Der Bahnschaffner als Gentleman - die kleine Wiedergutmachung?
Wochenende, unterwegs im Intercity von Duisburg Richtung Norden - Endstation Hamburg-Altona. Kurz vor der Einfahrt in den hiesigen Hauptbahnhof schleppt das ältere Ehepaar riesige Koffer zum Ausstieg.
Mehrmals tupft sich der Senior dabei den Schweiß von der Stirn. Der Parcours durch die Waggons bereitet ihm sichtlich Mühe. Die Anstrengung, sie ist dem Mittsiebziger förmlich ins Gesicht geschrieben. Er schnauft, er keucht, holt tief Luft.
„Geben sie das Gepäck am besten mir“, tönt es plötzlich aus dem Hintergrund, „ich trage es ihnen heraus, kein Problem.“ Die Zwei schauen zur Seite, entdecken dort den Schaffner – nett, sympathisch wirkt er. Kaum hat der Zug gestoppt, schnappt sich der Mann mit der dunkelblauen Uniform die beiden Hartschalen-Behälter, wuchtet sie kraftvoll nach draußen. Sodann hält er erst der Dame, anschließend dem Herrn die Hand hin, hilft ihnen beim Verlassen des Großraumwagens galant über die Treppen. "Eine gute Weiterreise", ruft ihnen der Bedienstete nach, bevor er wieder die Türen schließt.
Selbstverständliche Gesten - sollte man meinen. Oder hat das Unternehmen Zukunft den Mitarbeitern vielleicht sogar die Anweisung gegeben, nach dem tragischen Treppensturz von Münster gegenüber betagteren Kunden besonders zuvorkommend aufzutreten? Als kleine Form der Wiedergutmachung für die verbale Entgleisung seines Sprechers?
Wolfgang Halberscheidt
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