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Neues Verfahren kann Darmkrebs heilen: Clemenshospital stellt hoffnungsvolle Therapie für Tumore im Bauchfell vor

Fachaustausch unter Kollegen: Prof. Dr. Udo Sulkowski (r.), erörtert mit Oberarzt Tim Wessels und Anästhesist Dr. Antonius Beermann das neue HIPEC-Verfahren. [Foto: Helm]
Neue Chancen im Kampf gegen den Krebs: Das Clemenshospital in Münster bietet ein neues Verfahren an, dass bei bestimmten schweren Verläufen, die meist zum Tode führten, eine Genesung von 40 bis 50 Prozent verspricht. Lediglich 30 andere Kliniken in Deutschland wenden diese Therapie namens HIPEC an.
Sie steht für Hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion und wird vorwiegend beim Befall des Bauchfells, insbesondere durch Darm- und Mastdarmkrebs, eingesetzt. Noch vor kurzem bekamen Patienten mit dieser Erkrankung die Diagnose „unheilbar“. Doch durch die HIPEC-Anwendung im Clemenshospital wurden bereits vier Betroffene gerettet.
Sechs- bis neunstündige Operation
„Die Therapie ist eine Mischung aus chirurgischem Eingriff, Chemotherapie und einer Stärkung des Immunsystems“, erklärt Prof. Dr. Udo Sulkowski, der Leiter des Darmzentrums. Das befallene Bauchfell wird in einer sechs- bis neunstündigen Operation entfernt. Danach erhitzt eine Maschine den Körper in Form von künstlichem Fieber auf 43 Grad und eine Chemotherapie-Lösung durchspült die Bauchhöhle. „Der Bauch füllt sich dann wie eine Badewanne“, erläutert der Chefarzt.
So werden nicht sichtbare Tumore ebenfalls abgetötet. Durch die Kombination der Hyperthermie mit einer vorherigen Entfernung erkrankter Bauchfellanteile dürfen die Patienten darauf hoffen, zu 40 bis 50 Prozent wieder gesund zu werden. Die ansonsten den Organismus belastenden Chemotherapien entfallen, das Immunsystem wird zudem noch stimuliert. Die Lebensqualität verbessert sich bereits nach sechs bis acht Wochen.
Allgemeinzustand
200 Fälle an Darmkrebs-Erkrankungen verzeichnet das münstersche Hospital im Jahr. Das hierfür eigens eingerichtete Fachzentrum der Klinik kooperiert seit einiger Zeit mit den Kollegen in Amsterdam: erste Erfolge wurden bereits erzielt.
Pro Monat werden ein bis zwei Patienten auf diese Weise im Haus am Duesbergweg behandelt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten komplett. „Aber nicht jeder Patient ist für dieses Verfahren geeignet“, betont Oberarzt Tim Wessels. „Es muss ein gewisser Allgemeinzustand gegeben sein, um eine erfolgreiche Prognose stellen zu können.“
Chronische Krankheit
In Amsterdam ist HIPEC schon zu einem Standard-Eingriff geworden. „Diese Therapie muss in Deutschland bekannter und in anderen Krankenhäusern integriert werden“, hebt Sulkowski hervor. Das Clemenshospital versucht in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken, beispielsweise in Regensburg, durch neue Studien HIPEC auch bei anderen Tumoren des Verdauungstrakts anzuwenden. „Unsere Vision ist es, dass Krebs nicht mehr eine tödliche, sondern eine chronische Krankheit wird“, unterstreicht der Experte.
Annika Helm
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