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Beifallsstürme in der Rathaushalle: Bürgerinitiative liegt sich in den Armen

Die Bürgerschaft will's wissen: Wie endet das Plebiszit zur Musikhalle? In der Rathaushalle drängeln sich am Sonntagabend die Massen. [Foto: Frobusch]
Punkt 18.15 Uhr: Freundlicher Applaus, unterbrochen von lautem Hundegebell. Der Beifall des Publikums gebührt jenen 750 Wahlhelfern, die an diesem frühlingshaften Sonntag Dienst in offizieller Mission schieben. Ab jetzt wird in der vollbesetzten Rathaus-Halle quasi im Fünf-Minuten-Takt geklatscht – immer, wenn gesicherte Zahlen aus den Abstimmungsbezirken eintrudeln.
Resultate von anfangs über 71 Prozent, sie lassen beim Plebiszit über Wohl und Wehe der Musikhalle einen haushohen Sieg des „Ja“-Lagers vermuten.
Eine dreiviertel Stunde später liegen sich die BI-Mitglieder Rainer Bode, Hery Klas, Hannelore Wiesenack-Hauss, Peter Mai und Gerhard Joksch unter minutenlangen Ovationen Freude strahlend in den Armen: Mit 46 965 Voten gegen die kommunale Mitfinanzierung des umstrittenen Millionen-Projekts ist das erforderliche Quorum längst überschritten.
"Zugabe"-Rufe
Inmitten der Jubel-Orgien mitsamt "Zugabe"-Rufen formuliert Hans-Joachim Temme, Moderator des Auszählungsmarathons, das erste vorsichtige Statement: „Nach gegenwärtigem Stand der Dinge kann nicht gebaut werden, zumindest nicht mit städtischen Geldern."
Kampagnen-Profi Bode
Bode, der Kampagnen-Profi, er ist an diesem Abend Mann der Stunde. Wird gedrückt, geherzt, muss unzählige Hände schütteln. Lob setzt es ohne Ende. Die Gesinnungsgenossen um ihn herum wissen es nur zu gut: Den Coup haben sie zum größten Teil ihm, dem gelernten Erwachsenenbildner, zu verdanken. Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann gibt sich im Moment der Niederlage als fairer Verlierer, geht schnurstracks auf den Kontrahenten zu, gratuliert seinerseits.
"Niederschmetternder Ausgang"
Doch der Frust über das Ende des Bürgerentscheids ist dem Verwaltungschef deutlich ins Gesicht geschrieben. Bei den Kommentaren gegenüber der Journaille äußert er sich trotzdem diplomatisch: „Nicht enttäuscht, aber ernüchtert“ nehme er das Ergebnis zur Kenntnis, diktiert er den Presseleuten das eigene Befinden in die Steno-Blöcke. Dr. Klaus Anderbrügge, Vorsitzender im Verein Musikhalle, spricht unterdes von einem „niederschmetternden Ausgang“, zeigt aber gleichfalls Haltung.
Je deutlicher sich die „Ja“-Mehrheit erhärtet, desto stärker lichten sich die Reihen. „Die Sache“, konstatiert Klas, der Fraktionschef bei den Grünen, „ist gelaufen, jetzt möchte ich feiern. Der Beckenbauer verschwindet ja auch vorzeitig in der Kabine.“ Doch Parteifreundin Maria-Klein-Schmeink winkt - zum Schein entrüstet – eifrig ab: „Nichts da“, flachst sie, „wir warten.“ Draußen, auf dem Prinzipalmarkt, wird bereits heftig diskutiert – Gegner hier, Befürworter dort. Zwei Gruppierungen, die kaum Gemeinsamkeiten aufweisen, sich in der Situation offenbar noch weniger zu sagen haben.
Gespött der Nation
Bernd Feldhaus, Galionsfigur der münsterschen Sozialdemokratie, bringt beim Stuhlmacher-Bierchen seinen Unmut auf den Punkt: „Ab morgen ist die Stadt das Gespött der Nation. Da wird die Republik gnadenlos über uns herziehen, wird nicht verstehen können, warum wir uns eine Musikhalle haben durch die Lappen gehen lassen.“
Nebenan, am Nachbartisch, tönt es im Überschwang der Euphorie allerdings ganz anders: „Das hat sich der Tillmann selbst eingebrockt. Rödl-Kürzungen, Bäder-Schließungen und dann noch das krumme Ding mit den Erzieherinnen – so etwas steckt die Bevölkerung nicht einfach weg.“
So viel steht einstweilen fest: Der 27. April mit einem geradezu "historischen" Bürgerentscheid – er wird in den nächsten Wochen Gesprächsstoff en masse bieten.
Wolfgang Halberscheidt
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