Erst Happy-Birthday-Hymne, dann Harmonie-Appell - und am Ende zwei Bürgermeister von der SPD ...

Die Goldene Kette hat wieder einen Besitzer: Altersvorsitzender Florian Steinforth legte sie am Mittwochabend dem neuen Oberbürgermeister Markus Lewe an. [Alle Fotos: Sven Hänscheid]
Ein Geburtstagsständchen mitten in der konstituierenden Ratssitzung? „Das“, schmunzelte Presseamtsleiter Joachim Schiek, „das habe ich noch nicht erlebt.“ So wurde er am Mittwoch Zeuge, wie es klingt, wenn über sämtliche Parteigrenzen hinweg lauthals gesungen wird.
Einer aus den hinteren Reihen hatte den Song angestimmt, nacheinander fielen alle anderen in den Refrain ein. Adressat der „Happy Birthday“-Hymne? Florian Steinforth, der Altersvorsitzende. Zuvor war Markus Lewe, der neue OB, von ihm vereidigt worden. Und die Goldene Kette, sie gab’s auch - parallel dazu.
Musikalische Gratulation
Dass sich der Festsaal kollektiv zu der musikalischen Gratulation animiert fühlte, wertete der Tillmann-Nachfolger (s. Foto rechts) als „gutes, als charmantes Zeichen“ – für die von ihm geforderte, an fachlichen Kriterien orientierte Kooperation. Statt sich künftig unerbittlich zu streiten, empfahl er in der Antrittsrede die „offene, die gemeinsame Debatte“ - zwar hart in der Sache, aber menschlich im Umgangston.
Um der allgemeinen Politikverdrossenheit im Lande ein Schnippchen zu schlagen, bedürfe es eines konstruktiven Miteinanders: „Lasst uns die Türen weit aufsperren“, rief der Verwaltungschef der Runde im Festsaal zu, „aufsperren, um die Bevölkerung auf dem Wege mitzunehmen.“ Diesen, seinen Anspruch, hatte er bereits am Vorabend mit ähnlichen Worten den Delegierten auf der CDU-Mitgliederversammlung erläutert.
Enttäuschung
Doch die von Lewe anfangs beschworene Harmonie wich bald dem normalen Tagesgeschäft: Für die - geheime - Wahl der ehrenamtlichen Stellvertreter benannten CDU/FDP ihre Repräsentanten Karin Reismann sowie Hans Varnhagen, SPD/GAL machten sich mit ihrer Liste für die beiden Sozialdemokraten Beate Vilhjalmsson und Holger Wigger stark. Dann, nach rascher Auszählung, das für manche überraschende Ergebnis: Vilhjalmsson wurde erste Bürgermeisterin, Platz zwei und drei belegten Karin Reismann und Holger Wigger.

Das Quartett ist seit Mittwochabend perfekt: Neben OB Markus Lewe (l.) wurden Beate Vilhjalmsson, Holger Wigger und Karin Reismann (r.) als ehrenamtliche Bürgermeister gewählt. Foto: Sven Hänscheid
Dass Varnhagen, einer der bisherigen Amtsinhaber, nicht mehr zum Zuge kam, erklärt sich aus dem schlechteren Abschneiden des schwarz-gelben Personalvorschlags: Der erhielt am Ende nur 38 Stimmen, während das rot-grüne Pendant aufgrund der Unterstützung Verbündeter mit 41 vorne lag – bei zwei ungültigen Voten. In den Reihen des früheren Mehrheitsbündnisses kam Enttäuschung auf.
Wolfgang Halberscheidt
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Kommentar: Die Ratssitzung: Kein Knall-Effekt - aber ein mittlerer Paukenschlag allemal
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