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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Festredner Töpfer erinnert beim Neujahrsempfang an Papst-Worte: "Willst du den Frieden fördern, bewahre die Schöpfung"

Porträt: Prof. Dr. Klaus Töpfer

Er beeindruckte die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt im Festsaal des Rathauses mit einer markanten Rede: Prof. Dr. Klaus Töpfer, der ehemalige Bundesumweltminister. [Foto: Halberscheidt]

[10.01.2010 | Münster | HDT]

Draußen tobte ungemütliches Schneegestöber, doch drinnen, auf den Fluren des Rathauses, herrschte geradezu lockere Atmosphäre: Trotz des schlechten Wetters waren zahlreiche Münsteraner der Einladung von OB Markus Lewe zum Neujahrsempfang gefolgt - darunter Vertreter aus Politik und Verwaltung, aus Unternehmen, Kirche, Kultur, Wissenschaft.

Hochrangige Repräsentanten der Streitkräfte, der Bundeswehr, der Polizei, der Gewerkschaften, der Kammern, Mitglieder von Vereinen und Verbänden - sie alle nutzten am zweiten Januar-Sonntag die Gelegenheit, um zwanglos miteinander zu plaudern - dabei bestens unterhalten von den flotten Klängen des Salonorchesters der Westfälischen Schule für Musik. Der Hausherr wiederum stand zu Beginn der Veranstaltung an der Seite von Ehefrau Maria und Protokollchefin Ursula Suer im Eingang des Festsaals, begrüßte etliche Besucher mit Handschlag, wünschte sodann Glück, Gesundheit, obendrein Erfolg bei persönlichen Vorhaben.

Rekordverdächtige Kulisse

Weit über 800 Anmeldungen verzeichnete OB Markus Lewe, der Hausherr, für den Neujahrsempfang der Stadt 2010. So standen die Zuhörer im Festsaal des Rathauses dichtgedrängt. 

Eine insgesamt rekordverdächtige Kulisse, wie Lewe, sichtlich erfreut über die große Resonanz, in den Eröffnungsworten betonte: „Über 800 Anmeldungen, so viel wie noch nie“ - wohl zurückzuführen auf den Bekanntheitsgrad des Ehrengastes: So war es gelungen, Prof. Dr. Klaus Töpfer, den früheren Bundesumweltminister, als Festredner zu gewinnen.

Seite an Seite mit Ehefrau Maria (2.v.r., im Hintergrund Protokollchefin Ursula Suer) begrüßte Oberbürgermeister Markus Lewe die Gäste, wünschte ihnen für 2010 Glück, Gesundheit sowie persönlichen Erfolg. Foto: Halberscheidt

Jemand, der sich vor Ort hervorragend auskennt: An der Westfälischen-Wilhelms-Universität absolvierte er einst das Studium, war hernach wissenschaftlicher Assistent am Zentralinstitut für Raumforschung und Landesplanung, schaute auch später noch gern für gelegentliche Stippvisiten vorbei.  

Ohne ihm vorzugreifen, machte Lewe (s. Foto rechts) anfangs seinerseits deutlich, wie sehr es – mit Blick auf die von der Wirtschafts- und Finanzflaute geprägten Ereignisse in 2009 –  darauf ankomme, „sorgsam mit unserem Hab und Gut, aber auch mit den Werten unserer Gesellschaft“ umzugehen. Glücklicherweise sei dies den Bürgern seit langem bewusst, sie würden aktiv mitgestalten, ihre Verantwortung ernst nehmen – Engagement, das künftig noch stärker unterstützt werde. Viele Themenfelder wolle man, „mit aktiver Beteiligung“ offen diskutieren, beispielsweise die Vorbereitung des nächsten Haushalts.

Ausbeutung der Natur stoppen

Die Stadt, argumentierte der Christdemokrat, sei ein junges, modernes Gemeinwesen voller Zukunftspotenzial, erhalte sogar mitten in der Krise hervorragende Noten in aktuellen Rankings. Und obwohl  Münster die „Boomtown“ Hamburg überhole, gelte es perspektivisch  ein Wachstum zu unterstützen, „das sich selbst rechtfertigen kann“ – eben eins, „für das wir uns den Enkeln gegenüber nicht schämen müssen“.

Damit hatte er Töpfer die passende Vorgabe geliefert. Der erinnerte in  bemerkenswerten Ausführungen – mal engagiert, mal launig - an den markanten Leitspruch von Papst Benedikt XVI: „Willst du den Frieden fördern, bewahre die Schöpfung“. Umso mehr gelte es, einerseits "die Kluft zwischen arm und reich“ zu verringern, andererseits Ausbeutung und Zerstörung der Natur zu stoppen. Dringend müsse für das ökologische System der Bündnispakt her. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen sei vor diesem Hintergrund  als „vertane Chance“ zu werten.

Soziale Stabilitäten

Um den Prozess einer nachhaltigen Entwicklung voran zu bringen, habe jeder Einzelne seinen Beitrag zu leisten. Und an die Adresse der Kommunen gerichtet, forderte er dazu auf, in soziale Stabilitäten zu investieren. „Das, was sie sparen, fehlt letztlich den Schwachen." Auch dürfe sich eine Stadtgesellschaft nicht vom „Diktat der Kurzfristigkeit“ bestimmen lassen.   

Das Salonorchester Münster der Westfälischen Schule für Musik sorgte während der rund zweistündigen Veranstaltung für die unterhaltsamen Klänge. 

Das Auditorium reagierte mit langanhaltendem Applaus. Zum Dank händigte Lewe ein Faksimile jener geschichsträchtigen Verhandlungsergebnisse aus, die anno 1648 im Friedenssaal erzielt worden waren. Dort, an historischer Stätte, hatte Töpfer zuvor den Ehrentrunk aus dem Goldenen Hahn kredenzt bekommen - verbunden mit der Unterschrift im Goldenen Buch: "Schön", meinte er, "wieder hier zu sein."

Wolfgang Halberscheidt

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