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Karosserien und andere Kurven

Harmonische Lichtführung und der Blick fürs Wesentliche: Stephan Diekmann setzt Karrosserie- und Körperkurven perfekt in Szene. [Foto: Stephan Diekmann]
Wenn gestandene Amateurfotografen über analoge Zeiten sprechen, huscht meist ein Lächeln über ihr Gesicht. „Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Hemden ich mir in der Dunkelkammer versaut habe“, schmunzelt Stephan Diekmann.
Diese Zeiten sind längst vorbei – seit fünf Jahren ist der Münsteraner mit seinen Digitalkameras unterwegs, um seine „Topthemen“ – Akt, Beauty, Porträt, Oldtimer und Motorsport auf die Speicherkarte zu bannen. „Angefangen hat es“, erinnert sich der 37-Jährige, „mit einer Mamiya die mir mein Onkel schenkte, als ich 15 Jahre alt war“. Die habe sogar noch den M 42-Schraubverschluss gehabt. Schnell entdeckte er die Schwarz-Weiß-Fotografie für sich. Die Unzufriedenheit mit den 08/15-Abzügen aus den großen Fotolaboren habe schließlich dazu geführt, dass er sich ein eigenes Fotolabor anschaffte.
Begeisterung fürs Hobby
Die Begeisterung fürs Hobby stieg stetig: „ich habe dann angefangen, zuhause mit einer kleinen Blitzanlage zu fotografieren“, blickt der Feinmechaniker, der im Physikalischen Institut der Uni Münster arbeitet, zurück. Als neutraler Hintergrund spannte er dafür ein großes Tuch auf. Über das Portal „Fotocommunity“ im Internet knüpfte Diekmann Kontakte zu anderen münsterschen Fotografen. Das gemeinsame Interesse und der stetig steigende Anspruch an die eigenen Arbeiten habe dazu geführt, dass er jetzt gemeinsam mit zwei anderen Fotografen regelmäßig in einem Studio in Hiltrup fotografiert. Sich gegenseitig helfen, Tipps und Tricks austauschen oder auch mal untereinander die Objektive leihen nennt Diekmann die Vorteile der Hobbypflege zu dritt.

Der Fotograf mal als Motiv: Stephan Diekmann hat sich die Akt-, Beauty-, Porträt-, Oldtimer- und Motorsportfotografie auf die Fahnen geschrieben. Foto: Wolfram Linke
Jugendfrei
Bei der Fotografie – vor allem im Bereich Akt – achte er stets auf „political correctness“: „ich möchte, dass meine Bilder immer auch jugendfrei sind. Gerade das Spiel mit Licht und Schatten ermöglicht es, Körperpartien hervorzuheben oder zu verstecken“, betont der Fotograf die Vorteile einer gezielten Lichtführung in der Studiofotografie. Und er räumt mit gängigen Klischees auf: „Ich werde häufig gefragt, ob mich das nicht nervös macht, nackte Frauen zu fotografieren. Das ist totaler Blödsinn, weil ich mich dabei vollkommen auf das richtig eingesetzte Licht und ein perfektes Arrangement konzentrieren muss“, erläutert er.
TFP-Prinzip
Da er nicht professionell arbeite könne er sich zudem den Luxus erlauben, auch mal „Nein“ zu sagen. „Ich treffe mich vor dem Shooting jedes Mal mit den Models um festzustellen, ob die Chemie stimmt“, unterstreicht Diekmann – „sonst werden die Fotos nicht stimmig“. Er arbeite meist nach dem „TFP“-Prinzip („Time for Prints“): Das Model bekommt quasi als Entlohnung die Bilder des Fotografen, muss aber im Falle einer Veröffentlichung mit ihm Rücksprache halten. Auf geschönte Hochglanzbildchen dürfen die Mädchen dabei allerdings nicht hoffen: „ich bin kein Freund davon“, erteilt Stephan Diekmann Photoshopfiltern á la Neat Image eine klare Absage. Seine Fotos werden nicht retuschiert: „Die Haut muss noch da sein, knallweich gezeichnet ist sie völlig witzlos. Außerdem sieht das Glattbügeln bei Schwarz-Weiß-Bildern gar nicht gut aus“, stellt er fest.
Männliche Aktmodelle
Das gelte auch für männliche Aktmodelle. Es sei, so der Fotograf, als Mann eine echte Herausforderung, einen anderen Mann zu fotografieren. Er habe es wohl schon gemacht, aber es sei „echt schwer“ – er bevorzuge im Vergleich noch eher die Paarfotografie, wie etwa auch Hochzeitsfotos: „Ich hatte mal ein Shooting das so gut lief, dass wir 45 Minuten zu spät zur Trauung kamen“, gewährt Diekmann Einblick in seinen Anekdotenschatz. Neben der Studiofotografie hat er sich den Motorsport ebenfalls ganz groß auf die Fotofahnen geschrieben: Für drei Rennteams, darunter auch die münstersche Bonk Motorsport-Mannschaft, erledigt er inzwischen diesen Freundschaftsdienst – und hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt.

Motorsport dynamisch fotografiert: Stephan Diekmann fängt bei Rennen die Bewegung mit ein. Foto: Stephan Diekmann
Boxengasse
Nicht nur, dass Diekmann durch längere Belichtungszeiten dynamische Bewegungsabläufe ins Bild bringt, er hält zudem typische Situationen in den Boxengassen fest, die man sonst gar nicht zu Gesicht bekommt. Eine weitere Affinität hat er zur Musikerszene entwickelt: Ob der Bluesmusiker Gregor Hilden, Sidney Youngblodd oder Ron Williams – Diekmann hat sie ebenso verewigt wie etwa die Soul Family und Greg´s Bluesnight, und zwar „unplugged“ im Studio und ziemlich privat. „Ein schönes Hobby, und das soll´s auch bleiben“, freut sich Stephan Diekmann schon jetzt auf das 24 Stunden-Rennen im Mai auf dem Nürburgring.
Diekmann-Photo, http://www.d-m-motorsport.de/
Wolfram Linke
Sie sind ein ambitionierter münsterscher Amateurfotograf, haben daheim kleine optische Kostbarkeiten liegen und keine Möglichkeit, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren? Ungewöhnliche Perspektiven,fantastische Farben, kuriose Situationen, magische Welten, furiose Fotos – wir zeigen sie. Melden Sie sich – wir stellen Sie und ihr Fotos vor. Interessierte können sich per E-Mail unter foto@echo-muenster.de gerne bei uns melden.
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