu messen. Von dort nimmt der latente Luftzug seinen Weg überall dorthin, wo er zur Bö auffrischen kann. Betroffen sind etwa die Boeselagerstraße, Böckenhorst, Boeckmannstiege und Bökenkamp. Wer an der Meerwiese, am Juist-, Baltrum-, Norderney- oder Helgolandweg wohnt, darf sich über meerfrische, zuweilen feuchtsalzige Brisen nicht wundern. Da die Luftmassen bei ihrem weiteren Weg durch die Westfalenmetropole mächtig an Fahrt gewinnen, muss man sich im Mühlenhof und auch als Anlieger von Straßen wie An den Mühlen, Dauvemühle, Coermühle und Im Mühlenfeld auf Lärmbelästigung durch reichlich Geklapper einstellen. Holzschlag wird im Schlagholz befürchtet.
Achtung, Bewohner von Windbreede, Windthorststraße oder Im Windhoek – hier saust es mächtig um die Ecken, um sich kurz vor der Gorch-Fock-Straße zu bündeln und mit segelblähender Wucht Kurs Südost in die Theodor-Storm-Straße zu stürmen.

Aufgrund der Wetterlage haben sich Anwohner in Flaute-Wohnlagen bereit erklärt, windgebeutelten Mitbürgern für den heutigen Tag Ausweichunterkünfte anzubieten. Interessenten melden sich bitte an der Sonnenstraße, in der Schnorrenburg und hinterm Burgwall, sowie bei Bewohnern von Waldesruh. Jungen und Mädchen bis zu zehn Jahren können im Kinderhaus untergebracht werden.

BFB: Wer macht denn da Wind im Theater?

Wenn ein Drehbuch oder eine Regieanweisung Wind und Sturm auf der Bühne vorschreibt, dann führen bei den Städtischen Bühnen viele Wege zum gewünschten Ergebnis. Über den Ton, sprich über das Orchester, zum Beispiel.

Täuschend echte Geräusche aber gaukeln auch zwei mechanische Windmaschinen vor. Die eine groß, die andere klein. Ihre verblüffend einfache Konstruktion erzeugt mindestens ebenso verblüffende Sturmtöne. So sehr, dass man in Deckung gehen möchte.
„Das ist der Nachbau einer Maschine, die bereits im Barocktheater eingesetzt wurde“, weiß Ulrich Jatho, Technischer Direktor am Stadttheater. Eine Holzspindel mit Bürsten und Sperrhölzern als Querstreben, die an ein Hamsterrad erinnert. Darüber läuft stramm gespannt ein Leinentuch, das prompt aus allen Poren pfeift, wenn es per Handkurbel in Bewegung gesetzt wird. Ist akustischer Sturm auf der Bühne angesagt, steht ein Mitarbeiter im Off der Seitenbühne und kurbelt auf Ansage des Inspizienten los. Wenn er sich sehr ins Zeug legt, entstehen Töne, die es gut und gerne mit den Geräuschen des Orkantiefs Kyrill aufnehmen können. Rein akustisch allerdings.

Zum guten Sturmton aber gehören manches Mal auch die Winde. Hier kommen die physikalischen Windmaschinen zum Einsatz. Hört sich kompliziert an, ist aber einfach. Man nehme: einen Axial-Ventilator. Der saugt auf der einen Seite die Luft an und gibt sie mit Schmackes auf der anderen Seite wieder ab. Eine eher unscheinbare Maschine, die es aber in sich hat. Ihr Schub zersaust garantiert jede Frisur, derangiert Kleider und fegt auch noch das letzte Staubkorn von der Bühne. Nicht ganz so stürmisch geht der Radialventilator an Werk. Wie es im Leben so ist. Der ist optisch zwar beeindruckender, aber der Propeller macht lange nicht so viel Wind wie sein Axial-Kollege.

LUH: Wann kommt der VW Kyrill?

Es ist eher ein Geschäft mit dem Wind als ein windiges Geschäft: Seit Ende der 1960-er-Jahre haben Automobilhersteller in Deutschland, Italien und den USA Windtypen als Namensgeber für ihre Modellpaletten entdeckt.

Allerdings konnte der Volkswagen-Konzern anno 1973 noch nicht wissen, wie gut dem Passat (Foto links im Verkehr von Schanghai) eben jener Name zu Gesicht steht. Mäßig stark und sehr beständig ist dieser Wind, es gibt ihn rund um den Globus. Passt genau auf die Mittelklasse-Karosse aus Wolfsburg, die bis zum heutigen Tag produziert wird und sich großer Beliebtheit erfreut. In seinem Windschatten entstand der Scirocco, der es auf immerhin 18 Produktionsjahre brachte. Mit anderen Modellen machte VW beileibe nicht so viel Wind: Bora und Vento standen in der Käufergunst längst nicht so weit oben.

