Liebe: Wie junge Illustratoren verschiedener Länder das Gefühl ausdrücken

Lena Hesses Arbeit „Fred und Anabel" wird im Herbst 2010 erscheinen. [Fotos: PR]
Die Liebe ist in jedem Land zu Hause. Doch was genau stellen sich die Menschen in unterschiedlichen Kulturkreisen darunter vor? Dieser Frage widmete sich das inzwischen fünfte interkulturelle Projekt angehender Illustratoren der Fachhochschule Münster und der Duksung Women's University in Seoul.
Mit im Boot: Studierende der Nationalen Bulgarischen Kunstakademie in Sofia und erstmals der Bezalel Academy in Jerusalem. Sie alle, fast 100 an der Zahl, erarbeiteten parallel Illustrationen, die jeweils einen ganz eigenen Blick auf das Thema Liebe offenbaren - zu sehen bis zum 13. Februar in der Stadtbücherei Münster.
Renommierte Betreuer
Prof. Marcus Herrenberger vom Fachbereich Design betreute die deutsche Gruppe, Prof. Won Bok Rhie und Seung Min Kim die koreanische. Rhie hat an der Fachhochschule Münster 1984 sein Diplom als Illustrator abgelegt und ist seitdem in jedem Jahr in seiner zweiten Heimat zu Besuch. In Korea ist er der wohl renommierteste Comic-Zeichner mit eigenen wöchentlichen Sendeplätzen in Funk und Fernsehen. Den bulgarischen Studierenden (Arbeitsbeispiel rechts) stand Prof. Regina Dalkalacheva zur Seite, die israelischen wurden von Orit Bergmann angeleitet.
Neues Projekt "Liebe"
Liebe - auch bei diesem Thema unterscheiden sich die Kulturen, ähnlich wie bei den vorangegangenen Projekten, die sich mit „Familiengeschichten", „Fremde, Reisen, Migration" und „Märchen aus aller Welt" beschäftigten.
Unterschiede
„Die münsterschen Arbeiten, vor allem die Kinderbücher, sind im Wesentlichen von Liebes-Romantik geprägt, anders als bei den koreanischen Geschichten aber durchaus auch von Ambivalenzen, der vorübergehenden Trennung, der Sehnsucht", beschreibt Herrenberger die Exponate seiner Studierenden. Die israelischen Studierenden (Beispiel links) illustrieren Geschichten von Autoren ihres Landes. In der Arbeit der bulgarischen Studierenden stünde oft die Gestaltung im Vordergrund.
Story prägt die Arbeit
In den Comics werde die Ambivalenz deutlicher: einseitige, nicht erwiderte Liebe, die ganze Kompliziertheit erst kontroverser, sich dann ins Gegenteil wendender Beziehung. Comics ließen sich so nur unter den deutschen Teilnehmern finden. Auffallend sei, dass diese generell mehr erzählen, die Story die Arbeit viel stärker prägt als bei den Arbeiten aus den drei anderen Ländern, so Herrenberger weiter. Einher gehe das mit der Neigung der Münsteraner zu einer Darstellungsweise eher im realistischen Spektrum.
Experimentell, stilisiert oder unkonventionell
Gestalterisch sind die Unterschiede nicht weniger groß. Herrenberger: „Die koreanische Illustration stilisiert sehr stark, die Figuren sind typisiert, weniger individuell gezeichnet." In Bulgarien gebe es keinen Kinderbuchmarkt wie in Deutschland, was die Publikation der Arbeiten so gut wie ausschließe, aber zu ganz anderen Freiheiten anrege. Die Beiträge aus Bulgarien seien die experimentellsten, die gewagtesten: Viele der Arbeiten sind dreidimensionale Buchobjekte, unkonventionell und mutig.
Ausstellungen mit Folgen

Seasaem Park, "Treasurer Room", Duksung Women´s University, Seoul
Die meisten Münsteraner Teilnehmer an den Kooperationen arbeiten heute als Illustratoren. So sind aus den „Familiengeschichten" vier Bücher veröffentlicht. Für ein Buch aus dem aktuellen Durchgang gibt es bereits eine Zusage von einem Verlag. Lena Hesses „Fred und Anabel" erscheint zum Herbst 2010 im Kinderbuchverlag Wolff. Auch die Ausstellungen vorheriger Projekte fanden Niederschlag: Der koreanischer Verlag Steiner Editors vergibt mittlerweile regelmäßig Aufträge an Studierende und Absolventen des münsterschen Fachbereichs.
Austausch zwischen den Hochschulen
Teil des interkulturellen Programms ist auch ein Studierendenaustausch. Zwei Studentinnen aus Münster haben gerade das Wintersemester in Seoul abgeschlossen. Im Juni kommen Koreanerinnen aus Seoul nach Münster, im Sommersemester werden wieder Münsteraner an der Duksung Women‘s University studieren. Und eine jüngst vereinbarte Partnerschaft zwischen der Fachhochschule und der Bezalel Academy in Jerusalem verspricht zusätzliche interkulturelle Erfahrungen.
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