Olympische Spiele: „Seit jeher ein Politikum!“

Gemeinsam für die Ringvorlesung zu Olympia (v.l.): Sportamtsleiter Schirwitz, Prof. Krüger (WWU), Ingo Weiss (DOSB) und Prof. Naul (Essen). [Foto: Lutz Hackmann]
Sie brennt wieder, die Olympische Fackel, der Lauf kann weiter gehen, trotz der massiven Proteste in den europäischen Metropolen London und Paris. Die Spiele in Peking 2008 – sie sind ab der kommenden Woche auch in Münster ein Thema.
Denn ab dem 15. April beginnt die von den Sportfakultäten der WWU Münster und Uni/Gesamthochschule Duisburg/Essen sowie den Sportämtern der Städte initiierte Vorlesungsreihe zum Anlass der weltgrößten Sportveranstaltung. Zehn Etappen umfasst die Ringvorlesung, die für alle Bürger offen ist und wöchentlich wechselnd in Münster – hier in der Rüstkammer des Rathauses – und in Essen jeweils dienstags Station machen wird.
"Komplettes Spektrum behandeln"
Und da wird nicht einfach doziert, wie Biomechaniker die Sportschuhe zwischen 1896 und heute fortentwickelt haben. „Wir wollen“, sagt Professor Dr. Michael Krüger, „das komplette Spektrum der Olympischen Spiele behandeln und diskutieren. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Dabei geht es dem Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der WWU wie seinem Essener Kollegen Prof. Dr. Roland Naul darum, die enge Verknüpfung von Sport und Kultur deutlich zu machen. Historische, kulturelle, pädagogische und aktuelle Aspekte werden von namhaften Wissenschaftlern im Rahmen der Ringvorlesung haargenau betrachtet. Und durchaus kritisch angegangen.
So legt Naul schon im Vorfeld den Finger in die Wunde: „Warum müssen“, fragt sich der Professor, „die Olympischen Spiele 2008 dafür herhalten, dass brandaktuell politische Gruppen sie instrumentieren. Menschenrechte und China – das ist seit über 50 Jahren ein aktuelles Thema! Und Olympia ist seit jeher ein Politikum gewesen.“ Sujets wie dieses wollen Naul und Krüger in der Reihe unter die Lupe nehmen. Selbstredend wird die Doping-Problematik aufgenommen, auch hier stellt Naul schon mal eine provokante These auf: „Was nützt es, wenn Deutschland Weltmeister in der Doping-Analyse ist, aber nur Kreismeister in der Doping-Prävention?“ Stoff für Diskussionen, die ja im Rahmen der Vorlesungsserie auch erwünscht sind. So stellt sich das auch der Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Ingo Weiss, vor. Der langjährige Sportfunktionär aus Münster freut sich auf dynamische Veranstaltungen, die dem Bürger, und nicht nur dem Sportler, „Olympia ganz nahe bringen. Das was hier passiert, was die beiden Hochschulen da vorbildlich bilateral geschaffen haben, ist wirklich eine exzellente Geschichte.“
Vesper am ersten Abend
Gleich zum Beginn am 15. April in der Rüstkammer (18 bis 20 Uhr) haben die Event-Motoren Krüger und Naul mit dem DOSB-Generaldirektor und Chef de Mission der deutschen Mannschaft in Peking, Michael Vesper, einen Hochkaräter als Referent gewonnen. Der ehemalige grüne NRW-Landesminister hält einen Vortrag unter dem Arbeitstitel „der deutsche olympische Sport auf dem Weg nach Peking“. In Reihen des münsterschen Sportamtes mit seinem Chef Bernd Schirwitz ist man an diesem Abend darauf eingestellt, die normalerweise 70 Sitzplätze noch um das Machbare aufzustocken. Ein Platz ist im Übrigen schon für Weiss reserviert. Der kommt, um seinem DOSB-Chef zu lauschen. „Aber dann mal im Polo-Shirt und ohne Krawatte!“
Lutz Hackmann
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