Noch enger am Wind als die Niedersachsen segelt in der Auto-Branche die Maserati-Flotte. Die italienische Edelschmiede brachte mit dem Mistral, Ghibli, Bora, Khamsin, Shamal und Karif gleich ein halbes Dutzend PS-starker Edel-Sportwagen heraus, durch die Bank schnell wie der Wind.

Was allerdings die Firma Oldsmobile dazu bewegt hat, ihr Top-Coupé Toronado (in Anlehnung an den Tornado) zu nennen, bleibt ungewiss. Die Schnelligkeit wird´s nicht gewesen sein, eher die brachiale Gewalt des 5,50 Meter langen und über zwei Tonnen schweren Hubraum-Monsters.
Zu guter Letzt gibt es ja auch noch den Zonda vom Kleinserienhersteller Pagani. Die südamerikanische Brise bringt es auf 40 km/h. Der automobile Flachmann italienischer Provenienz schafft da locker mehr als achtmal so viel.

WLI: Wer Furz sät, wird Rülps ernten

Manchmal hab´ ich auch Freizeit, die ich mir dann gelegentlich mit bauen und basteln vertreibe. Das haben offensichtlich – wie auch immer – zahlreiche Anbieter von allerlei nützlichen, meist aber unnützen Werkzeugen spitz gekriegt, und seit geraumer Zeit stapeln sich die Heimwerkerkataloge. Neulich kam wieder einer – mit einem ganz besonderen Angebot unter der Rubrik Heimwerker/ Hobbybastler: „Pfurzmaschine“ steht da in großen Lettern – „Für den Spaß zwischendurch“.

Hä? Meinen die jetzt, so zwischen sägen und hämmern mal eben fröhlich die Winde fahren lassen? Dazu brauch´ ich eigentlich keine Maschine, schon gar keine „Pfurzmaschine“. Aha, das steht´s ja: „… als gelungene kleine Racheaktion im Familien- und Kollegenkreis“. Normalerweise sind die alle aber nicht dabei, wenn ich schraube. Oh, da ist doch was für Heimwerker: „… im geeigneten Moment auf den Fernbedienungsknopf drücken, Sofort ertönt einer der fünf verschiedenen Geräusche“. High Tech also.

Der Furz funktioniert sogar via Fernbedienung. Boa hey, der Fernfurz funkt auch durch Wände bis hin zu 15 Meter Entfernung. Vielleicht kann man da ja ein bisschen dran ´rumwerkeln und das Teil tunen. Etwas Lötzinn, ein paar Elektroden, und schon furzt der Elefant – oder es erklingt eine Rülpsfanfare! So nach dem Motto „Wer Furz sät, wird Rülps ernten“. Apropos Furz: Wieso wird der in dem Katalog denn wohl mit „P“ geschrieben? Neue deutsche Rechtschreibung? Na gut, dann bestelle ich erst mal „Pfrisches Pfogelpfutter“ – mal sehen, was ankommt…

HDT: Klimawandel vermeiden

Aber mal im Ernst - wo kommt der mit dem "F" eigentlich her? „Winde sind überhaupt nicht schlimm. Und wenn man sozialverträglich mit ihnen umgeht, so dass dadurch kein Klimawandel ausgelöst wird, dürfen sie ruhig (aus)gelebt werden.“ Der das sagt, hat in seiner Sprechstunde ständig mit solchen oder artverwandten Phänomenen zu tun. Nur drückt es Dr. Peter Hartmann, praktischer Arzt, anders aus. Medizinisch eben, spricht dann von der Flatulenz (lat. flatus „Wind“). Das Wort, es bezeichnet die Aufblähung des Magens oder des Darms, beides hervorgerufen durch bei der Verdauung gebildete Gase, selbige wiederum erzeugt durch unzählige (system)immanente Bakterien.

„Manche Menschen produzieren viele Gase, manche nur wenige“ – allen aber ist gemeinsam: Will man sich nicht so aufgeblasen fühlen wie der schwimmende Genosse auf dem Foto links, muss die Luft raus. Tut sie`s, treten die landauf landab geläufigen Geräusche auf, bedingt durch die Vibration der Analöffnung. „Peinlich wird’s nur, wenn die Begleiterscheinungen Eigendynamik entwickeln, nicht unter Kontrolle zu bekommen sind.“ Womöglich in Sitzungen mit dem Chef? Oder beim Rendezvous im Kerzenschein? Um Gottes Willen.

Als Gegenwehr empfiehlt Hartmann die hinlänglich bekannten Hausrezepte. „Tee hilft immer“ – Anis beispielsweise, Fenchel, Kümmel oder auch Pfefferminz. Kennen Sie die Vorschläge? Na klar, alles Mittelchen, die gemeinhin Babys verabreicht werden – immer, wenn die das Bäuchlein plagt.

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Am 7.7.2010 ist der Umzug in unser neues Zuhause echo-muenster.de (ohne www.) erfolgt. Auf vielfachen Wunsch bleiben die gesamten bisherigen Inhalte weiterhin hier erreichbar: