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Nichts für Mädchen?
Martina Schwarzer (vorne l.) und ihre Kameradinnen vom Boxsport-Club 23 Münster. [Foto: Hackmann]
Aller Anfang ist schwer, sagt der Volksmund. Die Erfahrung hat auch Martina Schwarzer gemacht. „Ich habe immer schon boxen wollen“, erinnert sich die 25-Jährige, „aber ich habe mich lange nicht getraut, da alleine hinzugehen.“
Irgendwann im März 2006 war es soweit. Martinas Freundin Karo ließ sich überreden, gemeinsam besuchten die beiden das Training beim Boxsport-Club Münster 23.
Mittlerweile ist das Frauen-Duo nicht mehr allein unter Männern. Waren sie eigentlich nie, denn „vor sieben, acht Jahren kamen die ersten Damen zu uns“, erinnert sich BC-Mann Michael Kleinschnittger. Inzwischen hat der Traditionsverein, der im kommenden Jahr sein 85-jähriges Bestehen feiert, acht Boxerinnen aus Münster fest im Training. Von wegen, nichts für Mädchen…
Macho-Nörgler verstummen
Klar, als ums Jahr 2000 die ersten Pioniere weiblichen Geschlechts in der Trainingshalle an der Geist-Schule auftauchten, gab´s schon Kommentare. „Bei dem einen oder anderen Älteren kam das nicht gut an“, weiß Kleinschnittger noch. „Was wollen die hier? Die haben hier nichts zu suchen“, preschten da einige nach vorn. Aber eine typische Eigenschaft des „schwachen Geschlechts“ machte die Macho-Nörgler sprachlos. „Die Mädels waren sehr beharrlich, haben sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und ihre Ziele verfolgt“, beobachtete Kleinschnittger. Und noch etwas anderes Signifikantes fiel dem BC-Sprecher auf: „Ich habe hier viele Frauen gesehen, die im Sparring tougher, härter waren als Männer.“ Letzte Unkenrufe in Sachen „nichts für Mädchen“ verstummten spätestens, als BC-Kämpferinnen wie Judith Suthmöller oder Sybel Fischer Bezirks- und Westfalenmeister-Titel holten.
Insofern war für Martina Schwarzer und ihre Klubkameradinnen der Weg schon bereitet. „Ich habe es nicht erlebt, dass komische Blicke kamen. Unsere Frauen-Riege bekommt bei den Männern eigentlich eine sehr positive Resonanz. Warum auch nicht?“, fragt sich Martina. „Ich sehe überhaupt keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau boxt“, sagt die junge Dame, die zuvor elf Jahre als Karnevalstänzerin aktiv war. Zumal sie auch bei den Herren der Schöpfung ganz ähnliche Motive sieht. „Ich habe einen sehr stressigen Bürojob. Das Boxen ist da ideal, um Dampf abzulassen“, hat das Energiebündel entdeckt. Das tun auch die meisten der über 30 Männer, die gemeinsam mit der Damen-Gruppe bei den Trainingseinheiten dafür sorgen, dass kein Quadratmeter der Geist-Halle ungenutzt bleibt.
"Sonst könnte ich ja zum Ballett"
Außerdem ist es ein offenes Geheimnis, dass Box-Training den Körper so umfassend schult, wie es in kaum einer anderen Sportart erreicht wird. Hier wird jede Faser im Körper angesprochen, der Bonus sind Ausgeglichenheit und Selbstbewusstsein. Dennoch: In den Ring steigen von den BC-Damen nicht alle. „Ich trainiere hier Fitness“, sagt beispielsweise Melanie Ueschner. Kämpfen wollte sie von Anfang an nicht, „auch wenn es mich eigentlich mittlerweile schon reizt“, gibt die 25-Jährige zu. „Aber ich habe schon etwas Angst, was auf die Nase zu kriegen.“
Diese Erfahrung hat Martina Schwarzer hinter sich. Im Sparring traf Gegners Faust so aufs Riechorgan, dass Blut floss. Schocken konnte Martina das nicht. Sie fiebert ihrem ersten offiziellen Kampf entgegen. Und wenn man in den Ring steigt, muss man damit rechnen, dass ein Haken oder ein Führhandtreffer mal im Ziel landen. „Das ist dann meine eigene Schuld. Wenn ich einen Treffer einstecken muss, war ich nicht konzentriert genug. Aber mir macht das nichts. Sonst könnte ich ja gleich zum Ballett gehen…“
Glänzende Augen
Bis Martina oder eine ihrer derzeit beim BC boxenden Kameradinnen auf die Bretter steigt, wird es noch etwas dauern. Doch Trainer Rainer Fränzschky, selbst eine BC-Ikone, und sein vierköpfiger Stab wissen, dass gerade die Premiere minutiös vorbereitet sein muss. „Im nächsten Jahr ist es aber definitiv so weit“, glänzen Martina Schwarzers Augen. Von wegen nichts für Mädchen.
Lutz Hackmann
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