Unter Polizeischutz: Kreuzzug gegen Abtreibung - Gegendemo

Der Kreuzzug gegen Abtreibung steckte das letzte Mal am Horsteberg fest. [Fotos: Frobusch]
Zwei Welten prallten heute Nachmittag (Samstag) in der Stadt aufeinander. Um 15.30 Uhr wollte sich an der Überwasser-Kirche die angemeldete Gebetsprozession „1000 Kreuze für das Leben“ mit 150 durchaus umstrittenen, erzkonservativen Abtreibungsgegnern mit ihren schneeweißen Kreuzen und dem Mutter-Gottes-Bild in Bewegung setzen.
Das gelang ihr nur mit erheblicher Verzögerung und unter dem Schutz der Polizei. Der Kreuzzug für das ungeborene Leben, angemeldet von der Organisation Euro-Pro-Life, nämlich wurde durch mehr als 100 Gegendemonstranten erheblich gestört. Zur nicht angemeldeten Gegendemo hatte das Antisexistische Bündnis München aufgerufen, das in Münster vom Frauenreferat des Asta unterstützt wurde.
Von der Polizei in Schach gehalten: die Gegner der Gebetsprozession.
Dreifache Blockade
Trotz mehrmaliger Megaphon-Aufforderung der Polizei, den Weg frei zu machen, stellten sich die zumeist jungen Leute der „Emanzipatorischen Aktion Münster“ ihnen hartnäckig in den Weg. Als dann der Anführer des Trauermarsches gegen Abtreibung umzingelt wurde, griffen die Uniformierten durch. Erst nach Androhung von Zwangsmaßnahmen ließen die Anti-Demonstranten ihn ziehen. Noch zwei Mal wurde der Zug auf seinem Weg quer durch die Stadt zur Abschlusskundgebung auf dem Horsteberg gestört. Das Aegidii-Parkhaus konnte für längere Zeit nicht genutzt werden.
"Eure Kinder werden so wie wir"
Gebete und fromme Gesänge auf der einen Seite – Pfeifkonzerte und skandierende Forderungen nach dem Recht der Frau auf eine selbstbestimmte Entscheidung auf der anderen. Und die ultimative Drohung der jungen Protestierer: „Eure Kinder werden so wie wir.“ Die Situation drohte zwischenzeitlich zu eskalieren.
129 Personalien notiert
Die Polizei griff durch, hatte einen wachsamen Blick auf die Blockierer und separierte etwa 129 Demonstranten solange, bis sich der Kreuzzug am Horsteberg mit zweistündiger Verspätung gegen 19 Uhr aufgelöst hatte. Ihre Personalien wurden notiert, da sie zum Teil Ordnungswidrigkeiten und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz begangen hatten. Will sagen: Einige hatten ihre Gesichter verhüllt und so gegen das Vermummungsverbot verstoßen.
Lage drohte zu kippen
„Unsere Aufgabe ist es, das Recht auf Demonstration durchzusetzen“, sagte Münsters Polizeisprecher Klaus Laackman zum massiven Einsatz der Ordnungsmacht. Nein, er habe keine Information, dass sich Protestierer aus dem rechten Spektrum an der Prozession beteiligt haben.
Die Einsatzkräfte, sie kamen nicht nur aus Münster. Weil die Situation zu kippen drohte, rückten Kollegen aus Düsseldorf und Bochum nach. „Wir haben die Gegner drei Mal aufgefordert, ihre Blockade aufzugeben“, sagte Laackman, dann war Schluss und die Polizei begann, die Störer abzudrängen.
Auf dem Horsteberg dann wurden noch einmal 26 Gegendemonstranten zur Seite geschoben und von der Polizei in Schach gehalten, derweil die Abtreibungsgegner an ihnen vorbei zogen.
Weihbischof Overbeck: "Das geht gar nicht"
Just in dem Moment kam Weihbischof Franz-Josef Overbeck des Wegs. „Nein, nein. Das ist keine Veranstaltung des Bistums Münster“, distanzierte er sich spontan von der Prozession, „die kennen wir schon lange. Gewiss, wir unterstützen alles, was dem Leben dient, wenn Menschen für das Leben beten. Aber alles, was extrem ist, ist nicht gut“, gab er sich diplomatisch.
Weihbischof Overbeck kam von einer Taufe und geriet auf dem Heimweg auf dem Horsteberg mitten zwischen die Demonstrantenblöcke.
Eindeutig dagegen seine Position zu den Abtreibungsbefürwortern. „Das geht gar nicht“, zeigte er auf die Schilder in der Gruppe, die von der Polizei abgeschirmt wurde. „Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland - Abtreibung in Frauenhand“ stand da geschrieben. Oder Anti-Papst-Parolen. Diese Form, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, kann der Geistliche nicht gutheißen.
"Die Jungs haben genug getan"
Am Ende können die „Lebensschützer“, die zum Teil aus Holland und England nach Münster gekommen waren, erst nach zwei Stunden ihre Bekenntnisse bei der Schluss-Kundgebung am Kardinal-von-Galen-Denkmal ablegen. Als dann ein Teilnehmer mit der Sammelbüchse herum ging und auf die Polizisten zusteuert, hielt ihn ein Gleichgesinnter zurück. „Nein, die nicht. Die Jungs haben heute schon genug getan.“
Bruni Frobusch
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