Protestzug gegen befürchtete Abschiebung von 302 Roma

Etwa 400 Menschen protestierten heute gegen die befürchtete Abschiebung von Roma in den Kosovo. [Fotos: Sander]
Begleitet von traditionellen, melancholischen Melodien zogen heute (Samstag) etwa 400 Menschen vom Hauptbahnhof aus durch die Innenstadt. Ihre unmissverständliche Forderung: "SOS – Keine Abschiebung von Roma in den Kosovo".
Die Demonstranten protestierten gegen die Abschiebung der in Münster lebenden geduldeten Roma, die seit dem Rückübernahmeabkommen zwischen der Bundesrepublik und dem Kosovo in diesem Jahr greifbar nahe ist. In dieser Übereinkunft sichert der Kosovo die Wiederaufnahme aller Flüchtlinge zu. Davon sind in der Bundesrepublik circa 10.000 Menschen betroffen.
302 Betroffene in Münster
„Heute wollen wir für die 302 Betroffenen aus Münster Flagge zeigen“, erklärte Volker Maria Hügel, Rechtsreferent der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender (GGUA). Und den Druck auf die Innenministerkonferenz Anfang Dezember in Bremen erhöhen. Es solle erreicht werden, dass über die drohende Abschiebung neu diskutiert wird.
Das Bleiberecht auf Probe habe es schon auf die Tagesordnung der Konferenz geschafft. „Es muss endlich eine eindeutige Regelung für diese Menschen getroffen werden, aber ihr Bleiberecht wird wohl wieder nur um ein Jahr verlängert und damit die Entscheidung hinausgeschoben“, sagte Hügel resignierend.
Leben auf gepackten Koffern
Für die geduldeten Roma hieß es, wie in den vergangenen Jahren schon, auf gepackten Koffern zu sitzen. „Nichts anderes bedeutet das Wort Duldung“, sagte ein Betroffener. „Das ist ein Leben zwischen Baum und Borke.“ Ein Leben im Kosovo biete kaum Perspektiven für die Flüchtlinge, da sie dort immer noch Diskriminierungen ausgesetzt seien. „Auch für den Kosovo selber ist diese Vereinbarung schwierig zu handhaben, da das Land sich immer noch im Aufbau befindet. Das Land hat dem Abkommen nur zugestimmt, weil es immer noch auf EU-Gelder angewiesen ist sind.“
"Ihre Heimat ist jetzt hier"
Einen anderen Aspekt der Flüchtungspolitik sehe er skeptisch. „Wie kann es sein, dass erst seit August 2005 die Schulpflicht für Flüchtlingskinder gilt“, gab er zu Bedenken. Es hätte in dieser Richtung schon wesentlich früher etwas geschehen müssen. So könne Integration nicht funktionieren.
Der CDU-Politiker Richard Michael Halberstadt ergänzte: „Kinder, die hier aufgewachsen sind, sollen auch hier bleiben“. Deutschland sei jetzt ihre Heimat.
Kerstin Sander
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