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echo-Serie über studierende Spitzensportler: Esther Doetsch orientiert sich laufend

Im Kartenlesen geschult: Esther Doetsch, Orientierungsläuferin aus dem deutschen B-Kader und Medizinstudentin an der WWU. [Fotos (2): Austermann]
Die Uni Münster ist beliebt. Tausende junger Menschen zieht es Semester für Semester in die Domstadt. Einige kommen, weil sie hier zwei Talente unter einen Hut bringen wollen – begabte Athleten nämlich, die ihren Leistungssport mit dem Studium vereinbaren.
In einer Serie stellt echo-muenster junge Menschen vor, die an der „Partneruniversität des Spitzensports“ immatrikuliert sind.
Heute: Esther Doetsch, 21 Jahre junge Orientierungsläuferin aus Hessen, deutsche B-Kaderathletin und Medizinstudentin.
Am Aasee wird man sie nicht treffen, Esther Doetsch trainiert querbeet am Rande der Stadt. Sie ist herzlich wenig empfindlich und eh seit Jahren bestens geschult darin, auf verschiedenen Böden Halt zu finden. Normale Wege sind nicht ihr Terrain. OL kürzeln die Experten ihre Sportart ab, die Orientierungsläufer sind in Deutschland nicht im Leichtathletik-Dachverband organisiert, sondern im Deutschen Turner-Bund.
Mit Karte und Kompass
Wer deshalb meint, die Breitensportschublade aufziehen zu müssen, um darin alle OL-Anhänger abzulegen, der irrt. Rund 1000 sind Jahr für Jahr bei Deutschen Meisterschaften am Start. Esther Doetsch, geboren in Frankfurt/Main und gemeinsam mit vier Brüdern in Dietzenbach aufgewachsen, betreibt Leistungssport auf hohem Niveau. Auch in Münster seit Studienbeginn in 2009. In der Stadt des Marathonlaufs findet sie kaum Gleichgesinnte, daher schloss sie sich Adler Bottrop an.
„Der Sport ist sehr speziell, den betreibt man besten mit Menschen, die genauso ticken wie man selbst“, beschreibt sie im Gespräch mit echo-muenster. „Ganz ehrlich: Ein Straßenlauf langweilt mich schnell.“

Im Wettkampf wird ein Orientierungsläufer schon mal in irgendeiner Stadt auf die Strecke gelassen, meistens aber geht es durch Wälder. Ein Sprintwettkampf ist in 15 Minuten erledigt, über die Mitteldistanz geht es in rund einer halben Stunde, die Langdistanz fordert Power und Klugheit für bis zu 100 Minuten. Am Startpunkt gibt es eine Karte in die Hand, an deren Daumen ein Kompass steckt (Foto), am Daumen der anderen Hand findet sich ein Chip für die Zeitkontrolle. Die Distanzlänge ist im OL nicht so wichtig – diese Athleten schätzen anspruchsvolle Aufgaben. Für Körper und Geist.
Laufen mit Köpfchen
„Laufen mit Köpfchen“ beschreibt Esther Doetsch diese Leidenschaft, die Durchblick erfordert auch dann „wenn man im Kopf schon grau wird“ vor lauter Anstrengung. Während des Laufs von Kontrollposten und Kontrollposten liest sie die Karte, die exakt die Gegebenheiten festhält, jeden Stein und jeden Bach - und ihr die Freiheit lässt, den eigenen Weg zu finden bis zur
aufgemalten Zeiterfassungsstation. Kartenlesen muss gelernt sein, ohne diese Tugend geht nichts. „Es geht um die blitzschnelle Informationsverarbeitung, um den Plan im Kopf und dessen Umsetzung. Man ist ständig gefordert.“
Die Denksportler sind in Spezialschuhen unterwegs, eine Dobbspike-Sohle (Gumminocken mit Stahlstiften) garantiert festen Tritt. OL-Freunde sind freilich unterwegs alles andere als rigorose Plattmacher. Draußen in der Natur fühlen sie sich stark der Umwelt verpflichtet. In Schweden, einer Hochburg dieser Sportart, starten schon mal tausende Athleten in den Wettkampf - vor dem Start wird sanft dafür gesorgt, dass die Tiere das Waldstück vorübergehend verlassen. „Wenn wir weg sind, soll alles so wie vorher sein“, fühlt sich auch Esther Doetsch dem Respekt vor der Natur verpflichtet.
Zwei Weltmeisterschaften
Mehr als zehn Länder hat die 1,80 m große Athletin schon des Sports wegen bereist. Die Szene trifft sich ab einem bestimmten Niveau immer wieder. Mehrmals war sie bei Junioren-Weltmeisterschaften dabei, im Juli 2010 soll es zu Studenten-WM ins schwedische Borlänge gehen und im August zur WM nach Trondheim/Norwegen.
Ein happiges Programm also. Nun lässt das Medizinstudium wenige Freiräume, der Wochenplan ist voll und muss abgearbeitet werden. „Ich suche noch das verträgliche Maß zwischen Sport und Uni, irgendwann kommen die Prüfungen. Und die sind dann der Knackpunkt.“
Sprich: Dann kommt`s darauf an, ob das WWU-Prädikat konkret umgesetzt werden kann. Bei Esther Doetsch, dieser hellwachen Problemlöserin, muss man einfach annehmen, dass sie ihren Weg finden wird.
Thomas Austermann
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