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Fließend Chinesisch mit Gestik, Mimik und viel Herz

Läuft ja prima mit der Verständigung. Es freuen sich (v.l.) Renate Otte, Dr. Martin Kittlaus und Dr. Arnold Hermans. [Foto: Maleska]
Nanu, so viel fröhliches Gelächter weit nach 13 Uhr in einem Klassenraum? Was mag das für eine Schulstunde sein? Wer neugierig hineinschaute wurde gar nicht wahrgenommen, so vertieft waren junge Menschen aus Deutschland und Taiwan in ihre Gespräche, die mit Gestik und Mimik lebhafte Unterstützung erfuhren.

Die kennen sich sicher schon ewig, oder aber es handelte sich bei der gestrigen Begegnung im Annette-Gymnasium um ein Wiedersehen. Weit gefehlt. Genauer gesagt waren die taiwanesischen Gäste vor zehn Minuten zum ersten Mal hier hereingekommen.
Das lebhafte Zusammentreffen basierte auf einer Kooperation der Westfälischen Wilhelms-Universität mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium, das seit 2003 Chinesisch als Abiturfach anbietet. Nicht motiviert mehr beim Erlernen einer Fremdsprache wie der persönliche Kontakt zu einem Muttersprachler. Deshalb blickten die Annette-Oberstufen-Schüler schon ganz gespannt dem diesjährigen Treffen entgegen. Aber auch die WWU profitiert.
Kontakt zu Gleichaltrigen
Die 23 Studierenden der Soochow Universität in Taipei/Taiwan, die hier von der Koordinatorin des Studienprogramms Taiwan, Renate Otte, betreut werden, freuen sich ebenso über den Kontakt zur deutschsprachigen Jugend.

"Die Studierenden sind auch erst 19 Jahre“, sagt Otte, „das ist eigentlich keine Distanz zu unseren selbstständigen Abiturienten. Für ein Jahr kommen sie nach Deutschland, denn sie absolvieren das, was man als ,Sandwich-Studium' bezeichnen kann.“ Damit beschreibt Otte die Regelung, dass die Taiwanesen ein Jahr daheim studieren, für das zweite Jahr nach Deutschland kommen, und dann wieder zwei Jahre in Taipe absolvieren.
Sprache und Selbstständigkeit
„Das Jahr in Deutschland wird voll angerechnet. Und es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie gefestigt die Studierenden nach Hause fahren“, erzählt Otte begeistert. „Sie kommen aus ganz behüteten Verhältnissen und haben nach einem Jahr nicht nur ihre Deutschkenntnisse beachtlich verbessert, sondern haben auch gelernt, in Deutschland ein Konto anzulegen, einen Arztgang zu bewältigen oder sich eine Fahrkarte nach Paris zu kaufen.“
Heimweh und Liebeskummer
Natürlich werden sie in allen Fragen betreut, „wenn sie uns brauchen auch bei Heimweh und Liebenskummer“, lacht Otte. Umso mehr bedeuten die Kontakte zu hier lebenden Jugendlichen emotionalen Halt. Freundschaft, Einblicke in die Familien, die Kultur und späterer Gegenbesuch nicht ausgeschlossen.
Gestaunt haben die Gäste sicher schon bei der Begrüßung im Annette-Gymnasium, wo sie Dr. Martin Kittlaus in fließendem Chinesisch willkommen hieß und auch den Rektor vorstellte.
„Wieso haben die denn jetzt so gelacht?“ fragte Rektor Dr. Arnold Hermans den Fachlehrer Chinesisch halb misstrauisch, halb amüsiert. Das blieb allerdings ein Geheimnis, nicht aber die herzlichen Worte, mit denen sich Hermans seinem Kollegen anschloss. Wurde auch noch nicht jedes deutsche Wort verstanden, die Atmosphäre ließ keinen Zweifel an der Freude über den exotischen Besuch.
Exotisch hier und dort
"Exotisch sind wir Deutschen auch für die Taiwanesen“, sagt Koordinatorin Otte schmunzelnd. "Amerika und die englische Sprach sind in Taiwan allgegenwärtig. Aber Deutschland ist auch nicht uninteressant. Vor allem wegen der wirtschaftlichen Beziehungen und der Möglichkeit, auf diesem Sektor mit Sprachkenntnissen beruflich Fuß zu fassen.

"Die sind nach einem Jahr Deutsch so fit, da sind wir nur peinlich“, stöhnt inzwischen Christine und schiebt ihrer Gesprächspartnerin Kim Yang einen Schreibblock zu. Ein hellblonder und ein lackschwarzer Schopf beugen sich darüber und notieren Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Sympathie auf den ersten Blick - Freundschaft erwünscht.
"Chinesisch ist etwas anderes als immer nur Spanisch oder Englisch,“ begründet Annika ihre ihre Entscheidung für das außergewöhnliche Abiturfach. Viele der Mitschüler denken ebenfalls über einen späteren Beruf in der Wirtschaft nach. „Außerdem macht sich Chinesisch in Bewerbungen ganz gut.“
Fußball bestimmte die Wahl
Tammy hat übrigens Deutsch gewählt, weil ihr während der Weltmeisterschaft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am besten gefallen hat. Und die beiden jungen Männer Tsai Shang-Yan und Wang Yung-Han freuen sich auf die deutsche Literatur.
Nebenan wird kichernd im Wörterbuch geblättert, gegenüber versucht ein Mädchen im Gesicht des anderen zu lesen, was wohl gemeint sein könnte. Die Taiwanesin lacht plötzlich auf und holt eine Kamera aus der Tasche. Beide schauen ins Display und nun wird klar: Von der Familie hat sie berichten wollen.
Etwaige fremde Besucher, die so neugierig in den Klassenraum geschaut hatten, sollten nun auch wirklich nicht länger stören…
Klaudia Maleska
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