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Überleben ist alles
Hallo Leute, schön dass Ihr da seid!
Am vergangenen Donnerstagabend um 22.45 Uhr war es wieder soweit: die wohl eintausendste Wiederholung des Gefängnisdramas Lock Up-Überleben ist alles, auf Vox. Mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle. Jetzt wird der/die eine oder andere sagen:
„Oh, oh, Sylvester Stallone, da stehe ich ja überhaupt nicht drauf!“ Ich muss euch sagen: es gibt sie zuhauf (inklusive meiner Gemahlin), diese Stallone-Verächter, die beginnen an meinem Verstand zu zweifeln, wenn ich offen zugebe, mal wieder einen Streifen mit Sylvester gesehen zu haben, sei es nun Rambo oder Rocky jeweils I bis IV, Cliffhanger oder welches Stück Filmgeschichte auch immer. Und wenn ich dann noch zugebe, dass ich den jetzt schon zum dritten Mal sehe:
„Mann oh Mann, das geht ja gar nicht!“
Am Donnerstag also "Lock Up", und das zum siebenten oder achten Mal. Mindestens! Ich will Euch erklären warum. Hier in aller Kürze der Inhalt:
„Nur noch sechs Monate muss Frank Leone absitzen, doch plötzlich wird er in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis Gateway verlegt und es wird brenzlig für ihn, denn Direktor Drumgoole (Donald Sutherland) hat noch eine Rechnung mit Frank offen. Der quält ihn bis auf’s Blut. Als er sogar droht Franks Freundin vergewaltigen zu lassen, dreht der Gefangene durch.“
Mit unserer Schülerband spielten wir in den 60ern die Hits dieser Jahre rauf und runter: Beatles, Hollies, Bee Gees und so weiter und so weiter. Ihr erinnert Euch sicher: da waren Gitarren, Bässe und Schlagzeuge angesagt. Alle anderen Instrument folgten unter „ferner liefen“. Blasinstrumente waren bei Richi und mir völlig verpönt, unvorstellbar, jemals mit Trompeten, Saxofonen oder Klarinetten (geschweige denn einer Tuba) eine Bühne zu betreten. Nun begab es sich im Jahre 1972, dass unsere Band „Hi You There“ ein paar Auftritte gemeinsam mit der Recklinghausener Beatband „The Rangers“ in einem internationalen Jugendcamp in Rovinj im ehemaligen Jugoslawien hatten.
Beim ersten dieser Konzerte, draußen am Meer auf der Strandpromenade, hatten wir Schlagzeug, Gitarren und Bassverstärker aufgebaut, etwa 50 Lüdenscheider Fans warteten gespannt auf ihre Hi You There. Vor unserem Auftritt waren da aber noch die Rangers an der Reihe. Und wir, Richi, Peterchen und ich, waren siegesgewiss, absolut sicher, dass wir die beste Schülerband der Welt bleiben würden, denn die Recklinghausener packten neben den richtigen auch noch die von uns so verachteten Rum-ta-ta-Instrumente Trompete, Saxofon und Posaune aus.
Aber dann! Wie ein Blitz aus heiterem Himmel, kam der Moment, der unser Leben verändern sollte, schlagartig, radikal: die Rangers spielten ihr erstes Stück. „Vehicle“ der US- amerikanischen Band „Ides of March“. Wir waren elektrisiert, vom ersten Ton an war uns armen Würstchen klar: von Stund an und vermutlich bis ans Ende unserer Tage, würden auch wir mit Bläsern auf die Bühne gehen. Zurück aus Jugoslawien erstanden wir in einem Dortmunder Musikgeschäft Richis erstes Saxofon und am gleichen Abend spielten Almuth und Heiko ein Hochzeitsständchen: „Vehicle“.
Jetzt wollt Ihr wissen, was das mit „Lock Up-Überleben ist alles“ und Sylvester Stallone zu tun hat?
Ganz einfach: Frank Leone alias Sylvester bekommt in der Werkstatt des oben erwähnten Gateway die Gelegenheit, gemeinsam mit ein paar Mithäftlingen ein altes Auto zu restaurieren. Regisseur John Flynn nimmt sich genau 3 Minuten und 36 Sekunden Zeit dazu: und während in diesen Minuten die "Ides of March" dieses unglaubliche „Vehicle“ spielen, legen die Knastbrüder aus Gateway Hand an eine alte Rostlaube und hauchen ihr neues Leben ein: ein roter 1965er Ford Mustang wird wiedergeboren. Wow!!
Und immer, wirklich immer, wenn dieser Streifen auf einem der zahlreichen über Satellit zu erreichenden Kanäle zu sehen ist, schalte ich mit einem Glas Roten in der Hand ein, warte auf diese Szene, träume von der Strandpromenade in Rovinj, den Rangers, den Ides of March, Almuths Hochzeit und von Trompeten, Posaunen und Saxofonen. Danach ist Schlafenszeit.
Am Donnerstag um 19 Uhr 15 spielt die Bigband der Uni Münster unter Richis Leitung im Schloss. Besetzung: nur ein Schlagzeug, nur eine Gitarre und nur ein Klavier. Aber 4 Trompeten, vier Posaunen und sage und schreibe 5 Saxofone! Wow – Überleben ist alles!
Macht’s Bässer, Euer Gerd
Oh pardon, ich vergaß: Ein BASS ist natürlich auch dabei!
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