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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Storno-Streit und Wa(h)re Lügen

Original? Fälschung? In diesem Fall stammt das Bild nicht von Magritte - auch wenn es so aussieht. [Foto: Graphikmuseum Pablo Picasso]

[22.11.2007 | Münster | BFB]

„Ich habe das Potenzial der Brisanz offenbar unterschätzt. Rauben Fälschungen dem Original die Aura?“ Dr. Markus Müller, Direktor des Graphikmuseums Pablo Picasso, ist nachdenklich.

Noch am Tag der Vernissage der Ausstellung „Wa(h)re Lügen – Original und Fälschung im Dialog“ landeten Anfang September E-mails mit drohendem Unterton im Museum. Gefahr sei im Verzug und der Katalog müsse wegen rufschädigender Aussagen aus dem Verkehr gezogen und eingestampft werden. So und ähnlich die Forderungen. Vornehmlich verfasst von einem Galeristen aus dem Rheinland.

"Beim Geschäft hört der Spaß auf"

Harsch im Ton auch die Stellungnahmen des Bundesverbandes Deutscher Galeristen und Editionen e.V., der Müller kurz darauf vorwirft, dem „Faszinosum des Fälscherunwesens“ erlegen zu sein und im Katalog falsche Zahlen zu kursierenden Fälschungen unters Volk gebracht zu haben. (Foto rechts: Picasso im Original) Zahlen, die Kriminalhauptkommissar Ernst Schöller vom Landeskriminalamt Stuttgart aber bestätigte. Nicht von ungefähr hat Müller Spezialisten vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit ins Ausstellungsboot geholt. „Ich bin kein Fälschungsexperte und nichts liegt uns ferner als eine reißerische Aufarbeitung des Themas. Aber bei Geschäftsinteressen hört der Spaß wohl auf.“

"Unerhörtes Gebaren"

Und jetzt noch dieser geharnischte Brief, den der Vorsitzende des Bundesverbandes der Galeristen am 15. November dem Museumsdirektor schrieb. Klaus Gerrit Friese echauffiert sich darin über die Stornierung seines Vortrages durch das Museum in der vergangenen Woche. Er wähnt, dass eine Darstellung des Themas Fälschung aus Sicht des Kunsthandels, aus welchen Gründen auch immer, nicht gewünscht sei. Er wirft Müller Stillosigkeit und noch mehr vor. „Ihr Angebot, in Ihrem Haus einen Vortrag zu halten, habe ich trotz aller Differenzen als sinnvoll und ehrenwert empfunden und gerne angenommen. Durch ihr unerhörtes Gebaren sehe ich meine Vorbehalte gegen ihre Ausstellungspolitik bestätigt“, schreibt Friese.

"Nur eine Karte verkauft"

Schlussfolgerungen, die der so Gescholtene nicht nachvollziehen kann. Gerade weil ihm an einer Klärung der Positionen gelegen sei, habe er Friese zum Vortrag und zum Besuch der Ausstellung eingeladen. Er habe Flyer in großer Zahl drucken lassen und die örtliche Presse habe den Vortrag mehrfach angekündigt. Als am Tag vor dem Vortrag nur eine Anmeldung vorlag, es war der Ehemann einer Mitarbeiterin, habe er reagiert. Er wollte Friese die 380 Kilometer lange Anreise ersparen, um dann vor leeren Stuhlreihen zu stehen.

"Die Einladung bleibt"

Gleichwohl hält Müller seine Einladung aufrecht. „Ich habe keine Privatfehde mit Herrn Friese, wir sind einfach unterschiedlicher Auffassung.“ Er, Müller, würde es begrüßen, wenn Klaus Gerrit Friese nach Münster käme und sich ein eigenes Bild mache von der Ausstellung, die er so sehr kritisiere. Original und Fälschung - ein heikles Thema offenbar (Foto links oben: Picasso als Fälschung). Aus der örtlichen Galeristen-Szene jedenfalls, so Müller auf Nachfrage von echo-muenster, verspüre er keinen Gegenwind. Im Gegenteil.

"Vertuschen kommt nicht in Frage"

„Wir sind doch grundsätzlich daran interessiert, dass das Thema Fälschung zur Sprache kommt“, kann Paul Anzcykowski, Kleiner Raum Clasing & Galerie, die Aufregung nicht teilen. Vertuschen, sagt er, komme für ihn nicht in Frage. Der Kunde wolle Rechenschaft über die Herkunft der Kunstwerke und nicht horrende Preise für eine Fälschung zahlen. Eine Frage des Vertrauens. Bruni Frobusch

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