Benutzeranmeldung
Adam Riese Show: Ein bißchen frecher darf's ruhig sein!

Es waren brillante Momente: Nikola Materne und Götz Alsmann swingen während der Adam-Riese-Show gemeinsam los. [Foto: Halberscheidt]
Nett ist er ja. Nett, zuvorkommend und stets souverän. Jemand, der mit den Gästen beredt zu parlieren versteht - was die Besucher gern mit Applaus goutieren: Samstagabend, Pumpenhaus, ausverkaufte Kulisse.
Szene-Talker Adam Riese hat die nach ihm benannte Show fest im Griff, hat sich beim Ablauf der Veranstaltung besondere Mühe auferlegt. Hat alte Filmschnipsel, vergilbte Schnappschüsse, eigens ausgedachte Quiz-Fragen zu spielerischen Intermezzi verarbeitet, um den Interviewpartnern via Groß-Leinwand leichter originelle Aussagen zu entlocken.
Rio Reisers Depri-Phase
Wer ahnte schon, dass Anarcho-Rocker Rio Reiser während der persönlichen Depri-Phase Anfang der Neunziger bei einem Text-Workshop nichts Besseres einfiel als Seminarteilnehmerin Nikola Materne, Münsters stimmgewaltige Jazz-Frontfrau, auf Da-Da-Da-Lyrics einzuschwören? Oder wer hätte gedacht, dass Hilla Stadtbäumer, verantwortliche WDR-Redakteurin bei der Sendung mit der Maus, ursprünglich Meeresbiologin werden wollte, bis ihr gleich die erste Schiffstour mitsamt prompter Seekrankheit den Job vermasselte?
Und dass Tausendsassa Götz Alsmann zu Penne-Zeiten lieber bei Tchibo ganz allein Kaffee trinken ging, während die übrigen Klassenkameraden am Lambertibrunnen abhingen, wird zahlreichen Besuchern im Publikum unbekannt gewesen sein.
Musikalische Duftnoten
Assistentin Alina führte während der Veranstaltung Götz Alsmanns exotische Kopfbedeckungen spazieren. Foto: Halberscheidt
Auch die Vorliebe des telegenen Tollenträgers für seltene, geradezu exotische Kopfbedeckungen verblüfft. Insofern besitzt die mehr als zweieinhalbstündige Plauder-Runde durchaus Unterhaltungswert, zumal Markus Paßlicks Original Pumpernickel-Band mit ihren kleinen, wohl pointierten musikalischen Duftnoten immer wieder aufhorchen lässt. Wenn das Ensemble mit Materne oder Alsmann zur Auflockerung dann noch gemeinsam los swingt, sind brillante Momente vorprogrammiert. Alles gut - einerseits.
Kein Zwiegespräch
Andererseits verhält sich Meister Adam viel zu brav. Okay - an seiner Leistung als eloquenter Stichwortgeber ist nichts auszusetzen. Doch als wissbegieriger Frager bohrt er zu wenig nach, hakt Antworten viel zu früh ab. So kann kein Zwiegespräch aufkommen. Statt das Gegenüber zu tiefsinnigeren, trotzdem kurzweiligen Ich-Bekenntnissen zu verleiten, reichen dem Moderator zumeist zwei bis drei oberflächliche Statements – da schneidet er bereits das nächste Thema an. Gerade Alsmanns Behauptung etwa, im Nachgang der wilden Sechziger bewusst nicht dem Hippie-Kult gefrönt zu haben, hätte sich herrlich zur gesellschaftlich-süffisanten Retrospektive der APO-Ära geeignet. Die Chance hierzu haben beide vertan.
Kaum Überraschungsmomente
Etliche der zwischen den Beteiligten an dem Abend geführten Dialoge wirken abgesprochen, muten fast wie vorher einstudiert an. Deshalb bleibt kaum Platz für Überraschungsmomente. Sowieso: Ein wenig frecher, flapsiger dürfte es Riese, einst Botschafter des schlechten Geschmacks, schon treiben. Nein, nein – nicht die Promis auf dem Sofa düpieren, das will keiner. Aber ihnen die eigene Selbstdarstellung schwieriger gestalten und gleichzeitig charmant auftreten, dies müsste machbar sein.
Gleicher Ort, gleicher Rahmen
Sei’s drum. Die Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen, bietet sich am 10. Mai. Gleicher Ort, gleicher Rahmen. Dann hat der Entertainer u.a. Comedian Carsten Höfer sowie Sänger Johnny Ketzel alias Wolfgang Scherbening neben sich sitzen.
Wolfgang Halberscheidt
Dieser Artikel dürfte Sie auch interessieren:
[13.05.2010 | ECHO]Nach sieben Jahren Gruppenproduktionen kehrt José Navas nun zu seiner Leidenschaft, dem Solotanz, zurück: In seinem neuen Stück „Miniatures“ offenbart er seine eigene Persönlichkeit mit allen Nuancen und Feinheiten eines erfahrenen Tänzers. Das Pumpenhaus bringt das Werk im Rahmen des „Statements“-Festivals am Sonntag, 23. Mai, auf die Bühne.
[12.05.2010 | ECHO]„Spacing“ heißt die neueste Produktion von Urbanscreen. Die Bremer Projektionskünstler verwandeln die Außenhaut des Gebäudes an der Stubengasse in eine virtuelle Bühne. Architektur wird Spielstätte und Leinwand zugleich. Zu sehen ist das Projekt – präsentiert vom Pumpenhaus im Rahmen von „Statements“ – am Samstag, 22., und Sonntag, 23. Mai, jeweils um 22 Uhr.
- [12.05.2010 | ECHO]
Die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, hilft Krankheiten auszuschließen, bevor sie entstehen. Sprich, bevor die künstlich befruchtete Eizelle eingepflanzt wird. In dem Hörspiel „Die Unmöglichen“ erzählen die Autoren Paul Plamper und Julian Kamphausen die möglichen Leben von drei Embryonen. Am Donnerstag, 20. Mai, wird es im Franz Hitze Haus präsentiert.
[11.05.2010 | HDT]Der Mann mit der Tolle. Musiker, Talkmaster, Entertainer - einer, der sein Fach beherrscht. Und ihn, den immer charmanten, zugleich verschmitzten TV-Kollegen haben sich die Macher der Bremer Unterhaltungsshow "3 nach 9" am Freitag, 14. Mai, ins Studio eingeladen.
[11.05.2010 | ECHO]Wird es in hundert Jahren fliegende Autos geben? Eher nicht. Hip-Hop aber schon. In „Welle: Asphaltkultur“ blicken 19 Studenten der Masterclass 2009 der Hamburger HipHop-Academy in die Zukunft und auf die Gegenwart. Choreograf und Regisseur Samir Akika hat daraus eine energiegeladene Bühnenshow kreiert. Zu sehen gibt’s diese am Freitag, 21. Mai, im Pumpenhaus.
Archiv
Am 7.7.2010 ist der Umzug in unser neues Zuhause echo-muenster.de (ohne www.) erfolgt. Auf vielfachen Wunsch bleiben die gesamten bisherigen Inhalte weiterhin hier erreichbar:



