Mehr Verbrechen, weniger Aufklärung: Münsters Polizei zieht ernüchternde Bilanz aus Kriminalitätsentwicklung 2008

Konnten für das Jahr 2008 nicht allzu große Erfolge in Sachen Kriminalitätsbekämpfung erzielen: Polizeipräsident Hubert Wimber (l.) und Kriminaldirektor Ernst Träger. [Foto: Clauser]
„Münster ist die viert unsicherste Stadt in Nordrhein-Westfalen“: Es war kein gutes Ergebnis, das Polizeipräsident Hubert Wimber heute (Mittwoch) bei Bekanntgabe der Statistik 2008 zu vermelden hatte.
Und gleich noch eine schlechte Nachricht: In Sachen Verbrechensaufklärung halten die münsterschen Ordnungshüter im bundesweiten Vergleich mit einer Erfolgsquote von 42,14 Prozent das Schlusslicht in der Hand. Ein Zeugnis, „das nicht befriedigend sein kann“, räumte Wimber ein. Mit 29.182 registrierten Straftaten wurde 628 Mal mehr gegen das Gesetz verstoßen als in 2007. Zahlen, die sich auf unterschiedliche Kriminalitätsphänomene beziehen.
Wohnungseinbrüche
Der Großteil der Fälle kam aus dem Bereich „schwer aufklärbarer Delikte“, vor allem bei Diebstählen tappten die Ermittler im Dunkeln. „Wir haben uns im vergangenen Jahr insbesondere um Wohnungseinbrüche gekümmert, ein schwieriges Terrain“, erklärte der leitende Kriminaldirektor Ernst Träger. Unterschiedliche Täter – vom Nachbarn, der auf eine günstige Gelegenheit wartet, über den drogenabhängigen Wiederholungstäter bis hin zur professionellen Einbrecherbande – und potentielle Tatzeiten rund um die Uhr machten die Ermittlungsarbeit nicht gerade leichter. „Unser Netzwerk ,Zu Hause sicherʻ hat bei der Prävention sehr geholfen: Mehr als 37 Prozent der Einbrüche wurden abgebrochen“, so Träger. Auch die Tatsache, dass vier von fünf Tätern schon durch andere Aktionen auffällig geworden sind, helfe, erfolgreich zu ermitteln – bekannte Strukturen und Zeugen aus der Nachbarschaft bieten hier die entscheidenden Hinweise.
Fahrraddiebstahl
Ein weiteres Sorgenkind sei nach wie vor das münsterspezifische Thema Fahrraddiebstahl: Jede fünfte Straftat fällt in diesen Bereich, nur jeder 16. Leezendieb konnte hingegen überführt werden, eine seit 2007 sinkende Tendenz. Um dieser entgegen zu wirken, soll künftig häufiger überprüft werden, ob der Fahrer auch Besitzer des Zweirades ist. „Dazu sind wir auf die Mitwirkung der Betroffenen angewiesen: Wer sein Gefährt in unserer Online-Fahrradhalterdatei anmeldet, trägt viel dazu bei, es im Verlustfall wiederfinden zu können“, erläuterte Wimber.
Viel mehr Sachbeschädigungen
„Ein Trend in 2008 war ein gravierender Anstieg an Sachbeschädigungen“, führte Wimber weiterhin aus. Der Anstieg von 27,34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, ein Ausreißer, der Münster in diesem Sektor mit Abstand an die Spitze von NRW stellte, betraf vor allem das Ruinieren von Autos sowie das Sprayen von Graffiti. In der Sparte „Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum“ setzte sich der seit 2004 anhaltende Anstieg fort: Gerade am Wochenende, in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie von Samstag auf Sonntag, mit einer örtlichen Konzentration auf Kneipen, Diskotheken und den Bahnhof, waren es in erster Linie junge Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren, die aufgefallen sind. „Signifikant ist hier, dass die Gewaltbereitschaft deutlich mit Alkoholkonsum zusammenhing“, betonte der Präsident. Dem will die Polizei entgegen wirken. Künftig sollen acht Beamte zusätzlich in den Problemnächten im Einsatz sein.
"Quoten ausbaufähig"
Was die Anzahl der erfolgreich aufgedeckten Fälle betrifft, resümierte Wimber zuletzt: „Im Vergleich zu den anderen kreisfreien Städten, die im bundesweiten Ranking erfasst sind, werden wir sicherlich nie Spitzenreiter werden. Müssen wir auch nicht – uns geht es mehr um die einzelnen Teilbereichsquoten.“ Diese seien noch deutlich ausbaufähig.
Caroline Kern
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