3200 nahe dran an den Stars: Brand-Handballer steigern sich zum Sieg

Kreisläufer und Newcomer Patrick Wiencek hatte es schwer in Berg Fidel, zumal Boris Puchowskij (r.) auch noch drückt gegen den Essener. [Fotos: Austermann]
30 Handball-Asse spielen in diese Woche unter den Augen von Heiner Brand. Der Bundestrainer setzte die Hälfte davon am Abend in der ausverkauften Halle Berg Fidel im Testspiel der A-Nationalmannschaft ein. Mit 28:20 (14:10) setzte sich Deutschland gegen Weißrussland durch und möchte das alles am Mittwoch in Hamm bestätigen.
In Münster genossen 3200 Fans – die Halle war binnen drei Tagen ausverkauft – die Nähe zu den Stars.
Und die ließen sich nicht drei Mal bitten nach Abpfiff, als die Ordner vergeblich versuchten, die Fans nicht auf Feld zu lassen. Keeper Johannes Bitter und Holer Glandorf hielten am längsten durch beim Autogrammeschreiben.
"Es hat den Leuten gefallen"
„Ich hatte den Eindruck, dass es den Leuten gefallen hat“, lag Brand richtig nach seinem Ausflug in die Diaspora des schnellen Sports, der so viele Anhänger hat und in der Unistadt trotzdem nicht richtig zu Potte kommt. Etliche Helfer hatten Westfalia Kinderhaus und Sparta Münster entsandt, die im Auftrag des Sportamtes die diversen Jobs gerne erfüllten. Hinter der Bank der Gäste ragte einer heraus: Michael Mierzowski (Trainer Sparta II) war vor Ort der Betreuer der Weißrussen, die Juri Schewzow trainiert. Und der spricht deutsch.

Junge Gegenspieler zwingen DHB zur Arbeit
Die sehr junge Gästemannschaft, deren Altersschnitt Schewzow auf „21 oder 22“ bezifferte, ließ den deutschen Mix schuften, bis das Spiel des klaren Favoriten flüssiger und durchschlagskräftiger wurde. „Wir haben den Sieg erarbeitet – und das sehe ich positiv“, so Brand (Foto oben). „Da hat man mal gesehen, was uns abverlangt wird, wenn ein vermeintlich nicht so guter Gegner uns dazu zwingt.“
Deutschland begann mit Lemgos Carsten Lichtlein im Tor – deutlich mehr Ausstrahlung und ein besseres Reaktionsvermögen hatte Hamburgs Bitter nach der Pause drauf. Und bekam Szenenapplaus.
Debütanten nutzen Chance
Brand warf auch zwei Neulinge ins Spiel: Benjamin Herth (Balingen-Weilstetten), Jahrgang ´85, und der kompakte Kreisläufer Patrick Wiencek, Jahrgang ´89, von Zweitligist TuSEM Essen gefielen in manchen Szenen. „Das Spiel hatte Schwankungen“, war dies für Brand normal bei so vielen Wechseln. „Die Jungs setzen die Dinge um, die umgesetzt werden müssen. Das gefällt mir.“ Manchen sei freilich vor Augen geführt worden, „dass sie noch nicht so stabil sind, um höchsten Ansprüchen zu genügen.“
Die blitzschnell hellwachen Weißrussen führten 4:2, ehe Deutschland über 4:4 erstmals in Führung ging. Wenngleich Glandorf noch ein paar Fahrkarte schoss, war doch Lars Kaufmann derjenige, der Rückraumwucht in Treffer umsetzte. Zehn Mann trafen insgesamt für den DHB-Tross, der sich in Halbzeit zwei mehr und mehr absetzte. „Wir sind diszipliniert gestartet, unser Torwart war bärenstark“, lobte Schewzow den Keeper Andrej Krainow. „In der großen Halle, die für viele Spieler Neuland bedeutet, kamen in der zweiten Halbzeit technische Fehler und Nervosität auf.“

Nicht aus der Ruhe zu bringen - weder von den Würfen des Gegners noch von den Wünschen der Autogrammjäger: Deutschlands Keeper Johannes Bitter.
Roggisch hält den Laden dicht
In der Abwehr stand Deutschland immer besser, was meistens dem 2,02 m langen Defensivchef Oliver Roggisch zu danken ist. Offensiv gewann die Auswahl auch an Kombinationssicherheit, was häufig zu Anspielen an den Kreis führte und Magdeburgs Christoph Theuerkauf sowie eben Wiencek Szenen besorgte. Zwischendurch durfte mit Aleksej Kischou der zweite Gästekeeper zwei Kurze parieren, womit er den Rückstand nicht ausufern ließ.
Spielmacher Michael Kraus fällt ja derzeit verletzt aus. Martin Strobel (Lemgo) sprang am Dienstag in die Spielmacherrolle und brauchte Anlaufzeit. Zur Europameisterschaft nach Österreich dürfen nur 16 Mann. Mitte Dezember muss Brand seinen vorläufigen Kader, der 28 Namen umfassen darf, verkünden. Bis zum ersten Match in Österreich fallen dann weitere durchs Sieb.
Thomas Austermann
Tore für Deutschland: Kaufmann (5), Glandorf, Jansen, Schröder (alle 4), Theuerkauf (3), Kneer, Herth, Strobel (alle 2), Klein, Wiencek (beide 1)
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