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"Sinn und Sünde" im Bahnhofsviertel: Kultur für Genießer

Markante Außenfassade als Blickfang: Ins frühere "Metropolis"-Gebäude zieht nun ab dem kommenden Wochenende "Sinn und Sünde" ein - Café, Club und Kulturstätte unter einem Dach. [Foto: PR]
Der Mann ist Kneipier, hat aber bereits vorher als Werbestratege gejobbt. Dieser Beruf begleitet Gerald Wissel bis heute. Deshalb verpasste er dem neuen Betrieb - am Freitag, 29. Februar, ab 19 Uhr feiert das Team Eröffnung - bewusst den Firmennamen „Sinn und Sünde“.
Eine Bezeichnung, mit der er in der Altersgruppe der über 23-Jährigen unterschiedliche Assoziationen wecken will. Nein – nicht das, was Sie jetzt denken. Wissel verfolgt im früheren „Metropolis“-Lichtspielhaus am Berliner Platz ganz andere Ziele, schwärmt von „atmosphärischer Lichttechnik“, „emotionalen Showeinlagen“, „hypnotischen Beats“ sowie „kulinarischen Schlemmereien" – kurzum: von „berauschender Event-Gastronomie“, die Offerte für Kopf und Bauch. „Mir“, lacht er verschmitzt, „mir schwebt dort die Mischung aus Cafè, Club und Kulturstätte vor. Dank eines Programms, das rund um den Bahnhof helle Lichter entzünden wird."
Mediathek: Eröffnung "Sinn und Sünde" am 29.02.2008
Kleinkunst in allen Variationen
Letzteres vor allem, besonders an den Wochenenden: die Anlaufadresse für Genießer, die gepflegt essen gehen oder obendrein amüsant unterhalten werden möchten. Bei Kabarett, Comedy, Tanz, Theater, Varieté – Kleinkunst eben, in sämtlichen Variationen. Da sind dem Planer hoffnungsvolle Nachwuchstalente genauso lieb wie arrivierte Stars. Die Verbindungen zu den Agenturen - längst initiiert.
Win-Win-Situationen
Weil sich Wissel seit langem in der münsterschen Branche tummelt, außerdem etliche Geschäftspartner und Multiplikatoren kennen lernte, knüpfte er während der vergangenen Monate gezielt Kontakte für örtliche Win-Win-Situationen. „Statt erbitterte Konkurrenzkämpfe zu führen“, so lautet das persönliche Credo, „versuche ich eher Mitbewerber von Kooperationen zu überzeugen“ – zum Wohl der Sache. Da sprach er etwa bei David Rebel vor, dem Ballettschul-Inhaber – und lotete mit ihm die Möglichkeiten für Jazz-Dance-Inszenierungen aus. „Formen einer Zusammenarbeit, die auf Dauer beiden nützen“, erläutert der PR-Experte den auf gedeihliche Nachbarschaft angelegten Kurs.
Entertainment-Formate
Darüber hinaus beabsichtigt er eine Charity-Nacht mit zahlreichen Gospel-Chören zu organisieren, liebäugelt mit Karaoke-Abenden und Single-Partys. Poetry-Slam, das landauf landab gerade favorisierte Entertainment-Format, taucht demnächst ebenfalls in seinem Kalendarium auf.
Und erst die Musik: ihr kommt zentrale Bedeutung zu – ob nun live gespielt oder aus der Konserve gezaubert. Bevorzugte Stilrichtungen: Funky-, House- und Charts-Rhythmen. Arrangements, die selbst der Midlife-Generation noch gefallen. „Punk-Geschrammel“, erklärt Wissel kategorisch, „werden wir nicht dulden.“ Dafür vermag er weitaus Besseres vorzuweisen: „Gegenwärtig“, es klingt verheißungsvoll, „verhandeln wir mit einer international bekannten Formation aus Großbritannien.“ Was Band-Auftritte anbelangt, sollen Konzerte von Profis und Amateuren geschickt miteinander kombiniert werden.
Umfangreiche Umbauten
Die Computer-Simulation macht deutlich, wie sich Betreiber Gerald Wissel künftig die Gestaltung des früheren Kino-Saals vorstellt. An Veranstaltungstagen werden Tische und Stühle ab 23 Uhr gar verschwunden sein - für Dancehall-Vergnügen bis zum frühen Morgen.
Die Besucher, sie können sich künftig auf drei Etagen vergnügen – das Resultat umfangreicher Umbauten. Im Erdgeschoss: die Coffee-Bar. Den hier angestrebten Lounge-Charakter versteht Wissel als Einladung zum Verweilen. „Eine Art Treffpunkt, nicht zuletzt für die Massen von Pendlern.“ Treppauf erreicht man dann das Kernstück des Gebäudes – den ehemaligen Kino-Saal, inzwischen nach Wegfall der Trennmauern beträchtlich vergrößert. Die Plattform für das so genannte Cinematic-Restaurant – mitsamt der alten Leinwand, die tunlichst installiert blieb. „Mein Traum, Teile der einstigen Ausstattung verwenden zu dürfen.“ Dass in den Pausen, während die Gäste auf den nächsten Gang aus der italienisch-mediterranen Küche warten, Filmschnipsel eingeblendet oder Bühnen-Gags zelebriert werden, auch dies soll letztlich gehobene Klasse unterstreichen. Übrigens: der Mittagstisch ab 11.30 Uhr, er ist fester Bestandteil des Angebots.
Raucher-Nische
Ein zusätzlicher Clou: „Die Inneneinrichtung“, verrät der Disco-Chef, „lässt sich abends blitzschnell auf Club-Dekoration umpolen.“ Heißt in der Praxis: An Veranstaltungstagen (mittwochs, freitags, samstags), jeweils ab 23 Uhr, sind Tische und Stühle binnen weniger Minuten verschwunden – das Parkett für die kesse Sohle. Auf der dritten Ebene schließlich sind Balkon sowie Raucher-Nische untergebracht.
Am Mittwoch wurde im gesamten Objekt kräftig gebohrt, geschraubt, gehämmert. Vom Glanz einer Einweihungsfete war da wenig zu sehen. Dennoch gibt sich Wissel optimistisch: „Wir werden das Publikum pünktlich hereinbitten“ - für einen recht illustren Auftakt: Die "Crazy Lady Boys" zeigen ihre Travestie-Revue.
Wolfgang Halberscheidt
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