LVM plant kühnen Büroturm in Schräglage - Nachbarn fürchten Wind und Schatten

Gläsern, geneigt und groß: Der Büroturm links nach den Plänen von Prof. Duk-Kyu Ryan soll das LVM-Ensemble am Koldering komplettieren. [Plan: Duk-Kyu Ryan]
17 Etagen, 61 Meter hoch, dem 9 Meter höheren Nachbarturm sichtbar zugeneigt und in Höhe der elften Etage durch einen gläsernen Gang mit ihm verbunden – der LVM plant an der Weseler Straße einen kühnen, gläsernen Büroturm.
43 Millionen Euro will der prosperierende Versicherer in die Realisierung der spektakulären Pläne des renommierten koreanischen Architekten Prof. Duk-Kyu Ryan investieren. Dessen Handschrift tragen der Hauptbahnhof Leipzig, die VW-Arena in Wolfsburg und das Kölner Verlagshaus DuMont .
LVM: Eine Notwendigkeit
Der Neubau - eine Notwendigkeit. Das expandierende Unternehmen platzt trotz diverser Erweiterungsbauten in den vergangenen Jahrzehnten aus allen Nähten. Obwohl bereits 720 Mitarbeiter in Wechsel jeden zweiten Arbeitstag von zu Hause aus arbeiten, reicht die Bürofläche bald nicht mehr aus.
Im Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft stellte der Leiter der LVM-Immobilien-Abteilung, Herbert Paschant, das spektakuläre Vorhaben heute Abend (Donnerstag) vor.

Modell des LVM-Ensembles an der Ecke Weseler Straße/Koldering nebst Neubau (r.) an der Ecke von-Stauffenbergstraße. Foto: Frobusch
Platz für circa 350 Arbeitsplätze
Äußeres Zeichen für stetiges Wachstum auch in Krisenzeiten. Ein Neubau für etwa 350 neue Arbeitsplätze . Allein 2009 hat der LVM im Vertrieb 360 und im Innendienst 60 neue Arbeitsplätze geschaffen. Weitere werden folgen, prognostiziert Vorstandvorsitzender Robert Baresel und verweist auf ein sattes Plus von fünf Prozent bei den Beitragseinnahmen 2009. Aktuell haben 2500 Menschen ihren Arbeitsplatz am Koldering.
"Rote-Erde-Haus" muss weichen
Das gläserne Verwaltungegebäude, energie- und umwelttechnisch auf dem neuesten Stand konzipiert, soll auf dem LVM-eigenen Grundstück an der Ecke Koldering/von-Stauffenberg-Straße gen Himmel wachsen. Dort, wo zurzeit noch das „Rote-Erde-Haus“ aus den 60-er Jahren steht. Das wird abgerissen. Der Erweiterungsbau mit 150 Parkplätzen im Untergeschoss, einer Konferenzebene parterre sowie transparenten Büroetagen darüber wird „die Stadt architektonisch bereichern. Er stellt eine langfristige Kapitalanlage dar“, sagt LVM-Vorstand Jochen Herwig.
Keine Einwände aus der Politik
In der Rotunde im Stadthaus 3, wo der Ausschuss tagte, gab es keine Einwände gegen den neuen Akzent in der Stadt-Silhouette. Im Gegenteil. Die Kämmerin, hieß es, würde sich über mehr Nachrichten dieser Art aus der Wirtschaft freuen.
Um die Pläne realisieren zu können, bedarf es eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. In dem Zuge ist über Abstandsflächen, Schattenwurf und andere nachbarschaftliche Belange zu reden. „Wir werden das Gespräch mit den Anliegern suchen“, versprach Paschant.
Nachbarn haben Einwände
Da mussten er, andere LVM-Vertreter sowie der Architekt nicht weit gehen. Einige dieser Anlieger waren ins Stadthaus 3 gekommen. Später, nachdem der Ausschuss im Prinzip seine Zustimmung gegeben hatte, gaben sie vor der Tür einen kleinen Vorgeschmack auf die Einwände, die da kommen werden. „Vier Bauvorhaben in 20 Jahren“, rechnete ein Nachbar vor und zeigte deutlich, dass sich nicht jeder auf die zweijährige Großbaustelle (2011 bis 2013) und das Ergebnis freut.
"Schon ein ganzes Dorf vor der Nase"
„Bitte nicht noch ein Hochhaus“, winkte eine Anwohnerin ab. „Wir haben doch schon ein ganzes Dorf vor der Nase.“ Häuser, Gärten und Terrassen, die dann im Schatten liegen und eigenwillige Windgeräusche, das sind nur zwei Punkte, die gegen den Neubau ins Feld geführt wurden.
Wenn der Wind sägt...
Ganz zu schweigen von den Säge-Geräuschen, die der Wind seit Jahren am bestehenden Hochhaus fabriziert, und die den Nachbarn zum Beispiel an der von-Lüninck-Straße gehörig auf die Nerven gehen. Ein Problem, dem der LVM seit zwei Jahren beizukommen versucht. Bisher vergeblich. „Wird es beim Neubau auch so sein“, das fragten sich die Anrainer. Die Antworten bleiben abzuwarten.
Bruni Frobusch
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