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"Party Paradox": Marketing-Mann Fritz Schmücker gelingt ein neues Meister-Stück

Das Quartett ist bestens gelaunt: Sattes Disco-Feeling per Kopfhörer. Die "Party paradox" im Rathausinnenhof macht's möglich. [Fotos: Martin Weygardt]
Schwofen, schwofen, schwofen. Schwofen bis zum frühen Morgen. Aber kein Mucks von den groovenden Rhythmen dringt nach draußen. Keine Gitarren-Riffs, keine Basslinien, keine Schlagzeug-Wirbel, keine Refrains – nichts, was auf das übliche Disco-Feeling schließen lässt.
Trotzdem ist das illustre Feten-Völkchen - quer durch sämtliche Altersstufen - bestens gelaunt. Die über 2000 singen und swingen, zucken und zappeln, wippen und wackeln – zum Takt der Musik. Die kommt, per Funk, über Kopfhörer, den das Publikum einstecken muss. Die Einlass-Kontrolleure haben es extra angeordnet. Samstagabend, Rathausinnenhof: Da steigt in der Tat die außergewöhnlichste Sause des Jahres.
Originelle Bilder
Ausgedacht hat sie sich Fritz Schmücker, zweiter Mann im kommunalen Marketing-Stab. Und dem Treiben, passend zur aktuellen Morphosen-Reihe, gleich einen knackigen Titel verpasst: "Party paradox" – den nun in originelle Bilder transformierten Spagat der City-Verantwortlichen zwischen vergnügungsträchtiger Flanier-Meile und attraktiver Wohn- bzw. Schlafstätte.

Party-Power bis zum frühen Morgen. Dabei dringt kein Mucks nach außen - von den euphorischen Gesängen des Feten-Völkchens mal abgesehen: die Kopfhörer-Sause im Rathausinnenhof sorgt bei über 2000 begeisterten Besuchern für grandiose Stimmung. Foto: Weygardt
Jetzt ist beides möglich: Feiern einerseits, relaxen andererseits. Anfangs noch ein wenig zaghaft, lassen sich die Gäste von der merkwürdig pulsierenden Atmosphäre rasch becircen. Beherzt setzen sie die Ohrmuscheln auf, lauschen dem Sound auf den beiden Kanälen.
Fetzige Radio-Nummern
Zwei Discjockeys sind engagiert worden, um die Massen auf Touren zu bringen: Der eine mixt die Hits im Auftrag von „Antenne“, dem hiesigen Lokal-Sender, der andere wirbelt unter einem schmucken Zeltdach. Im Nu verwandelt sich das gesamte Areal in eine einzige Dancehall-Zone – mit bunten Spots, mit faszinierenden Lichtspielen.
Wer sich zwischendurch unterhalten möchte, dreht den Ton entweder herunter oder streift die Dinger einfach ab. Die aus den Membranen unterschwellig weiter wabernden Klänge sind letztlich doch zu verlockend: Ein schneller Griff, schon gibt’s wieder die volle, die individuelle Dröhnung. „Ein fantastisches Flair, super-geil“, schwärmt Hermann Meyersick, Münsters früherer Tourismus-Chef, zwischen zwei fetzigen Radio-Nummern, „Glückwunsch an meine ehemaligen Kollegen für diese tolle Idee.“ Und Carsten Peters, der grüne Politiker, zeigt sich ebenfalls angetan: „Recht gelungen, alle Achtung!“
Laszive Posen
Die Kulisse, sie wirkt wunderbar entspannt. Da wird geredet, gelacht, gar mancher, besonders zu vorgerückter Stunde, gröhlt selig die Textzeilen der Lieder mit. Aber niemand nimmt dem Freizeit-Barden das schiefe Trallala krumm. Großzügig tolerieren die Umstehenden den kleinen, netten Begeisterungsschub. Und wildfremde Besucher grinsen freundlich herüber, wenn sie sich – an den Körperbewegungen ablesbar - einander auf derselben Programm-Frequenz wähnen.
Dann, zwischendurch, die neckische Sonder-Einlage: Dort, wo ansonsten auf der „Beamten-Lauf-Bahn“ zwischen altem Gemäuer und angebautem Verwaltungsgebäude die Bediensteten schwergewichtige Aktenordner hin- und herschleppen, geht’s plötzlich reichlich leichtfüßig zu: Zwei eher sparsam bekleidete Go-Go-Girls demonstrieren nebst männlicher Begleitung in lasziver Pose, wie Partner-Anmache auf der Tanzfläche richtig funktioniert. Dazu strahlen stilecht die roten Scheinwerfer.
Modern-Style

Macht sofort gute Laune: der Sound aus der Ohrmuschel. Foto: Weygardt
Unterdes hastet Ideenstifter Schmücker von einem Interview zum anderen. Was er hier aufgezogen hat, ist zweifellos nach dem Geschmack der Medien geraten: Viel Modern-Style, zudem ein Experiment, aber bis in die Details hinein perfekt durchorganisiert. Selbst aus Berlin, der hippen Millionen-Metropole, sind Kameraleute angereist, um im Fernsehen aus der westfälischen Provinzial-Hauptstadt zu berichten.
Wer genauer hinschaut, entdeckt unter den zahlreichen Schaulustigen manch bekannten Gastronomen. Interessiert schlendern die Kneipiers über den Platz, beobachten die quirlige Menge und deren unbeschwerte Stimmung.
Sind die Herren vielleicht auf der Suche nach neuen, innovativen Konzepten für ihre Clubs?
Wolfgang Halberscheidt
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