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Studienhospital europaweit einzigartig

Unter Beobachtung: Begleitet von Prof. Jörg Haier führt ein Student die chirurgische Visite durch. [Foto: Wolfram Linke]
Ein sauberer Schnitt, um die Wunde zu erweitern, per Finger entlang der Rippe durchs Muskelgewebe Platz schaffen und dann die Drainage legen – für einen erfahrenen Arzt reine Routine, für Medizinstudenten bislang eher Theorie.
Nun allerdings können die Studierenden der Universität Münster im europaweit ersten Studienhospital des Universitätsklinikums (UKM) am Malmedyweg auch jede Menge praktischer Erfahrungen sammeln. „Mit dieser Bündelung von Angeboten“, erklärt Pressereferent Dr. Thomas Bauer anlässlich der Eröffnung des ersten Abschnitts, „unter einem Dach wird eine Atmosphäre des situativen Lernens geschaffen“.
Mediathek: Studienhospital des Universitätsklinikums Münster
Täuschend echt
Und die Situation ist täuschend echt: Der Student geht zur chirurgischen Visite in ein originalgetreu nachgebautes Krankenzimmer, wo ihn jeweils ein Patient – Schauspieler des theaterpädagogischen Zentrums, die speziell auf Krankheitssimulationen trainiert sind – erwartet. Zurzeit stellen 14 Schauspieler sechs Krankheitsbilder in dem von Dr. Hendrik Friederichs geleiteten Studienhospital nach.
Unter Beobachtung
Nach Vorgabe wird eine Situation gespielt, die der Studierende zu bewältigen hat. „Das“, so Dr. Bauer, „können auch einfache Situationen sein – was etwa macht der Student, wenn kein Stuhl im Raum ist? Bleibt er stehen? Setzt er sich aufs Bett? Holt er sich eine Sitzgelegenheit heran?“ Natürlich bleibt das Geschehen nicht unbeobachtet – zwischen den Patientenzimmern befinden sich abgedunkelte Räume, von denen aus sechs Studenten, ein Tutor und die Dipl.-Psychologin Janina Sensmeier die Szenerie durch einen nur einseitig durchlässigen Spiegel mitverfolgen.
Manöverkritik
„Danach steht die Manöverkritik auf dem Plan – die Kommilitonen, der Tutor, die Psychologen und die Schauspieler aus Patientensicht bewerten das Verhalten“, erläutert der Pressesprecher. Das Training wird mehrfach durchgeführt. Ab welchem Semester die Studenten künftig in der Praxis lernen können, steht im Bereich Chirurgie noch nicht endgültig fest: „Es gibt eben europaweit noch keinen Vergleich“, verweist Prof. Dr. Jörg Haier auf die Alleinstellung des neuen Hospitals. Laut Dr. Bauer wird dieser Unterricht allgemein dann im vierten klinischen Semester angesiedelt.
High Tech
Neben den Schauspielern erwartet den medizinischen Nachwuchs auch eine High-Tech-Puppe, mit der bestimmte Vorkommnisse nach einer Operation simuliert werden können. Zu guter Letzt begleitet Dr. Bernhard Marschall, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Münster sowie ursprünglicher Ideengeber des Studienhospitals, die Studierenden durch einen recht realistischen Part – wie man mit Wasser in der Lunge fertig wird, können sie an Schweinehälften probieren.
Studium aufgeteilt
„Das Studium teilt sich in der Chirurgie auf in Vorlesungen und chirurgische Seminare“, klärt Prof. Haier auf. Diese Seminare sind internetbasiert – in einem virtuellen Krankenhaus erwarten den Studenten 200 Fragen sowie die Aufgabe, Diagnosen zu stellen. Anschließend ist eine Therapiestrategie zu erstellen. Es folgt der praktische Teil - im ersten klinischen Semester werden Basisfertigkeiten wie etwa die Blutentnahme gelernt. Es folgen komplexe Techniken – chirurgische Knoten und das Legen eines venösen Zugangs beispielsweise. Erste therapeutische Ansätze gehören ebenfalls dazu.
Zusammenführung
„Mit dem Studienhospital sollen hier beide Arme zusammengeführt werden“, betont Prof. Haier. Die Studierenden lernen am Malmedyweg jetzt alles von der Diagnose über das Gespräch mit dem Patienten und die Narkose bis hin zum Nähen oder Schlauch legen. Bisheriges Manko“, so Dr. Haier, „war, dass die Studenten zu wenig patientenorientiert ausgebildet wurden“. Rund 2500 Studierende gibt es derzeit im Fachbereich Medizin, das sind circa 150 Studenten pro Semester. In Gruppen zu je sechs Studenten werden am Studienhospital pro Einheit 48 Stunden gelernt. Wolfram Linke
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