Stattwurst für die Übergriffe bei der jüngsten Uni-Demo

Vor dem Schloss ging's bei der Demo gegen Studiengebühren zwischen Studierenden und Polizei zuweilen hoch her: Stattwurst für Einzelne, die zu Fehlverhalten neigten. [Foto: Halberscheidt]
Eines vorweg: Wer wie der Autor Ende der Sechziger den Aufbruch der APO-Generation bewusst miterlebte, der hat wenig Verständnis für Studiengebühren. Denn damals, vor rund vierzig Jahren, gab es engagierte Protagonisten, die geradezu leidenschaftlich Chancengleichheit als Prinzip von morgen verlangten. Ja, damals.
Chancengleichheit: Es war das Bemühen, gerechte Verteilung von Zugangsmöglichkeiten zu erreichen; die Voraussetzung zur gesellschaftlichen Teilhabe derer, die mit geringeren finanziellen, sozialen oder kulturellen Ressourcen aufwuchsen; ein Leitziel, das Bildung für alle forderte. Insofern hätten wir die Stattwurst beinahe schon denen überreicht, die Hochschulabsolventen wieder Zwangsgelder aufoktroyieren.
Provokationen
Doch dann passierten jetzt zu eben diesem Thema die Zusammenstöße zwischen Polizisten und Studierenden. Die einen sollten die Eingänge des Schlossgebäudes gegen Eindringlinge schützen, die anderen fühlten sich sofort zu Beginn der draußen abgehaltenen Vollversammlung durch die Präsenz der Staatsmacht irritiert, wollten ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen. Das konnte auf Dauer nicht passen, zumal eine kleinere Gruppe von Demonstranten das Foyer zu erstürmen versuchte, was wiederum die dort postierten Einsatzkräfte reizte. So schaukelte sich die Angelegenheit rasch hoch, endete mit Rempeleien, Handgreiflichkeiten, mit Pfefferspray und Gewahrsam.
Am Tag danach: Im Polizeipräsidium lastete man einigen Akteuren Straftaten wie Körperverletzungen und Landfriedensbruch an, verwies zudem auf zwei Kollegen, die in Anbetracht der erlittenen Verletzungen bis auf weiteres gar dienstunfähig geschrieben werden mussten. Und die Anschuldigungen der Protestler, "falsch eingestiegen zu sein", wurden vehement in Abrede gestellt. Doch der AStA erneuerte den Vorwurf der „Unverhältnismäßigkeit der Mittel“, sprach obendrein von „unorganisiertem", "wenig besonnenem und wenig umgänglichem“ Auftreten der Grünuniformierten. Darüber hinaus, kritisierte der Öffentlichkeitsreferent aufgrund der Berichte Betroffener, seien Übergriffe auf friedliche Kundgebungsteilnehmer geschehen. Das alles, obwohl Münster bei Vorkommnissen dieser oder ähnlicher Art ansonsten durch den Grundsatz der Deeskalation positiv aufgefallen wäre.
Hektik der Situation
Nein, die Ereignisse von Mittwoch dürfen keine Schule machen. Damit beim nächsten Mal, hüben wie drüben, anders miteinander umgegangen wird, verleihen wir unseren Peinlichkeitsorden nunmehr an jene Einzelnen auf beiden Seiten, die sich offenbar - wohl bedingt durch die hektische, aufgeladene Situation – zu Fehlverhalten hinreißen ließen. Verstanden zugleich als Aufruf, künftig achtsamer, verständnisvoller solche Auseinandersetzungen zu regeln, ohne noch unnötig Schärfe in sie hineinzutragen.
Wolfgang Halberscheidt
(redaktionelle Aktualisierung 22.40 Uhr)
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