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Ärzte auf der Leeze: Sicherheit für Marathonläufer

Mitten drin - und oft mehr als 42,195 km im Sattel sind Dr. Ralph Schomaker (l.) und Dr. Gerrit Borgmann. [Fotos: Austermann]
Die beiden Radfahrer in den gelben Jacken schlängeln sich in aller Ruhe durchs Läuferfeld. Und werden schnell erkannt: „Schön, dass ihr da seid!“ Dr. Ralph Schomaker und Dr. Gerrit Borgmann sind sozusagen auf Patrouille. Die Ärzte radeln beim Volksbank-Münster-Marathon für die Gesundheit der anderen. Freiwillig und ausdauernd. Sie sind die mobilen Eingreifer, die am liebsten nicht eingreifen.
Das Duo ließ echo-muenster ein paar Kilometer mitfahren, mitten in der Athletenmenge, vorbei an Power-Points, Versorgungsstationen und applaudierenden Zuschauern am Wegesrand.
Dienst von drei bis neun
Von den beiden Fachmännern, die in Münster das Zentrum für Sportmedizin (ZfS) gegründet haben und mit den Machern des Marathons eng kooperieren, ist Schomaker (Foto) der offizielle Medizinische Delegierte, den es braucht bei
derlei Event. Bekannt sind die Seminare, die Schomaker im Vorfeld der 42,195-km-Herausforderung für Jedermann anbietet. Bekannt dürfte sein, dass er nun zum zweiten Mal das Marathon-Medizin-Symposium ausgerichtet hat und Mitarbeiter der „German Road Races“ ist, der Interessengemeinschaft deutscher Straßenlaufveranstalter.
Am Tag X lässt er es sich nicht nehmen, den Dienst auf der Leeze gemeinsam mit seinem Unternehmenspartner zu übernehmen. Einsatzzeit: von drei Uhr morgens bis 21 Uhr am Abend. Einst lief Schomaker selbst beim Marathon, aber nun sorgte er sich zum dritten Mal in Folge um die anderen. Vier oder gar sechs Ärzte sind zuletzt unterwegs gewesen, diesmal sorgt ein personeller Engpass für die schmale Besetzung. „Angesichts des Wetters ist das hinnehmbar.“
Das System funktioniert
Sonntag kämpfte niemand mit der Hitze, mit Staub oder Gräserflug. Zwischendurch war es sogar etwas kalt, wenn die Strecken frei waren und die Athleten vom Wind gepackt wurden. Schomaker und Borgmann (Foto r.) haben Erste-Hilfe-Rucksäcke dabei zur Erstversorgung. Gibt es den Fall der
Fälle, ist binnen Minuten ein Einsatzwagen vor Ort.
Ihr System ist ausgeklügelt wie eingespielt. „Inzwischen läuft das reibungslos. In der Vorbereitung ist das so, als würde ich ein Telefonbuch in die Hand nehmen und mal schnell alles abtelefonieren.“ Die Hilfsorganisationen ziehen an einem Strang. Der Arbeiter-Samariter-Bund, das DRK, die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser Hilfsdienst koordinieren sich. Die Gesamteinsatzleitung hat die Berufsfeuerwehr Münster inne und hier am Sonntag Dirk Hülsken. „Gefahrenabwehr für Leib und Leben“, so Schomaker, ist mehr als ein Job.
Häufiger Fehler: Zu viel getrunken
Marathonläuferinnen und -läufer gehen an ihre Leistungsgrenzen. Der Wettbewerb ist nach dem vielen Training ein Höhepunkt, an dem jeder von Ehrgeiz gepackt wird. Und schon mal unvorsichtig ist. „Die meisten trinken zu viel. Die Amerikaner sprechen dann von einer Wasservergiftung“, erklärt Schomaker.
Die Augen der Fachleute wandern, während sie fahren, von Athlet zu Athlet. Der Blick ist geschult, sie erkennen, wer warum wackelt oder trabt. „Motorische Auffälligkeiten weisen auf eine Elektrolyt-Entgleisung hin.“ Dann sprechen die Ärzte den Kandidaten freundlich an und checken, ob sie eingreifen müssen. Atmet jemand auffällig, stimmt womöglich im Herz-Kreislauf-System etwas nicht. „Wer meint, am Stammtisch mal eben die Wette auf einen Marathon abschließen zu müssen, der ist nicht gut beraten.“ Schomaker weiß: „Der geübte Jogger, der seine zehn Kilometer läuft, braucht drei Jahre, bis er vernünftig vorbereitet ist.“

„Besser aussteigen“
In Münster gibt es „Medical Points“, für 50 oder 100 Läufer ausgelegt, und mobile Unfallhilfsstellen. „Wir versorgen auch kleinere Blessuren“, erklärt Rennarzt Schomaker jedem gerne. „Man kann Blasen an den Füßen, aufgescheuerte Brustwarzen oder Wespenstiche behandeln lassen. Nach der schnellen Kurzversorgung kann es ja weitergehen.“
Am Gescherweg fragt ein klug reagierender Läufer um Rat. Dr. Borgmann hört sich seine Geschichte an. „Da ist es besser, sie steigen aus und lassen sich im Krankenhaus untersuchen“, schlägt er vor. Und überzeugt den Marathon-Mann schnell.
2010 ist auch noch ein Jahr. Schomaker: „Man rechnet auf 100.000 Marathonläufer mit drei bis vier Todesfällen. Wir müssen also alles tun, um vorzubeugen. Und zu warnen.“
Thomas Austermann
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