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Vesper redet Klartext: Olympia-Boykott kein Thema

DOSB-Chef Michael Vesper (2.v.l.) mit Bürgermeisterin Karin Reismann, den Professoren Michael Krüger und Roland Naul sowie Bernd Schirwitz vom Sportamt. [Foto: Clauser]
Olympia-Boykott? Für Dr. Michael Vesper ist das kein Thema, wie eifrige Fernsehzuschauer ohnehin schon wissen. Der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) machte es seinem münsterschen Publikum trotzdem noch mal klar.
Bei der ersten Vorlesung der Ringvorlesung zum Thema Olympische Spiele der Unis Münster und Essen/Duisburg holte Vesper in der Rüstkammer zum „politischen Aufschlag“ aus, wie Gastgeber Prof. Michael Krüger formulierte.
Olympische Spiele nicht instrumentalisieren
Und der prominente Gast ließ sich nicht lange bitten, ging gleich auf die aktuelle Tibet-Diskussion ein. Vesper wetterte über diejenigen, „die an Sport nicht sonderlich interessiert sind“, gleichwohl aber die Spiele in Peking politisch zu instrumentalisieren suchten. Das DOSB-Präsidium unter seiner Führung hält dagegen, argumentiert, dass ein Boykott das Verhalten der chinesischen Führung nicht positiv zu beeinflussen vermag.
Wirkungslose Absage
Im Gegenteil, wie Vesper findet. Er führte die wirkungslose Absage von Moskau 1980 und die folgende politische Eiszeit ins Feld. „Die Drohung des Fernbleibens“, so Vesper mit Blick auf Peking, „geht ins Leere.“
Wenig angetan zeugte sich der DOSB-Chef davon, dass ausgerechnet münsterländische Politiker mit der Düpierung Pekings liebäugeln. Namentlich Bundestagsabgeordneter Ruprecht Polenz und EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering verfolgen für Vesper die falsche Strategie.
Menschenrechte und Sport im Blick
Er unterstrich, dass das DOSB den engen Kontakt mit Menschenrechtsgruppen und Tibet-Initiativen gesucht habe, um genau informiert zu sein. Denn selbstverständlich sei es Ziel der deutschen Delegation, Menschenrechtsfragen zur Sprache zu bringen. Außerdem gehe es darum, sportlichen Erfolg zu haben, saubere, dopingfreie Spiele zu bieten und die Bundesrepublik angemessen zu repräsentieren. Rund 450 Athleten werden für Deutschland starten, zehnmal so viele Dopingtests sind vorgesehen. Als Erfolg im Vorfeld bezeichnete es Vesper, dass sich die Chinesen erstmals mit Umweltproblemen, speziell mit Luftverschmutzung befassen.
Seitenhiebe auf Quingdao und Kinderhaus
Kleine Seitenhiebe verkniff sich der Gastredner nicht: Dem Austragungsort der Segelwettkämpfe, Quingdao, bescheinigte er den kleinen Nachteil, dass „dort kein Wind weht“. Und das seelenlose olympische „Dorf“ verglich der ehemalige Städtebauminister gar mit Kinderhaus, bevor sein Vortrag in eine zahme Diskussion mit dem Auditorium mündete.
Stefan Clauser
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