Polizei räumte besetzte Häuser an der Grevener Straße - Mit dem Einsatzkommando kam der Containerdienst

Der Polizei-Unimog mit der Baggerschaufel reißt eine Öffnung in die Schaufensterscheibe, alsdann können die Beamten ins Innere des besetzten Hauses Nr. 53 einsteigen. [Fotos: Frobusch/Sven Hänscheid]
Die von den Besetzern an der Grevener Straße in Beschlag genommenen Häuser sind von der Polizei geräumt worden: Gegen 14 Uhr bekommt Michael Toddenroth, bei der Wohn + Stadtbau Chef der Hausverwaltung, von den Beamten gemeldet, dass sämtliche Etagen komplett durchsucht seien. „Wir sind soweit fertig.“
Kurze Zeit später werden schon draußen die schweren Container angeliefert. Das Zeichen für die auf dem Bürgersteig wartenden Handwerker, unverzüglich mit der Demontage der Räumlichkeiten zu beginnen.
Geräusch der Motorsägen
Leitern müssen her - darüber verschaffen sich die Einsatzkräfte zusätzlich Zugang in die besetzten Häuser. Foto: Frobusch
Die Aktion, sie beginnt eine Stunde vorher. Von allen Seiten nähern sich die grünen Minnas, ein größeres Aufgebot bezieht Position. An der Spitze ein Unimog mit Baggerschaufel. Die drückt der Fahrer gegen die Schaufensterscheibe des früheren „Versetzt“-Ladens, reißt dann die entstandene Öffnung weiter auf. Glas klirrt, Holz splittert. Nebenan wird parallel versucht, die verriegelten Türen aufzubrechen. Um die dortigen Stahlplatten zu knacken, müssen Schneidbrenner her. Danach steigen die Einsatzkräfte ins Innere, entern den Treppenflur.
Die Barrikaden werden beseitigt - Polizeibeamte greifen zur Flex oder zur Motorsäge. Foto: Frobusch
Andere Kollegen verschaffen sich unterdes Zugang vom Garten her. Wenige Minuten danach hört man drinnen das Geräusch der Motorsägen. Die Barrikaden in den einzelnen Stockwerken – da kommen sogar alte Einkaufswagen zum Vorschein - werden Stück für Stück beseitigt.
Security-Firma
Zwei von den Besetzern bemühen sich, noch vor den Trupps ins Freie zu gelangen, draußen allerdings laufen sie den Ordnungshütern in die Arme, müssen ihre Personalien kundtun - und haben wohl alsbald mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch zu rechnen. Ansonsten ist zunächst niemand von den Aktivisten zu sehen, die scheinen von dem ungewöhnlichen Zeitpunkt der Räumung - direkt nach dem Mittag - überrumpelt worden zu sein. „Wir haben dafür zu sorgen“, erklärt derweil Polizeisprecher Klaus Laackman den Auftrag, „dass sich hier keiner mehr einrichten kann.“
Bis zum frühen Abend sind die Uniformierten vor Ort, sichern das Gelände, danach obliegt die Bewachung des gesamten Komplexes einer Security-Firma. „Dass dieses ganze Spielchen von vorne anfängt“, sagt Toddenroth (s. Foto rechts), „daran haben wir überhaupt kein Interesse.“
Protestkundgebung
Die Demonstranten machen keinen Hehl daraus: Dass an der Grevener Straße am Donnerstag preiswerter Wohnraum vernichtet wurde, dieses Problem soll die Stadt so schnell nicht los werden. Foto: Hänscheid
Kaum hat der Containerdienst begonnen, die Zimmer zu entrümpeln, formiert sich am nahe gelegenen Kanonierplatz der Protest. „Wir holen uns die Grevener Straße zurück“, skandieren die ungefähr dreißig Demonstranten in lauten Sprechchören, „Stein für Stein.“ GALier Jörg Rostek, an der Uni Mitglied des unabhängigen Fachschaftsforums uFaFo sowie AStA-Referent, wird nachdenklich, als er die Polizisten agieren sieht. „Die Besetzung hat man jetzt rigoros beendet“, erklärt er, „doch das Problem, dass hier preiswerter Wohnraum vernichtet wurde, wird die Stadt so schnell nicht los.“
Anrainer Michael Rohe wiederum hat kein Verständnis dafür, mit welcher „unglaublichen Präsenz“ die Staatsmacht anrückte. „Die tut gerade so, als würde hier ein Top-Terrorist gesucht.“
Problemloses Vorgehen
Polizeirat Marco Bartjes - er war der Einsatzleiter - konstatiert am Ende ein "problemloses", friedliches" Prozedere - eins, das zudem "relativ rasch" vonstatten ging, deshalb wenig Schwierigkeiten mit sich brachte. Aufgabe sei es gewesen, dem Eigentümer die Verfügung über seinen Besitz schnell zurückzugeben. Auch die Kundgebung der Räumungsgegner, bilanziert Bartjes, sei "ohne besondere Vorkommnisse" abgelaufen.
Wolfgang Halberscheidt
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