Graphikmuseum Pablo Picasso zeigt die Skizzenbücher des lieben Gottes

Aktfotografie als Meisterstück: In der neuen Ausstellung des Graphikmuseums Pablo Picasso sind bis zum 11. Mai über 100 Exponate des Franzosen Lucien Clergue zu sehen. [Foto: PD]
Im Jahr 1953 lernten sich der Fotograf Lucien Clergue und Pablo Picasso bei einer Corrida, einem Stierkampf, kennen. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die im Graphikmuseum Pablo Picasso jetzt in besonderer Weise gewürdigt wird.
Am Donnerstag wurde die Fotoausstellung „Lucien Clergue – Magie und Mythos“ von dem Protagonisten selbst und Museumsdirektor Prof. Dr. Markus Müller eröffnet. „Eine Retrospektive des großen französischen Fotografen und Picasso-Freundes Lucien Clergue war ein lang gehegter Wunsch, der nun in Erfüllung geht“, freute sich der Chef.
Künstlerische Bedeutung
Es war eine wunderbare Freundschaft zwischen Lucien Clergue und Pablo Picasso (Foto): Bis zum Tode des bekannten Malers schuf der Franzose gut 3000 Fotografien von ihm. Foto: PD
Picasso hatte schon damals einige Arbeiten des am 14. August 1934 im südfranzösischen Arles geborenen Talents zu sehen bekommen und frühzeitig die künstlerische Bedeutung kennen gelernt. Bis zum Tode des bekannten Malers schuf Clergue gut 3000 Fotografien von ihm.
Lebensretter Picasso
Für Clergue, der 2006 als erster Fotograf in die Académie Française aufgenommen wurde, haben Zeitpunkt und Ort der münsterschen Werkschau eine besondere Bedeutung: „Vor genau 50 Jahren hat mir Picasso das Leben gerettet“, erinnert sich der Franzose. „Er sagte mir damals beim gemeinsamen Mittagessen, dass ich schlecht aussähe und deshalb dringend zu einem Arzt gehen solle.“ Es folgten ein Krankenhausbesuch und eine lebensrettende Operation. „Danach begann das Leben für mich ein zweites Mal“, erzählt der 73-Jährige.
Schöpferische Freiheit
In den 1960er Jahren feierte Clergue, dem seine schöpferische Freiheit immer wichtiger war als das große Geld, insbesondere mit ästhetisierenden Akt-Fotos große Publikumserfolge. Die klare Formsprache seiner schwarz-weißen Bilder wich später einer kunstvollen Überblendungstechnik von surrealer Farbigkeit. Landsmann Jean Cocteau, seines Zeichens Schriftsteller, Regisseur und Maler, bezeichnete ihn als „Dichter mit einer Kamera“ und auch Picasso war stets voll des Lobes für den Freund: „Die Fotografien von Clergue sind die Skizzenbücher des lieben Gottes“.
Rund 100 Exponate
Die Reihe, in der insgesamt rund 100 Exponate zu sehen sind und die bei ihrer Premiere in Wien mehr als 25 000 Besucher anlockte, spannt einen Bogen von Clergues frühen bis hin zu seinen aktuellen Aufnahmen und vereint sein gesamte motivisches Spektrum. Der erste Ausstellungsraum allein ist dem Meister Picasso gewidmet, einen weiteren Schwerpunkt der Schau bilden die Akt-Fotografien. Des Weiteren sind zahlreiche Abbildungen von Stierkämpfen, für die Picasso und Clergue zeitlebens eine große Begeisterung teilten, in einem weiteren Trakt des Museums zu bewundern.
Die Ausstellung dauert vom 7. März bis zum 11. Mai.
Nils Küper
Weitere Informationen sind zu finden unter: www.graphikmuseum-picasso-muenster.de
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