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Den Alltag bewältigen - ohne Geld

Anna, Astrid und Lisa (v.l.) als Helfer bei der Lebensmittel-Ausgabe der Münster-Tafel in der Jakobus-Gemeinde. [Foto: Peter Buddendick]
Ohne Geld leben – können Sie sich das vorstellen? Elf Jugendliche aus Werl versuchen dergleichen im Rahmen eines Selbstversuches zurzeit in Münster. Und das recht erfolgreich wie Astrid (17 Jahre), Anna (18) und Lisa (17) mit einigem Erstaunen feststellen.
Seit Dienstag sind sie Teil der Aktion „Ohne Geld durch die Welt“, die vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) initiiert wurde. „Was brauchen wir und was können wir tun, um diese Bedürfnisse zu befriedigen?“ Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Vorbereitung auf die fünftägige Aktion.
Tauschaktionen
Die sieht Arbeitseinsätze ebenso vor wie Tauschaktionen. Sie wohnen im Umwelthaus und begleichen die Mietkosten durch kleine Arbeitseinsätze in dieser Einrichtung. Dass die keine Duschen vorhält – kein Problem. Es gab da jemand, dem Astrid, Anna und Lisa die Wohnung putzten – und dafür die Dusche nutzen durften.
Das Frühstück gabs in einer Bäckerei – natürlich nach entsprechenden kleinen Dienstleistungen. In der Senioreneinrichtung an der Münzstraße wurden Spaziergänge mit Bewohnern mit Tee und Plätzchen honoriert. Zaungäste einer Generalprobe im Stadttheater wurden sie, nachdem sie für das Theater Flyer verteilten. Und die Aufräumaktion in einem Café hatte die Einladung zum Mittagessen zur Folge.
Regenschirm für "Appel und Ei"
„Appel und Ei“ als Tauschangebote – auch das war ein Selbstversuch mit durchaus ansehnlichem Erfolg. Schreibstifte, und sogar einen Regenschirm gab es von Passanten in Münster als Gegenleistung.
Mit Menschen, die nicht freiwillig mit wenig Geld auskommen müssen, hatten es die drei jungen Frauen heute zu tun. Wie zuvor bereits andere aus der Werler Gruppe waren sie helfende Gäste bei der Münster-Tafel in der Ausgabestelle der Jakobus-Gemeinde an der Beckstraße.
Hilfe bei der Münster-Tafel
Rund 70 Bedürftige erhalten hier gespendete Lebensmittel. Etwa 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sorgen einmal pro Woche für die gerechte Verteilung. Jutta Sperlich ist eine von ihnen. Und ihre Begeisterung über diese Jugendlichen ist unüberhörbar. „Es ist toll was die machen.“ Dass sich die jungen Damen nicht in die Zuschauerrolle begeben haben, sondern „gleich nach ihrer Ankunft mit angefasst haben“ sei eine ganz neue, eine sehr positive Erfahrung – so Jutta Sperlich.
Und die Erfahrungen der drei mit den Münsteranern? „Die sind insgesamt gut“ versicherte Anna. Dies umso mehr, als die Hilfsangebote nicht im Vorfeld vorbereitet wurden. In ein Geschäft zu gehen, kurzzeitige Hilfe gegen Naturalien anzubieten, ist nicht alltäglich. „Aber fast alle so Angesprochene haben uns gut aufgenommen“ berichtete Astrid. Und Lisa hofft, dass das auch in den nächsten Tagen so bleibt.
Eine gute Lebenserfahrung
Den zweiten Teil des Freitags – und auch noch einige Stunden am Samstag – hilft die gesamte Gruppe in einem Unternehmen des ökologischen Gartenbaus, pflanzt dort eine Hecke. Auch das selbstverständlich gegen entsprechende Naturalentlohnung.
Am Sonntag endet der Selbstversuch, der als sehr gelungen bezeichnet werden kann. Allerdings wissen auch Astrid, Anna und Lisa, dass der „normale“ Alltag ohne Geld nicht funktionieren kann. Immerhin: Eine gute Lebenserfahrung war es allemale.
Peter Buddendick
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