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"Schweinachtsmann": Kinder und Erwachsene fühlen sich wie im Paradies

"6-Zylinder proudly presents": Die Jungen und Mädchen aus dem Chor der Paul-Schneider-Grundschule waren stolz wie Oskar - bei der Aufführung des "Schweinachtsmannes" in der Waldorfschule. [Foto: Weber]
Im Paradies ist es eng. Ein Engel quetscht sich an unzähligen Kindern vorbei, die vom Hals bis zur Hüfte in bezauberndes Weiß gekleidet sind. Wenn das Paradies dort ist, wo dieser Engel drängelt, dann liegt der Himmel am Samstag hinter der Bühne des Festsaals der Waldorfschule.
Der Flur im Backstage-Bereich der Gievenbecker Einrichtung verkörpert zwar nicht gerade das, was man sich gemeinhin unter paradiesischen Zuständen vorstellt. Und auch der Name des Engels ist ziemlich weltlich: Matthias Ortmann.
40 Grundschulen
Alles aber zählt hier und jetzt nicht. Die Verheißung für die wartenden Kinder ist ein Auftritt beim traditionellen „Schweinachtsmann“-Musical der A-cappella-Gruppe 6-Zylinder. Und dafür lassen sie sich von Inga Mareile Reuther geduldig in Stimme und Stimmung bringen - und machen Ortmann und seinen Ensemble-Kollegen immer wieder artig Platz.
Die Chorleiterin ist pädagogische Chefin des Projekts „Jedem Kind seine Stimme“ (JEKISS) der Westfälischen Schule für Musik. 18 von 40 Grundschulen erreicht das Angebot bereits, sechs davon sind von den 6-Zylindern zum Mitsingen bei den Zugaben des „Schweinachtsmanns“ eingeladen. Inga Mareile Reuther mahnt eindringlich: „Denkt daran: nicht zuppeln! Das lenkt die Leute im Publikum von euren schönen Gesichtern ab.“ Mit „zuppeln“ meint Reuter, dass die nervösen Kinderhände nicht mit den bunten Schals spielen sollen, die die Jungen und Mädchen um den Hals gebunden haben.
Eine Tonart höher
Die Chorkinder aber sind echte Profis. So wirkt es jedenfalls bei der ersten Doppel-Aufführung am Samstag, 13. Dezember. Der Chor der Aegidii-Ludgeri-Grundschule posiert locker für eine Fernsehkamera, die Paul-Schneider-Grundschulkinder finden später problemlos ihren Platz auf der Rampe. Ohne Stellprobe, die wird kurzerhand abgeblasen, weil schon zu viele Besucher im Saal Platz genommen haben.
Junge Talente - versierte Profis: Gemeinsam brachten sie an diesem Wochenende den "Schweinachtsmann" auf die Bühne. Der Applaus des Publikums war den Akteuren sicher. Foto: Weber
Für die 6-Zylinder, die nach Umbesetzungen im Sommer eigentlich nur noch 5-Zylinder sind (echo-münster berichtete), sind die sechs Auftritte mit Kinderchören bis zum 21. Dezember ein Höhepunkt - ein Höhepunkt der Karriere als auch der Gesangskunst. „Wir müssen eine Tonart höher singen“, sagt „Engel“ Matthias Ortmann über die beiden Zugaben „Was ist das für ein Baum?“ und „Tausend tolle Plätzchen“. Großartig gemeinsam geprobt werden musste der Aufstieg auf der Tonleiter nicht. „Das machen wir aus dem Stegreif.“
Heimliche Stars
Die Schulkinder sind die heimlichen Stars des Musicals von Felix Janosa und Jörg Hilbert, in dem ein lustiges Leiharbeiter-Schwein Weihnachtsmännern beim Geschenkezustellen hilft. Die Choristen hocken auf Kissen in den ersten Reihen des Saals, sie bekommen tosenden Applaus von den vollen Rängen. Und der Paul-Schneider-Chor wird schließlich nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen, er besingt noch einmal den besonderen Baum.
Die Kinder platzen schließlich nicht wegen der „Tausend tollen Plätzchen“, die sie musikalisch genossen haben, sondern vor Stolz über den Erfolg. Das Lob kommt von Matthias Ortmann: „Die Zusammenarbeit lohnt sich allein schon wegen der Begeisterung, mit der die Kinder dabei sind.“ Und Inga Mareile Reuther ergänzt: „Wer die Auftritte so meistert, der darf richtig zufrieden sein.“ Kinder und Erwachsene fühlen sich wie im Paradies.
Weitere Aufführungen: Samstag, 20. Dezember, um 15 und 17 Uhr; Sonntag, 21. Dezember, um 15 und 17 Uhr, jeweils in der Waldorfschule, Rudolf-Steiner-Weg 11. Dann mit (in der Reihenfolge) den Chören der Thomas-Morus-, Clemens-, Matthias-Claudius- und Johannisschule.
Volker Weber
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