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Studis auf dem Sprung

Akrobat schön: Traceure und Freerunner lernen die Bewegungsabläufe jetzt in einem Kurs. [Foto: Wolfram Linke]
Johannes konzentriert sich. In seinem Gesicht ist die Anspannung kurz vor dem Sprung zu erkennen. Er steht mitten in der Turnhalle auf einem Kasten und taxiert einen zweiten, der in einiger Entfernung von ihm steht. Er spannt seinen Körper an und geht in die Hocke. Erst dann holt er mit den Armen Schwung und stößt sich mit den Beinen ab.
Vorgegebene Bahnen verlassen
Nach einer kurzen Sprungphase kommt er auf dem zweiten Kasten zum Stehen. Johannes Hohenhaus ist „Traceur“, jemand, der die Sportart Parkour ausübt. Der urbane Sport wurde von dem Franzosen David Belle begründet und hat das Ziel, vorgegebene Bahnen zu verlassen und sich seinen eigenen Weg zu bahnen. Parkour ist nicht nur eine Sportart, die sich in den Städten immer größerer Beliebtheit erfreut, sondern für viele Traceure auch eine Lebenseinstellung: Die Sportler gehen ihren eigenen Weg und versuchen, diesen auf die effizienteste Art zurück zulegen.
Spektakuläre Läufe
Immer mehr Videos von waghalsigen Sprüngen, Salti von Mauern und spektakuläre Läufe durch Häuserschluchten kreisen durch das Internet. „Das ist dann aber schon Freerunning und kein Parkour mehr“, erklärt Johannes. Beim Parkour versucht der Sportler, sich effizient über gegebene Grenzen hinweg zu setzen, Freerunner probieren, ihre Tricks perfekt in Szene zu setzen. „Wir praktizieren eine Mischung aus beidem“, sagt Johannes.
Realistische Ziele
Der Design-Student aus Münster läuft seit gut einem Jahr durch die Stadt, immer auf der Suche nach einem passenden Hindernis, das es zu überwinden gilt. „Es ist wichtig, sich realistische Ziele zu stecken“, sagt Johannes. „Es bringt nichts, sich gleich am Anfang an einer zwei Meter hohen Mauer zu versuchen.“ Auch darum geht es beim Parkour: Lernen, wo die eigenen Grenzen liegen und diese dann durch Training Stück für Stück zu überwinden.
Technik wichtig
Um die Verletzungsgefahr möglichst gering zu halten, kommt es vor allem auf die Technik an. Die können sich die meisten Sportler aber nicht allein beibringen. Deshalb leitet Johannes zusammen mit drei weiteren Trainern einen neuen Kurs für angehende Traceure und Freerunner. Seit diesem Wintersemester haben Neueinsteiger die Möglichkeit, jeden Samstag in der Haupthalle am Horstmarer Landweg die Grundlagen der Sportart zu erlernen. „Im Winter ist es das Wetter für ein regelmäßiges Training einfach zu unbeständig. Deshalb haben wir uns mit dem Hochschulsport der Uni kurzgeschlossen und diese Hallenzeiten vereinbart“, sagt der Student.
Große Resonanz
Dass der Kurs so gut angenommen wird, damit haben die vier Trainer nicht gerechnet. Drei Tage nach der Bekanntgabe waren die zwanzig Plätze schon belegt. Und jetzt wird fleißig an präzisen Sprüngen und Rollen gefeilt. Drei Teilnehmer laufen seitlich an der Hallenwand hoch und springen über einen Kasten, ein anderer übt Salti auf einer dicken Sprungmatte. „Natürlich sind das hier keine realen Bedingungen für Parkour und Freerunning, weil in der Halle überall Matten ausgelegt sind. Aber so verletzt sich ein Anfänger nicht so schnell und kann dann im Frühjahr auf der Straße viel sicherer an die Hindernisse herangehen“, so Johannes.
Blaue Flecken
Blaue Flecken und Abschürfungen bleiben bei diesem Sport nicht aus, aber ernsthafte Verletzungen hat sich noch keiner der Sportler zugezogen.
Wer Lust hat, kann sich den Sportlern jederzeit anschließen, das Team um den Design-Studenten freut sich über jeden neuen „Laufbegeisterten“. Kontakte und Trainingszeiten werden in einer eigenen und für jeden zugänglichen Gruppe im Studivz oder in einem eigenen Forum unter www.muenster.tk angeboten. Bequeme Sportkleidung, die nicht behindert und die Lust am Lauf durch die Stadt sollte jeder angehende Freerunner oder Traceur mitbringen. Julia Stempfle
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