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Mit Musik gegen Misstrauen und Hass: Dirigent Daniel Barenboim erhält den Preis des Westfälischen Friedens 2010

Daniel Barenboim löst Kofi Annan ab - und trägt den Preis des Westfälischen Friedens 2010. [Foto: PD]
Daniel Barenboim ist Träger des Preises des Westfälischen Friedens 2010. Der weltbekannte Dirigent und Pianist argentinischer Abstammung mit israelischer, spanischer und palästinensischer Staatsangehörigkeit tritt damit die Nachfolge so bekannter Persönlichkeiten wie Václav Havel, erster Preisträger 1998, und Kofi Annan, letzter Preisträger 2008, an.
Barenboim teilt sich die Preissumme von 50.000 Euro mit dem von ihm gegründeten West-Eastern Divan-Orchestra, einem musikalischen Zusammenspiel aus jungen Musikern jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens.
Einstimmige Wahl
„Wir glauben mit dieser einstimmigen Wahl dem Gedanken des Friedenspreises sehr nahe gekommen zu sein, und den hohen Erwartungen einer Nachfolge Kofi Annans entsprochen zu haben.“ So gestern Dr. Reinhard Zinkann, erster Vorsitzender Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), die den Westfälischen Friedenspreis ausschreibt, auf einer Pressekonferenz in Münster. Zinkann sprach von einer besonderen Wahl, da zum ersten Mal der zwei geteilte Preis für ausgewählte Person und Jugendgruppe einer gemeinsamen Institution zugesprochen wird.
Verständnis fördern
Ziel des West-Eastern Divan-Ochestra ist es, das Verständnis von Israelis und Palästinensern zu fördern. Eine einmalige Institution, die – wie es Zinkann ausdrückte – nicht nur zusammen musisiert, sondern in wochenlangem Zusammenleben die politische Brisanz der Heimat ihrer Mitglieder in Israel und Palästina widerspiegelt und die Möglichkeit eines Neben- und Miteinander demonstriert. Ein Beispiel dafür, wie Misstrauen und Hass überwunden werden könnten. Mit Barenboim und dieser Musikergemeinschaft habe man eine hochpolitische und -kulturelle Wahl getroffen.
Feierliche Preisverleihung
Die feierliche Verleihung des Preises wird am 30. Oktober 2010 wieder im münsterschen Rathaus stattfinden. Die Terminierung gestaltete sich angesichts der vielseitigen Beschäftigung Barenboims nicht einfach. Mit dem 30. Oktober habe man schließlich eine Möglichkeit geschaffen, Barenboim zwischen seinen Tätigkeiten in Mailand und Berlin nach Münster zu locken. Die Ausstattung der Feierstunde ist zwar erst in groben Zügen erkennbar, dennoch sind sich die WWL-Veranwortlichen sicher, dass Barenboim selber und mit Teilen des jungen Orchesters den Rahmen mitgestalten wird. Über den Laudator hüllt man sich bei der WWL noch in Schweigen. Man könne am davon ausgehen, dass eine hochrangige Persönlichkeit aus dem politischen Leben die Aufgabe wahrnehmen wird, die Preisträger zu würdigen.
Ewiger, gesicherter Frieden
Mit dem Preis des Westfälischen Friedens soll die Erinnerung an die Leistungen der Gesandten während der Friedensverhandlungen in den Jahren vor 1648 in Münster und Osnabrück aufrechterhalten halten werden. Das Vertragswerk war beseelt durch den Traum vom ewigen, gesicherten Frieden über die Friedensstätten hinaus in ganz Europa und der Welt.
"Besondere Ehre"
Barenboim selbst hat die Nachricht von der Preisverleihung mit großer Freude aufgenommen: „Ich empfinde es als eine ganz besondere Ehre, dass das West-Eastern Divan Orchestra und ich den Friedenspreis gemeinsam erhalten,“ sagte der Künstler am Donnerstag am Rande einer Probe in Berlin. „Es sind schließlich vor allem diese jungen Musiker aus Israel, der arabischen Welt und aus Spanien, die mit ihrem persönlichen Engagement das Projekt vorantreiben. Anders als in Münster und Osnabrück seinerzeit sind wir im Nahen Osten heute leider sehr weit entfernt von einer friedlichen Lösung.“
Menschlicher Konflikt
Barenboim erklärt weiterhin: „Bevor es eine Einigung geben kann, muss man verstehen, dass der Nahostkonflikt kein Streitfall zwischen Nationen ist, sondern zwischen zwei Völkern, die beide der Überzeugung sind, das Recht zu haben, auf dem selben Stück Land zu leben. Der Konflikt ist kein militärischer oder politischer, sondern ein menschlicher. Deswegen verkörpern die Musiker, die im West-Eastern Divan Orchestra ungeachtet ihrer Herkunft zusammen leben und musizieren, eine Alternative zu den üblichen Denkstrukturen in der Region.“ Barenboim freue sich sehr darauf, im Oktober gemeinsam mit Mitgliedern des Orchesters den Preis in Münster entgegennehmen zu können.
Hans-Hinrich Timm
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