Ausgang offen: Besetzung geht vorerst weiter, das Rektorat berät Vorgehen

Die Besucherinnen und Besucher des Hochschultags erlebten im Audimax hautnah auch eine andere Seite des Studentenlebens: Sie gerieten in die Besetzung des Hörsaals. [Fotos: Sander]
„Besetzt“- das ist die klare Aussage im Eingangsbereiches des Audimax. Irritation und Fragezeichen stehen auf den Gesichtern der Schüler, die sich eigentlich eine Infoveranstaltung im Rahmen des Hochschultages anhören wollen und jetzt mitten in den Protest der Studierenden geraten sind.
Seit gestern Mittag – echo-muenster berichtete – wird der Hörsaal in der Johannisstraße von Studierenden und Schülern besetzt als Reaktion auf ähnliche Aktionen in Österreich. Denn ihre Unzufriedenheit mit dem Thema Bildung sei ebenso groß wie dort, so verkündeten die Besetzer.
100 Leute über Nacht im Audimax
„Während der Nacht haben rund 100 Leute ihr Nachtlager hier aufgestellt“, erklärten die Studierenden Christian und Friederike. „Es musste auch hier genau der Audimax sein, da der auch in Wien von Studierenden eingenommen wurde“, ergänzt ein anderer. Traurig sei man, so sagen sie, über die „mangelnde Bereitschaft von Rektorin Professor Ursula Nelles zu Verhandlungen“. Gestern Nachmittag waren die Rektorin und Dr. Marianne Ravenstein, Prorektorin für Lehre, bei den Studierenden. Doch die Diskussion wurde abgebrochen, „weil wir kein Vorrankommen sahen“, bedauert Christian.
"Unorganisierte Forderungen"
„Die Auflistung der Forderungen sind doch eher unorganisiert ‘rüber gekommen“, beschrieb Norbert Robers, Leiter der Pressestelle der WWU, die Eindrücke des Rektorates. Viele der Kritikpunkte lägen auch gar nicht in der Verantwortung oder dem Ermessen der einzelnen Hochschulen wie etwa der Bologna-Vertrag. Begrüßt habe die Universitäts-Leitung allerdings die Bereitschaft der Besetzer, die Veranstaltungen zum Hochschultag in geplanter Weise ablaufen zu lassen, so Robers.
Polizei verschafft sich Überblick
Stand der Dinge: Bis um sechs Uhr heute Morgen sei die Aktion von Seiten der Universität toleriert, dennoch aber als Hausfriedensbruch gewertet worden, mahnt Robers. „Prof. Nelles ist auch zu keinen weiteren Verhandlungen mit den Besetzern bereit“, so sagte er deutlich. Auf Anfrage bestätigte Polizeisprecher Klaus Laackman, dass sich die die Polizei derzeit einen Überblick über die Lage verschaffe und mit der Stabstelle der Universität in Kontakt stehe. „Zur Zeit liegt noch kein Strafantrag vor“, so Laackman.
Rederecht vor den Schülern
Vor Ort machten die Besetzer gegenüber den referierenden Professoren Eines ganz deutlich: „Uns gehört zurzeit der Raum“. So forderten sie zu Beginn der jeweiligen Vorträge vor den Schülern beim Hochschultag, ihre Beweggründe erläutern können. Nach verschiedenen Diskussionen wurde ihnen das gewährt.
Viele haben keine Meinung
Von Seiten der Besucher ist die Reaktion eher verhalten: Viele haben keine Meinung zu dem Protest, oder sie bezweifeln den Nutzen. Auch unter den Studierenden gehen die Ansichten auseinander.
Die Beteiligten sehen sie durchweg positiv, andere auch durchaus kritisch. „So etwas wirft ein schlechtes Licht auf die Hochschule“, gibt eine der befragten Studenten zu bedenken. Kristina Peters, Rätin für Publikationen bei der Fachschaft Jura, bedauert einerseits die Vorgehensweise, andererseits sei grundsätzlich mehr Engagement von Seiten der Studierenden wünschenswert.
"Ausgang offen"
Das weitere Procedere sieht Universitäts-Sprecher Norbert Robers „absolut offen“. Es werde heute Abend allerdings Beratungen mit der Rektorin geben, bei denen nach Lösungen gesucht werde.
Kerstin Sander
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