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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Wie ein "Schlag in die Magengrube" - Wyeth-Mitarbeiter hatten eine schlaflose Nacht

Featurebild Karten

Die Karten sind für die Mitarbeiter von Wyeth und Whitehall-Much neu gemischt: Was die Zukunft bringt, ist ungewiss. Gewiss ist, dass Pfizer den Standort Münster komplett einstampft. [Foto: Pixelio / Hofschläger]

[23.10.2009 | Münster | BFB]

"Wyeth – ein Unternehmen der Pfizer-Gruppe." Die Stimme in der Telefonzentrale des Pharma-Riesen am Hessenweg meißelt in Stein, was seit Anfang des Jahres beschlossene Sache ist. Der US-Konzern hat den Impfstoff-Spezialisten Wyeth mit Stammsitz in Münster geschluckt. Jetzt schließt er bis spätestens Ende 2010 die Standorte Karlsruhe und Münster.

Bittere Realität für die 400 Mitarbeiter, die zum Teil schockiert auf die Nachricht reagierten. Damit hatten sie in der Härte nicht gerechnet. In einer wohl durchdachten Blitzaktion war die Belegschaft am Donnerstag informiert worden. Erst tags zuvor hatte der Betriebsrat von der Entscheidung erfahren und war zum Stillschweigen verdonnert worden. Wenige Stunden später überbrachte Dr. Andreas Penk (Foto r.), Vorsitzender der Geschäftsführung von Pfizer Deutschland, in einer Betriebsversammlung in der Halle Münsterland die Hiobsbotschaft, die in Münster auch die 90 Arbeitsplätze der Whitehall-Much betrifft, die für die frei verkäuflichen Präparate von Wyeth steht. Kurz drauf war die Presse zur Konferenz eingeladen.

Hoffnung starb in der Halle

Waren viele auf dem Weg zur Halle noch frohen Mutes, dort in der Pfizer-Großfamilie begrüßt zu werden, starb die letzte Hoffnung auf einen wenigstens teilweisen Erhalt des Standortes Münster. Die realitätsbegabten Mitarbeiter, vor allem die aus der Verwaltung, hatten insgeheim schon länger damit gerechnet, dass für sie in Münster mit der Übernahme kein Schreibtisch mehr stehen würde. Dass es aber so knüppeldick kommen würde, dass auch das intakte Distributionszentrum (Foto l.) in verkehrsgünstiger Lage mitten in Deutschland geschlossen werden und nach Berlin verlagert werden soll, das hatten sich viele nicht ausgerechnet.

"Es war gruselig"

Die Belegschaft, sie war mit einem Maulkorb versehen aus der Halle Münsterland entlassen worden. Und doch sickerten Eindrücke und Emotionen durch. Gruselig sei es gewesen, hat heute (Freitag) mancher die Nachricht noch nicht wirklich verkraftet. Man fühle sich echt beschissen. Den vielen schlaflosen Nächten mit Zukunftsangst der vergangenen Monate folgte in der Nacht zu Freitag eine weitere Nacht ohne Ruhe. Eine Nacht der Gewissheit, dass der Arbeitsplatz in Münster verloren ist. Eine Nacht des Grübelns über die Zukunft. Die eigene und die der Familie. In Münster? In Berlin? So denn überhaupt ein neuer Arbeitsplatz bei Pfizer angeboten wird. Penk hatte zwar bei der Betriebsversammlung gesagt, dass in Berlin viele Stellen offen seien. Wie viele und in welchen Bereichen, das hat er nicht verraten.

"Wir haben es gut gehabt bei Wyeth"

Ein Neuanfang in der Bundeshauptstadt. Für manche, vor allem die Jungen ohne familiäre Bindungen, hat das einen guten Klang. Eine weitere Stufe auf der Karriereleiter, neue Erfahrungen. Nicht schlecht. Für die in der Lebensmitte aber, die in Münster auch materiell Wurzeln geschlagen haben, wird es schwerer fallen, Zelte abzubrechen und dem Job nachzureisen. Hier, grübelt einer, der anonym bleiben möchte, „gibt es in der Branche für uns keine Perspektiven.“  Schon gar nicht mit einem guten Gehalt, mit Weihnachts- und Urlaubsgeld, Bonuszahlungen.  „Wir haben es gut gehabt bei Wyeth, auch was das Betriebsklima angeht.“  Gewiss, denkt er weiter laut nach, Pfizer sei ein gesundes Unternehmen und werde sich zum Beispiel bei den Abfindungen nicht lumpen lassen. „Die Sorge um einen neuen Arbeitsplatz aber bleibt und die Nachricht saß wie ein Schlag in die Magengrube.“

