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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Tillmann: Münster hatte heute keinen guten Tag

Tillmann und Bode

Ein fairer Verlierer: Hallenbefürworter OB Tillmann (l.) im angeregten Gespräch mit Rainer Bode (Bürgerinitiative) [Fotos: Clauser/Frobusch]

[27.04.2008 | Münster | BFB]

Dicke Luft in der Bürgerhalle. Der Sauerstoff wurde knapp für Gegner wie Befürworter der Kultur- und Kongresshalle. Je nach Gefühlslage störte es die einem mehr, die anderen weniger. Mit jedem Zwischenergebnis brachen sich die Emotionen Bahn, denn schon bei den ersten Zwischenergebnissen war klar: Die Halle kommt nicht.

Für Rainer Bode, Motor der Bürgerinitiative „Keine städtische Finanzierung einer Musikhalle“ kein Zufallsergebnis. „Ich bin stolz auf die hohe Wahlbeteiligung, stolz auf das so eindeutige Ergebnis, stolz, so viel Demokratie erreicht zu haben.“ Besonders glücklich sei er darüber, dass die Bürger nicht auf populistische Slogans und Platitüden hereingefallen seien, sondern sich inhaltlich mit dem Thema auseinandergesetzt hätten.

„Und dass wir gegen alle gewonnen haben. Gegen die CDU, SPD, FDP, die Wirtschaft, die Hochschule und gegen mediale Meinungsmacher. Das ist schon etwas Besonderes.“ Die Mehrheit sei nicht auf die Argumente hereingefallen, dass Münster ohne Halle in einer kulturelle Wüste versanden werde. Im Gegenteil: „Das kulturelle Leben geht gerade jetzt weiter.“

Die Abstimmung füllte die Bürgerhalle, Sauerstoff und Raum waren Mangelware.

Für Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann endete der Abend mit „einem bemerkenswerten Ergebnis“. Ausgesprochen positiv sei die überraschend hohe Wahlbeteiligung, zog Tillmann den Hut. Ernüchternd allerdings, dass das jahrelange Engagement und der Versuch, der Stadt etwas Gutes zu tun, nicht angenommen worden seien. „Das muss man erst einmal verdauen.“

"Fatales Signal"

Ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit bereite ihm auch die Strahlkraft der Entscheidung über die Grenzen der Stadt hinaus Sorge. Für ihn das fatale Signal an Investoren, dass sich die Stadt in Zufriedenheit und Behaglichkeit einrichte. „Das reicht aber nicht aus. Wir müssen in die Infrastruktur investieren. Münster hatte heute keinen guten Tag gehabt.“ Er werde sich jetzt aber nicht in den Schmollwinkel zurückziehen, sondern mit voller Kraft versuchen, aufgerissene Gräben in der Stadt zuzuschütten.

Ihre schwere Enttäuschung hingegen könnte Lisa Fiege, Vorsitzende des Stiftungsrates, nicht verhehlen, auch „für alle, die mitgekämpft haben“. Münster habe durch die Ausspielung des Sozialen gegen die Kultur großen Schaden genommen. Auch in der Außenwirkung. „Wir werden lange daran arbeiten müssen, dieses Negativ-Image wieder loszuwerden.“ Zwar sei noch nicht entschieden, was nun mit den Stiftungsgeldern geschehe, sie gehe aber davon aus, dass das Geld nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

"Sieg auf ganzer Linie"

Für den Fraktionschef der Grünen, Hery Klas, bedeutet die hohe Beteiligung einem Sieg auf ganzer Linie. „Wir haben es geschafft, die kulturelle Vielfalt gegen ein Marketing-Projekt zu verteidigen. Ich hoffe für die Zukunft, dass wir in der Kulturpolitik über eine gerechte Verteilung der Ressourcen reden werden.“ Für ihn hatte das Projekt mit der sozialen Wirklichkeit nicht viel zu tun. Was das Verhältnis zum politischen Gegenüber auf der Oppositionsbank, zur SPD angehe, sei das Thema für ihn jetzt durch.

"Bürger brauchten Ventil"

Die Bürger brauchten ein Ventil. Und fanden es in der Musikhalle, die zum Prügelknaben für die Rödl-Politik wurde. So sieht es SPD-Fraktionschef Wolfgang Heuer, der unterstreicht, dass die SPD immer das Projekt Musikhalle mit der Forderung nach Korrekturen in der Sozialpolitik verbunden habe. Ziel eins sei verfehlt, Ziel zwei müsse nun mit Nachdruck verfolgt werden.


"Vollfinanzierung ausgeschlossen"

Tief enttäuscht und traurig zeigte sich Klaus Anderbrügge, Vorsitzender des Musikhallen-Vereins. „Ein niederschmetterndes Ergebnis.“ Anfang der Woche werde man sich zusammensetzen, um zu sehen, wie es weiter gehen soll. Eine Vollfinanzierung der Halle seitens des Vereins aber ist für ihn ausgeschlossen. „Ich gehe davon aus, dass verbindliche Spendenzusagen jetzt gegenstandslos“ und die Millionen weg sind.

"Schlag ins Gesicht"

„Das war ein Schlag ins Gesicht. Die Halle hätte die Stadt reicher gemacht, dieses Chance ist verspielt.“ Er wisse nicht, ob und wie viele engagierte Menschen nun noch den Mut aufbrächten, zukunftsweisende Projekte anzupacken. In Münster gebe es einen Hang, alles zu zerreden.

Gerhard Joksch, früherer Stadtrat und OB-Kandidat der Grünen, hätte ein Ergebnis in dieser Eindeutigkeit nicht erwartet. Für ihn ist dieser Fakt fast wichtiger. Die Münsteraner hätten gezeigt, dass Münster kein Kaff sondern eine Metropole sei, hätten einen Griff in die öffentliche Kasse verhindert. Ein Zeichen, das in der Stadt nachwirken werde.

Projektmanager Markus Müller (l.) und Kulturberater Jens Imorde hatten sich einiges zu sagen nach der Entscheidung.

Kommentar von Projektmanager Markus Müller. „Klar, dass es ein solch polarisierendes Thema, das viel inhaltliche Überzeugungsarbeit benötigt, schwer hat.“ Wie sich die Befürworter der Halle nach der Niederlage organisieren werden, das könne er noch nicht absehen. Er persönlich sei nicht enttäuscht, habe aber eine solche Polarisierung in Münster niemals für möglich gehalten. „Vielleicht genügt es den Münsteranern ja, alle zehn Jahre Skulpturen zu sehen.“

„Eine Katastrophe“, ist die Entscheidung für den CDU-Kreisvorsitzende Markus Lewe. Und auch sein Stellvertreter Stefan Weber hätte sich ein Votum pro Musikhalle gewünscht. Weber verkennt indessen die politische Signalwirkung des klaren Votums nicht. Darüber gelte es jetzt nachzudenken.

Bruni Frobusch/Stefan Clauser

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