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Lotte-Coach gratuliert "einem Titelkandidaten"

Massimo Ornatelli jubelt nach dem 2:0-Treffer. Nicht nur durch das dritte Tor dieser Serie zeigte er, dass er unverzichbar ist beim SC Preußen. [Fotos: Sven Hänscheid]
Der SC Preußen hat sich, was die Fakten angeht, eine Aussicht erhalten, nicht mehr und nicht weniger. Die Aussicht, die Regionalligaspielzeit zu seinen Gunsten spannend zu machen. Und die Konkurrenz des bisher souveränen Ersten SF Lotte wird mit Genugtuung zu Kenntnis nehmen, dass es keine unschlagbare Mannschaft gibt.
Was beim 2:0 der Münsteraner aber auch bewiesen wurde: Diese Preußenelf kann Qualität abliefern, wenn sie gefordert ist. Sie müsste aber noch beweisen, dass sie konstanter als bisher den Anforderungen gerecht werden kann.
Warum es ein "Pflichtsieg" war
Trainer Roger Schmidt nannte den Dreier einen „Pflichtsieg“. Nicht wegen des mal eben wegzuputzen Gegners, sondern ob der Umstände und Zahlenkonstellationen. Es war die verdammte Pflicht der Preußen, sich selbst neues Leben einzuhauchen. „Bereitschaft, Wille, Entschlossenheit – alles war da“, so Schmidt, der konstatierte, „dass wir uns erst freischwimmen mussten in dieser Partie.“
In beiden Bereichen Vorteile
Es gelang dem Kollektiv „kämpferisch hervorragend und spielerisch besser“ als der Gegner, wie Schmidt werten durfte. „Das ist auch Fußball – Leverkusen hier und Lotte heute“, fühlte der Paderborner krasse Unterschiede. „So ein Sieg gegen den Ersten ist etwas Besonderes. So ein Tag muss die Spieler fast noch sauer machen, wenn sie an Leverkusen denken.“
Stimmt der Rahmen, dann ist Münster da. Demnächst im Gladbacher Grenzlandstadion dürfte es wieder etwas weniger atmosphärisch zugehen. „Wir müssen diese Leistung bis zum Winter abrufen. Und den Abstand weiter verringern.“ Jedenfalls hat das 2:0 die Spitze enger zusammen geschoben. Saarbrücken und Bochum liegen auf Tuchfühlung mit Lotte.

Knapp über 5000 Besucher hatte das Spiel, mehr als je zuvor in dieser Serie. Auch wegen der neuen Einlasskontrollen war nicht jeder pünktlich an seinem Platz.
Bakalorz: „Superspieler“ gestoppt
Zitieren wir mal den Premieren-Mann zuerst. Marvin Bakalorz, der erstmals in der Startformation stand und als „Sechser“ sich stetig zu steigern vermochte, fand: „Lotte hat Superspiele, keine Frage. Aber wir haben gegenhalten können. Das ist die Elf wohl nicht gewöhnt.“
Jens Wissing, defensiv nahezu fehlerfrei und im Duett mit Marc Lorenz auch offensiv besser, sah Münster „zuerst nervös. Aber es wurde schnell besser, wir haben uns mit Leidenschaft und Kampf in Spiel gebissen.“ Von einem Endspiel habe vorab niemand gesprochen. „Aber wir wussten ja, dass wir unbedingt vermeiden mussten, dass Lotte auf zwölf Punkte wegzieht.“
Mehmet Kara gab Komplimente, die er ob seiner vielen starken Szenen erhielt, gleich weiter. „Das Team hat Lob verdient. Wir haben uns gut eingestellt auf Lotte, das gerne mit langen Bällen agiert, die verlängert werden.“ Seinen festen Platz im zentralen offensiven Mittelfeld hat er inzwischen gefunden, hier agiert er auf den Gegner zulaufend am wirkungsvollsten. „Ja, das liegt mir besser!“
Zweiter Unglücksrabe neben Rino Capretti, dem erneut Rückenbeschwerden derart zusetzten, dass er passen musste, wurde Michael Erzen. Im Training rackerte sich der Nimmermüde in den Blickpunkt, gegen Lotte durfte er sich kaum akklimatisieren. Marcus Fischer traf ihn am Knie, im rechten Gelenk ist ein Innenband gerissen. Erzen steht für Wochen außen vor. „Das passiert
eben, wenn man keinen Zweikampf scheut“, beschrieb er gefasst das Berufsrisiko.
Walpurgis gratuliert einem Titelkandidaten
Lottes Trainer Maik Walpurgis (Foto) trifft auch in der Niederlage den richtigen Ton. Er gratulierte den Preußen, sprach von „Situationen, in denen Münster konsequenter war“ und sah nach dem zweiten Tor „einen sehr souveränen Gegner.“ Lotte habe mit Ausnahme der Startphase „nicht den Fußball gespielt, der uns stark macht.“ Nur bei der Chance von Fischer, dessen Kopfballaufsetzer Keeper Buchholz ans Gestänge lenkte, habe die Chance zur Wende bestanden.
Niemand niedergeschlagen
Trotzdem war Walpurgis wenig niedergeschlagen. „Für die Serie habe ich der Elf ein Riesenkompliment ausgesprochen. Wir müssen jetzt unsere Lehren aus diesem Spiel ziehen.“ Man habe „bei einem Titelkandidaten“ verloren, nichts anderes sei passiert. Seine Elf nennt Walpurgis nicht so. „Wir sind auf einem guten Weg, ja. Aber wir waren im Vorjahr ein Abstiegskandidat, wir sind nicht plötzlich ein etablierter Titelaspirant. Wir müssen hier sehr viel arbeiten und letzte Reserven mobilisieren.“
Erst am 26. oder 27. Spieltag werde sich weisen, wer oben wirklich etwas zu sagen habe. „Sind wir dann dabei, haben wir einen überragenden Job gemacht. Wenn nicht, wäre das normal für Lotte.“
Thomas Austermann
Dienstag nächster Woche tritt der SCP in Bergkamen-Rünthe um 19 Uhr zu einem Fußballtestspiel gegen den Drittligisten und vormaligen Ligakonkurrenten Borussia Dortmund II an. Am spielfreien Wochenende will Münster am liebsten einen nächsten Test austragen.
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