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Beim grünen Rhetoriker Jürgen Trittin bekam jeder im Berliner Kabinett sein Fett weg

Jürgen Trittin und Maria Klein-Schmeink ganz entspannt vor dem Auftritt, während die Gruppe Kaibuni die Zuhörer einstimmte. [Alle Fotos: Sven Hänscheid]
Die „Vorband“ war – zugegeben – etwas größer: Die grüne Kaktus-Jugend hatte listig auf dem Flyer für die Rede Jürgen Trittins den Steinmeier-Auftritt drei Stunden zuvor eben als „Vorgruppe“ aufgelistet.
Der grüne Spitzenkandidat setzte allerdings nicht weniger Energie in seine Rede auf dem Prinzipalmarkt als der rote zuvor auf dem Domplatz.
"Es geht ums Ganze"
Geschätzte 300 Münsteraner hörten dem ehemaligen Umweltminister zu, der unter dem Thema „Es geht ums Ganze!“ wirklich einen Rundumschlag startete: Er ließ kein gutes Haar an den vergangenen vier Regierungsjahren der Großen Koalition: Jedes Kabinettsmitglied bekam wohldosiert sein Fett ab.

Die Zuhörer auf dem Prinzipalmarkt verfolgten Trittins Rede ausfmerksam.
Kanzlerin im Schlafwagen...
Die Kanzlerin hatte mit ihrer Adenauer-Gedächtnistour im Rheingold-Express („Angie im Schlafwagen an die Macht“) „von Oggersheim nach Berlin“ dem scharfzüngigen Trittin natürlich eine Steilvorlage geliefert – „gegen Frau Merkel ist Horst Schlämmer hochpolitisch!“ rief er in die beifallsfreudige Runde. Angesichts des „Duetts“ vom Sonntag („die Regierung diskutierte mit sich selbst – das ist wie in Weißrussland!“) zwischen der „Chefin und dem Juniorchef“ monierte Trittin die Arroganz von Rot-Schwarz: „Die Opposition aussperren - das geht nicht in einer Demokratie!“
Routinierter Redner
Über eingängige Zitate wie „Keine Experimente“ – „Experimente macht die Regierung eben nur bei Genmais oder Genfood“ - lockte der routinierte Redner die Zuhörenden auf immer neue Handlungsfelder und zu den politischen „Sünden“ der Koalition. Zu Schäubles Wahlplakatierungen zum Thema Freiheit („Seit wann hat er etwas für Freiheit übrig?“) erinnerte er an den Aufbau einer „Zensur-Infrastruktur im Internet“, zum Wahl-Slogan „Wir haben die Kraft“ nahm er die Milchpolitik der Ministerin Ilse Aigner scharf ins Gericht. Und natürlich genüsslich den „Rumänien-Rüttgers“…
"Veraltete Rezepte"
Von Integrationspolitik, doppelter Staatsbürgerschaft und erneuerbaren Energien wechselte Trittin gekonnt und kurzweilig zum Weg aus der derzeitigen Wirtschaftsproblematik, den die CDU mit dem Slogan „Klug aus der Krise“ beschreibe. „Haben Sie davon etwas gemerkt?“, so fragte der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen süffisant in die Runde und legte die Gegenpositionen zu den „veralteten Rezepten“ der Koalition dar: Statt den Mittelstand die Krise allein ausbaden zu lassen, müsse man Lasten solidarisch verteilen, mittels einer Vermögensabgabe die Reichen zur Gerechtigkeit beitragen lassen und statt Steuersenkungen, die als Gebührenerhöhungen wieder aufgefressen würden, in saubere Energien und vor allem in Bildung investieren.
Mindestlohn und Bildung
Nicht zuletzt stehe grüne Politik für einen gesetzlichen Mindestlohn und einen gerechteren Zugang zur Bildung, der in Deutschland viel zu oft von sozialer Herkunft und Elternhaus bestimmt werde. Der Solidaritätszuschlag könne besser zur Hälfte in die Altschuldentilgung gesteckt, zum anderen Teil in Studienplätze, Kitas und vor allem in gut 185.000 Arbeitsplätze für Lehrer, Erzieher und Hochschulprofessoren investiert werden.
