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Ein Heiliger, der auf keinen Sockel passt: Pater Damian de Veuster wird auch in Münster verehrt
Der Mauritzer Pfarrer, Pater Hans-Ulrich Willms (l.) und der Proivinzial der Arnsteiner Patres, Pater Peter Egenolf, stellten den künftigen Heiligen aus ihrem Orden vor. [Foto: Hänscheid]
„Er selbst ist ein Wunder“ hat Mutter Theresa über Pater Damian de Veuster (1840 - 1889) gesagt. Dennoch wartete die katholische Kirche auf die vorgeschriebene Wunderheilung, um den „Apostel der Aussätzigen“ heilig sprechen zu können: Am 11. Oktober wird Papst Johannes Paul II. den Ordensmann in Rom zur Ehre der Altäre erheben – und auch in Münster freuen sich darüber nicht nur die Mitglieder seines Ordens.
Pater Hans-Ulrich Willms ist Pfarrer in der St. Mauritz-Gemeinde und Mitglied der kleinen münsterschen Kommunität von Ansteiner Patres, wie die Mitglieder der Gemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens (SSCC) auch genannt werden. In der Erphokapelle der Mauritz-Kirche wird nach der Heiligsprechung neben den Bildern von Schwester Euthymia und des Kardinals von Galen auch der seit 1995 selig gesprochene Damian vertreten sein: „Dieser Alltags-Heilige mit seinen Ecken und Kanten, der mitten im Leben stand und ein handfester Handwerker war, der passt nicht auf einen Sockel und eignet sich schon gar nicht für kitschige Heiligenbildchen“. Pater Peter Egenolf, noch Provinzial der Arnsteiner Patres, stellte im Mauritzer Pfarrhaus Medien-Vertretern das Leben und den Tod, die Kraftquellen und die Spiritualität des mit 49 Jahren auf der Aussätzigen-Insel Molokai/Hawai gestorbenen Belgiers vor.
Bewusst in die Hölle von Molokai gegangen
Ganz bewusst war der junge Priester (Foto r.) 1873 auf die Insel der Lepra-Kranken, in die „Hölle von Molokai“ gegangen – seinem eigenen Todesurteil entgegen, denn die Ursachen der Lepra waren damals weder bekannt noch war die Krankheit wie heute behandelbar. Damian überwand Ekel und Berührungsängste und machte aus dem Felsen der Ausgestoßenen ein Dorf, in dem jeder Kranke in Würde leben und sterben konnte: Er baute ein Waisenhaus, gründete ein Orchester, ersetzt Grashütten durch Holzhäuser und wurde der Fürsprecher der Ausgestoßenen sowohl bei der Inselregierung von Hawai als auch bei Freunden in Europa und Amerika.
"Gott lässt mich nicht allein"
Und auch, als bei ihm die gefürchtete Krankheit ausbricht, feiert er täglich die Eucharistie, die Begegnung mit Christus – „…ich finde meinen Trost in dem einzigen Gefährten, der mich nicht verlässt“, so schreibt er einmal.
Auch in Kristiansand ist Damian Vorbild
Dieses Bild zeigt den bereits an Lepra erkrankten Pater Damian im Kreis von Waisenjungen auf der hawaianischen Insel Molokai. Foto:SSCC-Archiv
Einen handgeschriebenen Brief des neuen Heiligen hat auch der neu gewählte Provinzial, Pater Heinz Josef Catrein, mit nach Münster gebracht – ein Zufallsfund in den Archiven des Klosters Lahnstein. Pater Catrein ist übrigens Pfarrer einer Multikulti-Gemeinde in Münsters norwegischer Partnerstadt Kristiansand. Er wie zahlreiche seiner Mitbrüder in vielen Ländern der Erde, engagiert in Pfarreien, Schulen, in der Betreuung von Aids-Waisen in Afrika ebenso wie in der Flüchtlingsarbeit in Deutschland, haben in Ordensbruder Damian de Veuster (der übrigens zum „größten Belgier aller Zeiten“ gewählt worden ist) ein Vorbild – „er konnte Menschen aus der Lethargie reißen, handelte ökumenisch, war wohl der erste Medien-Heilige und ebnete durch seinen selbstlosen Einsatz den Weg zur Erforschung und Kampf gegen die Lepra“, so berichten die Patres über ihre persönlichen Beziehungen zu Damian.
Am 26. Oktober Dankmesse mit Bischof Felix
Am 26. Oktober feiert im Rahmen des „Damian-Jahres“ Bischof Felix Genn einen Dankgottesdienst für den neuen Heiligen in der Mutterhauskirche der Franziskanerinnen. Zur Heiligsprechung werden auch aus Münster Menschen nach Rom aufbrechen – mit dabei sein wollen auch Vertreter der 1957 als Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW) gegründeten Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe. Denn auch dieser inzwischen in 30 Ländern der Erde agierende Verein sieht seine Aufgabe unter dem Anspruch und Vermächtnis von Pater Damian: Menschen medizinisch helfen, ihnen Würde zugestehen und sie auf dem Weg in die Zukunft unterstützen.
Heike Hänscheid
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