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Der SCP und seine Fans: Ein Bündnis funktioniert

Vor dem Anstoß die Begrüßung im Preußenstadion. Fußballer und Fans brauchen einander, aber auch in ihrer Beziehung hakt es dann und wann. [Foto: Sven Hänscheid]
Der letzte Fanstammtisch des SC Preußen war getrübt vom Boykott. Im April zogen rund 60 Fußballfans im Uferlos verspätet und schweigend ein und marschierten nach wenigen Minuten wieder raus. Zu einer Wiederholung der Sprachlosigkeit sollte es am Dienstag nicht kommen. Inzwischen pflegen etliche Anhänger den Dialog mit dem Klub, während andere Gruppierungen nur schwer erreichbar sind.
Was im April war, „wurde danach besprochen und ist für mich abgehakt“, wie Georg Krimphove aus dem SCP-Präsidium gegenüber echo-muenster betonte. Längst habe sich nach dem Zwischenfall ein regelmäßiges Treffen entwickelt. Zwischen dem Verein hier und dem so genannten Fan-Interessenbündnis dort. Kontakter und Vermittler sind die Fanbeauftragten Manuel Suttrup und Niklas Schulze Niehus.
Sachlich und mit Resultaten
Bis zu 25 Fußballfans kommen zu den Treffen. Vom SCP ist meistens Krimphove dabei, zuletzt waren es Carsten Gockel und Katarina Orlovic (Merchandising), die in der neuen Tribüne zu diversen Themen sprachen. „Dieser Austausch läuft sachlich, gut und hat oft konkrete Beschlüsse zur Folge“, so Krimphove. „Oft gibt es Vorschläge der Fans, die der Verein dann auf Umsetzbarkeit prüft.“
Neue Spielankündigungsplakate zum Beispiel werden durch Anhänger erstellt
und im Klubauftrag gefertigt. Auch den Wunsch, Preußen-Bettwäsche in den Katalog aufzunehmen, realisierte der Verein. Krimphove (Foto) besorgte auch die Farbe, die die Fans in der Stehkurve auf die Stufen auftrugen.
Ultra-Szene gespalten
Schwieriger und viel diffiziler als mit dem Bündnis verhält es sich mit anderen Fangruppen. Zwar werden stets alle Klubs oder Kreise zu den Treffen eingeladen, aber die inzwischen geteilte so genannte Ultraszene in Münster bleibt schwer erreichbar. Dass es hier zwei Gruppen gibt, sieht und hört jeder Stadionbesucher. Aus der „Curva“, die sich wie gehabt in der Nieberdingstraße trifft, lösten sich die „Deviants“ heraus nach internen Zerwürfnissen. Längst steht die eine Gruppe hier und die andere dort.
"Keine Kooperation"
Die Deviants erklärten im März in einem Internet-Forum: „Unser Primärziel ist es, in Ruhe zu arbeiten. In diesem Zuge möchten wir noch einmal bekräftigen, dass wir die derzeitige Trennung innerhalb der Ultra-Szene in Münster als unumstößlich ansehen. Eine egal wie geartete direkte Kooperation schließen wir daher für die Zukunft schlichtweg und definitiv aus.“
Der Verein, so Krimphove, „steht in dieser speziellen Problematik ein bisschen außen vor. Wir sind nicht glücklich über diese Entwicklung und die daraus resultierende Außendarstellung. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich etwas ändert.“ Er habe zu einzelnen Vertretern beider Kreise Kontakt, „aber die Kommunikation ist insgesamt nicht so ausgebaut wie gewünscht.“
Auswärtsfahrten oft problematisch
Szenebeobachter werteten jetzt die vierte und bisher letzte Auswärtsfahrt nach Köln als die erste unproblematische in dieser Serie. Drei Mal vorher gab es jeweils Ärger, explizit in Saarbrücken mit der „In-Gewahrsamnahme“ von 15 Preußenanhängern. Ihnen drohen Anzeigen und Stadionverbote.
Der SCP-Sicherheitsbeauftragte Roland Böckmann wies gegenüber echo-muenster auf die erschwerte Auswärtssituation hin, seit sich die Ultragruppen trennten. "Das Augenmerk der Sicherheitskräfte gilt nun auch der Konfliktvermeidung zwischen diesen Gruppen." Vor Ort arbeiten speziell geschulte Szenekundige Beamte (SKB) der Bundes- und Landespolizei mit Verein und Ordnern zusammen.
Mitreisende bestätigen, dass oft viel Alkohol im Spiel ist. Und zwar mehr als früher üblich. Ergo sinkt die Hemmschwelle schneller und steigt die Konfliktbereitschaft.
Thomas Austermann
Am Dienstag (22. September) startet der Warsteiner-Fanstammtisch um 18.30 Uhr - erstmals im Business-Bereich der neuen Haupttribüne des Preußenstadions. Um 19 Uhr beginnt eine kleine Besichtigung der Räumlichkeiten. Im Anschluss sitzt man beisammen zur Interview- und Talkrunde. Trainer Roger Schmidt, Teammanager Carsten Gockel. Die Präsidiumsmitglieder Siggi Höing und Georg Krimphove sowie Regionalligaspieler sind anwesend.
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