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Buchholz "glänzt" als Vorbereiter: Preußentorwart stiftet Unruhe

Die Uhr auf der Anzeigetafel ging nach: Das 1:1 der Preußen fiel erst in der 93. Minute. Dass so lange gespielt wurde, ärgerte die Gastgeber. [Fotos: Austermann]
Der Torwart nahm Augenkontakt auf mit seinem Trainer. David Buchholz fragte nonverbal aus Entfernung um Erlaubnis für diesen ersten und letzten Ausflug. Schlussmänner machen so was schon mal im Fußball, wenn sie glauben, zum finalen Mittel greifen zu müssen. Nicht immer bringt es Erfolg – Samstag aus Preußensicht aber schon.
Der Essener Junge drehte sich irgendwie in die Hereingabe, es sah fast nach einem Fallrückzieher aus, traf den Ball (Trainer Schmidt: „Keine unwesentliche Ballberührung!“) und über mehrere weitere Stationen landete er vor den Füßen von Wojciech Pollok. Der traf, zack, zum Ausgleich in der letzten Szene der Nachspielzeit.
1:1 bei RW Essen, damit kann Münster bestens leben. Mit seinem vierten Treffer schwingt sich der Wattenscheider Pollok zum besten Toremacher seines Klubs auf. Und dabei spielt er ja kaum.

Jerome Assauer mit Tor-Kontakt. RWE aber hat die Szene mit Überzahl im Griff, auch wenn Keeper Robin Himmelmann hier strauchelt.
Rechtzeitig neu sortiert
„Er wird auch dann treffen, wenn er wieder von Anfang an dabei ist“, schmunzelte Trainer Roger Schmidt. Vielleicht hat er ja auch bemerkt und gewertet, dass Jerome Assauer alleine auf weiter Flur keinen guten Tag hatte an der Hafenstraße. Vor der imposanten fünfstelligen Kulisse, die rund 2500 Preußenfans erst zu einer Marke machten, hatte nicht nur Assauer Probleme mit den engagierten und lange Zeit auch dominierenden Gastgebern.
„Wir haben uns zu wenig zugetraut und zu wenig Fußball gespielt“, sah Schmidt viele unerwünschte Räume. „Essen war bissiger.“ Sergej Neubauer und Kollegen eroberte die Bälle und drückten dem Mittelfeld ihre Stempel auf. Schmidt sah „nur phasenweise über links“ Entlastung. Und nach dem 1:0 „ein anderes Spiel. Wir mussten uns sortieren, da kann das 2:0 für Essen fallen. Aber wir haben ins Spiel gefunden, besser kombiniert und Torgefahr ausgestrahlt.“ Und dann fiel allen dieser Stein vom Herzen. „Vor so einer Kulisse so spät zu treffen, das ist doch herrlich!“
Außem sucht Cleverness
Das RWE-Trainerduo erlebte die Szene grundsätzlich anders. Ralf Außem fagte: „Warum gab es drei Minuten Nachspielzeit?“ Und warf seiner Abwehr Fehlverhalten vor: „Wir müssen die Ecke für Münster schon verhindern. Und cleverer sein.“ Uwe Erkenbrecher sah RWE eine Halbzeit lang klar vorne, nach dem 1:0 aber die „spielschnellen Preußen gut. Die sind dann nur schwer zu stoppen.“
Mit Blickrichtung Tabellengipfel blieb er wie seit Wochen zurückhaltend. „Ich traue uns zu, jedes Spiel zu gewinnen. Nur kommen wir mit Unentschieden nicht weiter. Wir müssen uns weiter entwickeln, Stück für Stück.“
Nächsten Samstag prüft RWE die Sportfreunde in Lotte, oder andersherum. Und danach will der SCP dem westfälischen Rivalen daheim zeigen, dass der Westfalenpokalerfolg Ende August keine Eintagsfliege war.

Riesenaufwand für große Kulisse
Mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen wurde die An- und Abreise der Preußenfans beobachtet und begleitet. Schätzungsweise 200 Polizeibeamte waren im Einsatz, viele Ordner beider Mannschaften und Fanbeauftragte sowieso. Rund 2500 Anhänger des SCP sahen in zwei Stehplatzblöcken zu. 900 per Zug Anreisende wurden mit 13 Bussen vom Hauptbahnhof zum Stadion und nach Abpfiff retour gebracht. Verantwortliche meldeten am Abend keine besonderen Zwischenfälle.
Thomas Austermann

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