Marathon: Kenianer knacken beide Jackpots

Sieg und neuer Streckenrekord: Der keniatische Eliteläufer Richard Chepkwony im Ziel. [Foto: Hackmann]
Ein strahlender Sieger, wie er im Buche steht: Richard Chepkwony aus Kenia hat beim 8. Volksbank-Münster-Marathon am Sonntag in neuer Streckenbestzeit von 2:12:02 Stunden gewonnen.
Über zwei Minuten unterbot Chepkwony den bestehenden Top-Wert. Und auch bei den Frauen gibt es seit dem 13. Spetember 2009 eine neue Rekordmarke: Ecler Loywapet, ebenfalls aus Kenia, kam 44 Sekunden unter der bisherigen Bestzeit von 2:37:50 Stunden ins Ziel. Die beiden Afrikaner dürfen sich also nicht nur über die 2500 Euro Siegprämie freuen, sondern nehmen jeweils auch noch 3000 Euro für die geknackten Bestzeiten aus dem Jackpot mit nach Hause.
"Mit dem Sieg nicht gerechnet!"
Einer freute sich ganz besonders, denn nicht mal er selbst hatte sich für diesen Erfolg auf der Liste. Richard Chepkwony verwies seine beiden Landsmänner Isaac Cherujyot (2:12:32) und Richard Ngolepus (2:16:00) auf die Plätze. „Ich hatte mit dem Sieg hier eigentlich gar nicht gerechnet“, gestand der 26-jährige Afrikaner nach dem Zieleinlauf. „Doch so ab Kilometer 35 habe ich realisiert, dass da etwas geht!“ Für Chepkwony ist es der erste Marathon-Erfolg seiner Karriere überhaupt.
Ngolepus angesäuert
Leicht, oder eher mittlelschwer angesäuert dagegen zeigte sich der Drittplatzierte, Richard Ngolepus, im Ziel. Sage und schreibe 31000 der 42195 Meter – von Kilometer sechs bis 37 - hatte der Kenianer das über 3300 Läufer starke Feld angeführt. „Ich bin das Rennen völlig alleine gelaufen“, so Ngolepus, der sich einen Seitenhieb auf Landsmann Chepkwony nicht verkneifen konnte: „Er wurde ständig von seinem Betreuer auf dem Fahrrad unterstützt. Ich bin nicht sicher, dass das Reglement das erlaubt!“, so der enttäuschte Mitfavorit.
Brouwer als Achter bester Münsteraner
Unter dem tosenden Applaus tausender Zuschauer auf dem Prinzipalmarkt lief nach 2:30:18 Stunden als Gesamt-Achter der Münsteraner Philipp Brouwer (Foto) ein. Der für den PTSV Rosenheim startende Athlet verpasste zwar seine Bestzeit von 2:25 Stunden um knapp fünf Minuten, war allerdings auch bester Deutscher. Neunter wurde Steffen Schnieders von den Laufsportfreunden Münster in 2:32:54 Stunden.
Philipp Brouwer war nach zweieinhalb Stunden einigermaßen zufrieden mit seiner Vorstellung. „Ich habe sehr viel investiert in diesen Marathon, sehr hart trainiert. Ich wollte eine neue persönliche Bestzeit laufen, aber alleine und bei dem Wind auf der Strecke hat es eben nicht geklappt.“ Brouwer, der für die Stimmung an der Strecke absolute Bestnoten vergab, fand aber noch einen kritischen Aspekt: „Es ist ein bisschen schade, dass bei diesem Münster-Marathon der beste Münsteraner auf Platz acht läuft“, gab er zu verstehen, dass der Volksbank-Münster-Marathon seiner Ansicht durchaus auch gut ohne die als Zugpferde von den Machern nach Münster geholten Afrikaner und in diesem Falle auch Ukrainer (Plätze vier bis sieben) Eliteläufer auskommen könnte. Sein eigentliches Ziel, einen Podestplatz, sah Brouwer vom Startschuss an nicht realisierbar: „Die Kenianer, die sind von Kilometer 0,01 an einfach so weggezogen!“

Frauen: Gebreezgi kommt mit Loywapet nicht mit
Bei den Frauen wurde es im Übrigen an der Spitze weitaus weniger spannend, als erhofft und auch erwartet. Denn das Duell zwischen Loywapet (Bild oben, mit Chepkwony im Ziel) und Gebreezgi entschied die Kenianerin souverän für sich und nahm ihrer äthiopischen Kontrahentin fast genau sechs Minuten ab. Für Loywapet war es nicht nur der Sieg, sondern auch neue persönliche Bestzeit. Immerhin 31 Sekunden zwackte die gerade einmal 1,55 Meter große und fast zerbrechlich wirkende Athletin von ihrem eigenen Rekord noch ab. Im Ziel doch sehr ausgebrannt, wusste Loywapet aber noch lobende Worte für Münster zu finden: „Ich mag den Kurs hier in Münster. Die Unterstützung an der Strecke ist einfach super. Und auch mit meiner eigenen Leistung bin ich sehr zufrieden.“
3318 Starter über Volldistanz
Genau 3318 Starter (mit allen Staffeln und rahmen-Läufen über 7000) waren am Sonntag um zwei Minuten nach 9 Uhr bei – bis auf den Wind - optimalen Wetterbedingungen auf die 42195 Meter lange Strecke durch Münster gegangen.
Fast 900, genauer gesagt: 896 Athleten, waren beim Staffellauf angetreten. Hier war die Spitze fest in münsterscher Hand. Auf Platz eins liefen in 2:29:45 Stunden die ESV-Junioren mit Sebastian Fischer, Pascal Hille, Wilhelm Sprave und Robin Vierschilling. Sie distanzierten die Zweitplatzierten Niklas Pieper, Ben Erlei, Lukas Jütte und Jan Niklas Sielemann von der LG Ratio Münster um annähernd zwölf Minuten.
Lutz Hackmann
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