Was immer du willst: Status Quo rocken Münster

Rockin´all over the World: Rick Parfitt (l.), Francis Rossi. [Fotos: Hackmann]
Die Zeiten ändern sich. Status Quo nicht. Und das ist auch gut so. Am Dienstagabend startete die Welt-Band in der Halle Münsterland ihre neuntägige Deutschlandtournee mit einem Boogie- und Rock´n´Roll-Gewitter – und zauberten ihren Fans ein Dauergrinsen aufs Gesicht.
Weit über 40 Jahre Bühnenpräsenz haben die Boogie-Könige aus England um Francis Rossi und Rick Parfitt mittlerweile auf dem Buckel, und es gibt nichts, was das Quintett in diesen Dekaden nicht erlebt hätte.
Von wegen Rentnerband
Die Gründungsmitglieder Rossi (60) und Parfitt (61) gehen langsam aufs Rentenalter zu. Auf die Bühne stellen müssten sie sich schon lange nicht mehr. Doch wer in Münster mit dabei war, hat gesehen: Von „Müssen“ ist hier nicht die Rede. Die Band vermittelt einen Spaß an ihrem Ding, der seinesgleichen sucht. Quo zieht dabei keine Show ab. Sie müssen sich nicht verstellen, um mit ihren knackigen, eingängigen Rocksongs einfach gute Laune vor und auf der Bühne zu erzeugen. Die Band ist authentisch und mittlerweile mit einer gehörigen Portion Selbstironie am Werk.
Rossi mittendrin
Köstlich das Mienenspiel von Lead-Gitarrist Rossi, dem Quo-Mastermind und Super-Kommunikator. Immer im Kontakt mit dem Publikum, ob verbal oder mit Gesten. Und die Fans wickelt er mit einer Handbewegung um den kleinen Finger. So nahm eine musikalische Zeitreise ihren Lauf, die sich nach dem Opener „Caroline“ über „Pictures of Matchstickmen“, „Ice in the Sun“, über „Roll Over Lay Down“, „Whatever You Want“ oder dem von Quo-Hardlinern immer noch geächteten „In the Army Now“ bis hin zu wenigen ausgesuchten Songs der beiden Alben aus diesem Jahrhundert erstreckte. Mit irrsinnig viel Groove, mitreißender Performance und immer auch einem Augenzwinkern.

Gänsehautstimmung
Alten Quo-Fans – und davon hatten reichlich in die Halle Münsterland gefunden – läuft halt immer noch ein Schauer über den Rücken, wenn ihre Helden nebeneinander ihre abgewetzten Gitarren im Takt wiegen. Dann hängt sich auch der mittlerweile ergraute Keyboarder Andy Bown die dritte Telecaster um und mischt bei Rossi, Parfitt und Bassmann Rhino Edwards (Foto unten) kräfig mit.
Sie tun´s einfach
Status Quo hat so viele Kultsongs, dass das Quintett gleich zwei Medleys ins Konzert aufnahm, um den nach mehr lechzenden Fans eine größtmögliche Bandbreite zu bieten. Was sie auch auf der Setlist hatten, es traf vor damals den Nerv der Blues & Boogie-Gemeinde, es tut es heute und vermutlich auch noch in 30 Jahren. Nicht, weil sie mit den Stones die dienstälteste Rockband der Welt sind und sich daraus automatisch Kult generieren würde. Nein, „Just Doin´ It“, Titel der 2006-er Live-Scheibe, das ist das Motto. Die tun´s einfach. Und es ist pur und gut und groovt wie sonstwas. Und was die fünf oben auf der Bühne selbst für einen Spaß dabei entwickeln, das ist noch das Sahnehäubchen.

Waren auch da: Kansas
Mit Zugaben insgesamt eindreiviertel Stunden rockten die Londoner das münsterische Publikum und versprühten ihre legendäre Aura. Etwas schade vielleicht, dass der für Münster wenig beworbene Tournee-Auftakt lediglich 1250 Quo-Fans mobilisierte, die sich im Vorprogramm noch Kansas gefallen lassen mussten. Die Progressive-Rock-Dinos aus den USA um Steve Walsh wurden zwar freundlich aufgenommen, hatten (trotz E-Geige) einen klaren Sound, aber waren mit ihren Chorsätzen und Rhythmuswechseln nicht gerade ein großer Anheizer für Drei-Akkord-Könige von Status Quo. Auch wenn „Dust in the Wind“ oder das spätere „Carry on Wayward Son“ nach wie vor durchaus in die Hall of Fame der Rock-Klassiker gehören.
Lutz Hackmann
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