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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Ob Alkohol glücklich macht?

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[20.02.2010 | brachtvoll]

Hallo liebe Leute, schön dass Ihr da seid!

Wir sind gerade von unserer Karnevalsflucht, unserem Skiurlaub, zurück in Münster und ich möchte Euch berichten, wie die Montagsabendglühweinparty verlief. Sollte Euch die Geschichte bekannt vorkommen, dann liegt das entweder daran, dass Ihr sie so oder so ähnlich selbst schon erlebt habt, oder Ihr habt davon in unserem „Tödlichen Solo“ gelesen.

Normalerweise weiß man ja nie, wie ein Konzert verläuft, irgendwie ist es jedes Mal anders. Auch unsere Minikonzerte im eiskalten Skiraum der Schilcherhütte am Krippenstein sind jedes Mal ein wenig unterschiedlich. Aber eben nur ein wenig.
Die Band: Zwölfsaitenyogi, Richi und meine Wenigkeit, alle mit Gitarren bewaffnet. Wir saßen auf einem Tisch, etwas erhöht, wie es sich für eine Band gehört und schmetterten unsere Lieder unter die nach Glühwein und Musik lechzenden Anwesenden. Richi stand plötzlich auf dem Tisch und rief:

„Was wollt ihr hören?“ Und als hätten sie es abgesprochen, riefen fast alle unisono:

„Alpenglühn! Alpenglühn!“

„Okay, ihr habt’s nicht anders gewollt!“, antwortete die Band und wir spielten das Zwillingelied, welches das Schicksal eines armen einsamen Bergbauern besingt, der von seiner Liebsten wegen eines schnöden Schallplattenproduzenten verlassen wird.

„Nun steigt Dein zarter Fuß zum letzten Mal den Pfad,
von der Alm ins tiefe Tal hinab,
sagst „Ade“ dem Fuchs, zum Auerhahn „bye, bye“,
gehst mit ihm fort von diesem Ort bleibst mir nicht treu!
Ein letzter Kuss auf der Berge weißer Höh’n,
ich weiß genau, ich werd dich nie mehr wieder sehn,
ich schau Dir nach, I see you walking down the street,
I’ve got a hammer, doch ich hämmer nicht damit!“

Die letzte Zeile dieser Strophe hatte es mir besonders angetan, die Anspielung auf den Song von Lee Hayes und Pete Seeger, der die Gruppe Peter, Paul & Mary über Nacht zu einer der bekanntesten Folkgruppen Amerikas machte. Sie schworen damals, wenn sie denn einen Hammer hätten, diesen für Gerechtigkeit, Frieden und vor allem die Liebe zwischen ihren Brüdern und Schwestern einzusetzen. In unserem Lied besaß der arme verlassene Almbauer zwar einen Hammer, geriet aber wegen der fehlenden Gelegenheit, diesen auch einsetzen zu können, an den Rand der Verzweiflung. Es folgte der Refrain, bei dem Zwölfsaitenyogi nur mit äußerster Mühe und Anstrengung die für das Lied erforderliche Tonhöhe erreichte und er mit vor Pein und Anstrengung verzerrtem Gesicht seine Stimmbänder bis fast zum Zerreißen forderte.

„So wie Schneeflocken, auf ihrem Weg zur Sonne,
beim Alpenglühn hast du mein Herz entfacht,
mein Herze brennt, ich steh im Qualm auf der Alm,
und nur der Südwind weht und Regen rinnt, wie Tränen in der Nacht...“

Tosender Applaus brandete auf, als die letzten Töne des Liedes verklangen, die heißen Glühweinbecher wurden hoch über den Köpfen geschwenkt und als einige der Skifahrer „Alkohol!“ riefen, fielen nach und nach alle ein.

„Alkohol, Alkohol, du bist mein Feind das weiß ich wohl!“ griffen wir unseren Hit aus dem Jahr 1995 auf.

„Schon in der Bibel steht geschrieben,
Du sollst auch Deine Feinde lieben!“

Zwölfsaitenyogi gab alles. Er schien kurz vor einem dramatischen medizinischen Zwischenfall zu stehen, sein Schmerz verzerrtes Gesicht legte die Vermutung nahe, dass ein Abgesandter des Leibhaftigen ihn von hinten mit glühenden Zangen an den Genitalien gepackt hatte, um ihn zum Aufgeben zu zwingen. Aber Yogi gab nicht auf, mit fest zusammengekniffenen Augen quetschte er sich die zahlreichen „Alkohol, Alkohol“ aus der gepeinigten Sängerlunge und schlug, wie Udo Lindenberg sagen würde, „wie ein vom Jenseits Geschickter“ auf seine Zwölfsaitige ein. Als er meinen sorgenvollen Blick wahrnahm, unterbrach er kurz sein Gitarrenspiel, seinen Gesang, griff sich den Glühweinbecher, schwang ihn hoch über sein Haupt und rief: „So jung kommen wir nicht mehr zusammen, zum Wohle!“

Mir fiel ein Stein vom Herzen, er war wohlauf. Für einen Moment war ich der festen Überzeugung, dass Alkohol glücklich macht.

Macht’s Bässer, Euer Gerd

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