"Aus der Krise hilft nur Grün"
Klimaschutz, erneuerbare Energien, ökologische Investitionen zum Beispiel in Hybrid-Autos der Zukunft („Abwrackprämie ist doch wie Saufen gegen den Kater“) und statt eines deutschen Mondsonden-Programms für 1,5 Milliarden Euro lieber Dringenderes finanzieren – alles lief auf die mehrmals wiederholte Aufforderung hinaus, bei der Wahl Schwarz-Gelb („Die Warnfarbe für Radioaktivität“) ebenso zu vermeiden wie den schwarz-roten „Besuch des eigentlich scheidungswilligen Ehepaares bei einem Ehetherapeuten“. „Wir müssen die dritte Kraft werden“, so forderte Jürgen Trittin die Zuhörer auf – „aus der Krise hilft nur Grün“.
Im Hintergrund Lambertus
Drei Besonderheiten an diesem kühlen Abend: Von hinter der Bühne schallten die alten Lambertus-Lieder vom Tanz um den Brunnen immer wieder herüber, zwei Gebärdendolmetscherinnen versuchten erfolgreich, mit des Redners Geschwindigkeit mitzuhalten – und wie symbolisch war Münsters scheidender grüner Bundestagsabgeordneter Winni Nachtwei über eine Handyverbindung direkt aus Afghanistan für ein kurzes Interview zur Lage zugeschaltet.
"Maria, hau rein!"
Er – wie übrigens auch Jürgen Trittin – gaben der grünen Kandidatin Maria Klein-Schmeink (Foto links) starken Rückhalt: Sie sei die richtige Nachfolgerin und werde ebenso für Deutschland wie für Münster eine starke Stimme für eine soziale Politik in Berlin erheben. „Nach 16 Jahren Kommunalpolitik und mit Winni als meinem Lotsen möchte ich in der Bundestagsfraktion mitarbeiten“, so hatte sich die grüne Front-Frau zu Beginn vorgestellt. Und der Jürgen, ja, der fand auch, dass Maria eine Bereicherung sein werde. Der arme Gerhard Joksch, der abschließend noch etwas zu den Grünen in Münsters Rathaus sagen wollte, hatte dann nur noch wenige fröstelnde Zuhörer gegen 21 Uhr – sein „Maria, hau rein!“ fand aber doch noch Applaus.
Heike Hänscheid
[28.04.2010 | LUH]Wenn er da so auf der Bühne steht, schneidig im Anzug, leger immer eine Hand in der Hosentasche, souverän in jeder Bewegung, dann könnte man - rein optisch - durchaus geneigt sein, Jürgen Trittin für einen Vertreter zu halten. Einen Vertreter der Parteien, die der Bundesvorstand der Grünen derzeit im nordrhein-westfälischen Wahlkampf hart bekämpft.
[27.04.2010 | ECHO]"Es tut gut, dass unsere ehrenamtliche Arbeit von der Politik geschätzt wird. Unser ganzes Team hat durch die Auszeichnung einen Motivationsschub bekommen", sagt "Nightlinerin" Bettina.
[27.04.2010 | HDT]Die für Mittwoch, 28. April, vor dem Stadthaus 1 anberaumte Kundgebung der Grünen mit Jürgen Trittin, neben Renate Künast Vorsitzender der Bundestagsfraktion, muss zeitlich nach hinten verschoben werden.
[26.04.2010 | ECHO]"Wir wollen ein anderes NRW“, erklärt Josefine Paul, grüne Landtagskandidatin für den Wahlkreis II (Süd). „Wir wollen ein Land, das ökologisch und sozial ist. Dafür haben wir Grünen einen Zukunftsplan aufgelegt, dessen Mittelpunkt der Green New Deal ist." Was sich der Bürger darunter vorstellen kann, soll am kommenden Mittwoch, 28.
- [23.04.2010 | ECHO]
Mit einem Antrag hält Münsters SPD-Ratsfraktion die Stadt dazu an, den Bundestag und die Bundesregierung dazu aufzufordern, die Steuer auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu verwirklichen. Die Einführung einer „Steuer auf Finanztransaktionen in Höhe von 0,05 Prozent“ entspräche dem Willen „vieler politischer, kirchlicher und gesellschaftlicher Organisationen".
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