Die kleine Volkshochschule für das Viertel wird 20 Jahre jung
Christel Brink und Brita Kurth legen letzte Hand an die Ausstellung, die am Samstag die Gäste im Alten Backhaus bewundern können. [Fotos: Hänscheid]
„Das Alte Backhaus ist lebendig!“ Hans Kurth darf das mit Fug und Recht sagen, denn er ist nicht nur als Vorsitzender der gewählte Vertreter von rund 50 Aktiven, sondern er führt ein Werk erfolgreich weiter, auf dessen Wachsen und positiven Wandel in den vergangenen 20 Jahren an diesem Samstag viele Menschen zufrieden zurückschauen können.
Dass es diesen Treffpunkt an der Coerdestraße 36 A, jung und frisch und engagiert, auch zwei Jahrzehnte nach der Gründung noch geben würde, das konnten die Initiatoren damals vermutlich nur hoffen. Dabei war es ein Experiment, das in Münster eine neue Art der Arbeit mit und für ältere Menschen anstieß – ein selbst verwaltetes Haus, das eine Kultur des Helfens entwickelte. „Es ist traurig, dass die ,Mutter‘ dieser Einrichtung, Hiltrud Wessling, nun das 20-jährige Bestehen nicht mehr mit uns feiern kann“, erinnert Hans Kurth an den Tod der Mitbegründerin Anfang des Jahres.
1997 entstand dieses Foto, das die damalige Oberbürgermeisterin Marion Tüns (l.) mit Hiltrud Wessling im Alten Backhaus zeigt. Foto: Baumann
Wurzeln im Kreuzviertel geschlagen
Ihre Idee aber, gemeinsam mit dem damaligen Sozialdezernenten und heutigen Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann umgesetzt, hat tiefe Wurzeln im Kreuzviertel geschlagen. Für die Älteren, damals bereits lebten rund 7000 Menschen jenseits der 65 im Viertel, sollte hier eine Stätte der Begegnung wachsen – Klönen, Nähen, gemeinsam frühstücken, Neues lernen, agil und interessiert bleiben, das waren die Angebote. Dass sich das Haus bereits 1991 für ein Jahr „Bundesmodell Solidarisches Handeln in der älteren Generation“ nennen durfte, spricht dabei für sich.
Die Idee wächst weiter
Auf dem Werk der ersten Generation, u.a. von Hermine von Hagen, bauten Frauen wie Rosemarie Freitag und Waltraud Baumann auf, neue Ideen, Initiativen und Gruppen entstanden. „Es gab schon eine Art Image-Wandel in den vergangenen Jahren“, erinnert sich Hans Kurth (Foto). Denn der Wunsch nach mehr Bildung – vor allem im Bereich der neuen Medien und Techniken – bestimmt das Engagement der Ehrenamtlichen und der zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Immer noch gibt es das beliebte Sonntagsfrühstück, den Singkreis, die Nähstube und den Seniorentanz. Aber Computer- und Digitalfoto-Kurse, mehrere Mal- und Zeichenkurse sowie Literaturkreis, Schreibwerkstatt und Englisch-Kurse weisen in die Richtung der neuen Generation 50+: Hier wollen Menschen aktiv und kreativ ihren Ruhestand gestalten, etwas für den Kopf tun und gleichzeitig das ihnen gemäße Tempo dabei gehen – oder fahren, denn auch die Fahrradgruppe hat großen Zulauf.
Stets Neues am Schwarzen Brett
"Wir sind hier eine kleine Volkshochschule im Viertel“, kann deshalb der pensionierte Lehrer Hans Kurth durchaus behaupten – das Schwarze Brett quillt nahezu über vor Kursen, Treffen, Diskussions- und Begegnungsangeboten. Hier findet jeder das ihm oder ihr Gemäße – immerhin engagagieren sich für die im Schnitt 70 bis 90 Jahre alten Besucherinnen und Besucher der Bildungs- und Begegnungsstätte über 50 Frauen und (leider nur wenige) Männer ehrenamtlich. Sie setzen Begabungen und Zeit, Motivation und Begeisterung ein für den Erfolg – und genießen das auch noch! „Es ist die lockere, wohltuende Atmosphäre des nach wie vor selbst verwalteten Hauses“, bringen sie auf den Punkt, warum ihr Engagement vom Telefondienst bis zur Ausstellungsgestaltung, vom Unkrautzupfen bis zur Computersprechstunde reicht.
„Nur, weil sich hier viele verantwortlich fühlen und mitdenken, aber auch, weil sie Wertschätzung und Anerkennung erfahren, kann das funktionieren“, summiert der seit gut einem Jahr amtierende Vorsitzende. „Unsere Währung im Haus heißt gegenseitige Achtung!“.
Samstag ist Festtag
Am Festsamstag, 17. Mai, findet um 10 Uhr ein Festakt im Backhaus statt, bei dem Bedeutung und Geschichte der Begegnungsstätte im Mittelpunkt stehen. Ab ca. 11 Uhr wird eine Kunstausstellung mit Werken von Backhaus-Künstlern eröffnet – Acrylmalerei, Plastiken, Textilkunst und Schmuck sind zu bewundern und zu kaufen. Zwischen 15 und 18 Uhr läuft dann der Nachmittag der offenen Tür bei Kaffee, Kuchen und Musik (Los Dilettangos) – Neugierige sind ebenso willkommen wie alle jene, die sich dem Haus und seiner Erfolgsgeschichte verbunden fühlen.
Heike Hänscheid
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