Jetzt heißt es abwarten, was die Verhandlungen des Betriebsrates über einen Interessenausgleich und Sozialplan an Fakten ergeben. Bis dahin, so ein anderer Wyeth-Mitarbeiter, werde er seine Arbeit so wie immer verrichten, für die er ja schließlich noch bezahlt werde. Andere haben sich heute krank gemeldet.

"Den Diamanten geklaut"

Ihre Arbeit verrichten auch Vorsitzender Hans-Peter Noll und der Betriebsrat . "Möglichst zeitnah" sollen die Gespräche über einen sozialverträglichen Interessenausgleich geführt werden. Vorruhestand, Abfindung, Umzugsregelung, Leistungsausgleich mit Blick auf die betriebliche Altersversorgung stehen unter anderem auf der Agenda. Ziel der Verhandlungen: Ein ordentlicher Betriebsübergang ohne betriebsbedingte Kündigungen. "Der Diamant unter den Pharma-Unternehmen wurde uns geklaut", sagt Noll. Er will sich bis zum Abschluss für seine Kollegen einsetzen. Notfalls auch über den Tag der nächsten Betriebsratswahlen hinaus. Die sind im kommenden Jahr und der 57-Jährige wollte eigentlich aufhören. Seine Botschaft an die Kollegen: "Ich mache weiter, kandidiere und wenn es nur für drei Monate ist."    

Bruni Frobusch 


Zum Thema siehe auch:

Pfizer schließt Wyeth-Standort in Münster: 400 Mitarbeiter sind von den Auswirkungen betroffen

 
   

  • Karstadt Münster
    [04.05.2010 | CKR]

    Als „angespannt, aber gefasst“ beschreibt Karstadt Münster-Chef Thomas du Buy die Stimmung seiner Belegschaft. Zusammen mit dem stellvertretenden Betriebsratschef Burkhard Langhorst und einer Ver.di-Vertreterin hat er am Dienstag, 4. Mai, die 150 Beschäftigten in einer Versammlung über den aktuellen Stand der Verhandlungen über die insolvente Warenhauskette informiert.

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  • Wyethhaus
    [31.03.2010 | ECHO]

    Nach der weltweiten Übernahme von Wyeth Pharma durch Pfizer im Oktober 2009 ist der deutsche Geschäftsführer Dr. Timm Volmer (48) am Mittwoch, 31. März, aus seinem Amt ausgeschieden. Volmer war seit April 2004 Mitglied der Firmenleitung von Wyeth Deutschland und seit August 2008 bis zur Übernahme durch Pfizer deren Vorsitzender.

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  • [25.03.2010 | ECHO/FBI]

    Die Halle Münsterland darf den stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden nicht fristlos kündigen. Das hat am Donnerstag, 25. März, das Arbeitsgericht Münster beschlossen. Der fünfköpfige Betriebsrat hatte die Zustimmung zu der Entlassung verweigert. Das städtische Tochterunternehmen wollte diese durch das Arbeitsgericht ersetzen lassen und scheiterte mit dem Antrag.

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  • Städtische Bühnen Münster
    [23.03.2010 | CKR]

    Einsparungen im Investitionsbereich nehmen sie bereits in Kauf, jetzt befürchten die Städtischen Bühnen weitere, drastische Einschnitte in ihre Finanzplanung: Sollte das Haus auch die Tariferhöhungen seiner Mitarbeiter tragen müssen, sei nicht ausgeschlossen, dass wenigstens eine Sparte wegfallen wird, erklärt Generalintendant Wolfgang Quetes.

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  • Carsten Peters
    [13.03.2010 | ECHO]

    Münsters Grüne wehren sich gegen den Rückzug der Post aus der Versorgung
    im Süden der Stadt. „Jüngstes Beispiel ist die beabsichtigte Schließung der
    Post-Service-Filiale in Berg Fidel“, sagt GAL-Ratsherr Carsten Peters, der den Leistungsabbau für nicht akzeptabel hält.

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