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Münster steht auf Tibetfahnen

Sabine Feldmann mit der viel gefragten tibetischen Flagge. [Foto: Clauser]
Sie avanciert in diesen Tagen zum begehrten Symbol der Solidarität: die tibetische Flagge. Das bunte Tuch ist in kürzester Zeit zum Verkaufsschlager geworden. Auch bei Fahnen Brinkmann an der Klemensstraße, wo gestern eine seit längerem ersehnte Lieferung eintraf.
Die Nachfrage war in den letzten Tagen beachtlich, wie Inhaberin Sabine Feldmann berichtet. Die eher bescheidenen Bestände waren zuvor bei ihr und bei anderen Händlern schnell vergriffen.
Tibetflaggen made in China
Und mit dem Nachschub gab es Probleme: „Denn die Tibetfahnen, die beim Großhandel eintrafen, kamen ausgerechnet aus China“, beschreibt Feldmann die prekäre Situation. Der Hersteller aus dem Reich der Mitte wurde von der politischen Führung flugs unter Druck gesetzt, rief seine Ware aus Deutschland zurück.
Taiwan sprang ein
Damit nicht genug der poltischen Pikanterie. Denn ausgerechnet Taiwan sprang ein, um den Lieferengpass zu beseitigen, wie Sabine Feldmann berichtet. Sie freut sich, etlichen Kunden, die sich in den letzten Tagen erkundigt haben, jetzt dienen zu können. Was die dann mit dem 150 mal 80 Zentimeter großen Tuch anfangen, weiß sie allerdings selber nicht genau. Denn längst nicht jeder nennt eine geeignete Fahnenstange sein eigen.
Verwendung als Schultertuch
„Mancher legt sich die Flagge auch als Tuch um“, hat die Einzelhändlerin beobachtet. Ob sie selbst ein politisches Signal gegen das chinesische Vorgehen mit dem auffallenden Sonderangebot im Schaufenster setzen möchte? „Na ja, wenn ich völlig dagegen wäre, würde ich die Tibet-Fahnen nicht anbieten“, sagt Feldmann.
Keine Sympathie für Olympia-Boykott
Dem Gedanken eines Olympia-Boykotts steht sie aber skeptisch gegenüber. Der träfe doch nur die Sportler und das begeisterte Publikum in aller Welt. Wenn es allerdings eine Möglichkeit gäbe, die Spiele kurzfristig in ein anderes Land zu verlegen, fände sie das nicht schlecht. „Man sollte China auf jeden Fall zeigen, dass man nicht einverstanden ist mit dem, was in Tibet geschieht“, findet die Münsteranerin. Der Flaggenverkauf ist da ein kleiner Beitrag.
Nächster Boom winkt
Am Horizont winkt übrigens schon der nächste Fahnen-Boom. Bei der EM im Juni wird wohl schwarz-rot-gold wieder gefragt sein. „Da freue ich mich schon drauf“, verrät Sabine Feldmann.
Stefan Clauser
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