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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Wenn Rüttgers Rocker wäre ...

Autor
[24.03.2010 | brachtvoll]

Wir schreiben das Jahr 1989. Richi und ich wollten unsere allererste Schallplatte aufnehmen, „Beide oder keinen – Die Zwillinge und die Blechgang“. Eine LP sollte es werden, aus Vinyl mit fünfen unserer Lieder (heute sagt man Songs) vorne und fünfen auf der Rückseite (Ihr erinnert Euch: zunächst die Vorderseite hören, dann sich erheben, vom Sofa aufstehen, und die Platte umdrehen um die zweite Seite zu hören).

So weit, so gut. Bei der Umsetzung unseres Projektes tauchten da natürlich auch bei uns all die Probleme auf, die immer auftauchen, wenn Musiker ihre Kunst konservieren möchten. Eine Band, die eigentlich nur musizieren möchte, rocken, jazzen, oder was auch immer, im Probenraum und auf irgendwelchen kleinen oder großen Bühnen dieser Welt, betritt da Neuland, zumindest beim ersten Mal. Das mit dem Musizieren, das konnten wir schon, aber bei all dem anderen, bei dem, was man sonst noch so erledigen muss: Stückeauswahl, GEMA, ein Studio finden, Geld auftreiben, um das Ganze auch bezahlen zu können, da waren wir absolute Anfänger.

Neben der Musik das Wichtigste: die Covergestaltung. Eines war ganz klar: wenn die Band „Die Zwillinge“ heißen sollte, dann sollten auch die zwei vorn auf dem Pappendeckel erscheinen. Nur wie? In voller Lebensgröße oder nur die „Schmiege“ (Masematte), wie der Münsteraner sagt? Nach einem durchdiskutierten Abend waren wir uns einig, es sollten nur die Köpfe zu sehen sein. Das war also schon mal geklärt, nur die Gesichter auf dem Cover. Wie aber sollten wir gucken? Was sollte das Bild (immerhin 30 cm x 30 cm) transportieren? Wir hatten keine Ahnung. So traf es sich gut, dass wir unseren guten Freund, den Rob aus Ibbenbürens Scheune, dabei hatten, der sich schnell bereit erklärte, uns auf die Sprünge zu helfen, als Produzent zu fungieren.

Auf die Frage „Wie sollen wir denn jetzt gucken,“ wusste Robbi die Antwort:

„Ganz klar: positiv-skeptisch.“

„Okay Robbi, wird gemacht!“

Na ja, und so kam es, dass Richi und ich versuchten, auf dem Cover unseres allerersten Vinylopus aus dem Jahr 1989 positiv-skeptisch in die Linse zu blicken. Ich glaube, es hat geklappt.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2010, 21 Jahre später. Ich sitze heute Morgen am Frühstückstisch und lese eines der Münsteraner Blättchen (richtig erkannt: neben „echo-muenster.de“ lese ich auch noch eine Papierzeitung). Und wie ich so lese, springt mir das Foto unseres nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten ins Auge. Und der lacht und strahlt. Ich weiß es nicht ganz genau, aber ich glaube, das tut er immer, wenn er einen Fotoapparat sieht. Er strahlt über alle Backen, ein Lachen eingemeißelt wie in Granit. Und ich denke: das kann doch nicht sein. Der hat doch gar keinen Grund zu lachen. Oder vielleicht doch? Ich versuche also der Sache weiter nachzugehen, hole mir die Lupe aus der Schublade im Arbeitszimmer zu Hilfe und untersuche diese „Schmiege“ (Masematte) genauer. Und siehe da, irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass die ministerpräsidialen Augen gar nicht so lachen wie der Rest dieses Gesichtes.

Und plötzlich fällt mir ein, was unsere Mutter Waltraud einmal gesagt hat:
„Mein lieber Junge, wenn du wissen willst, ob ein Lachen von innen kommt, oder ob jemand nur so tut als ob..., dann Junge sieh dir seine Augen an!“

Weil ich nun gerade die Lupe zur Hand habe, versuche ich auch Richis und meine Augen zu untersuchen und siehe da: ich bin mir fast sicher, trotz der positiven Skepsis ein dezent charmantes Lächeln in unseren Augen zu entdecken. Wenn ich mir nun vorstelle, dass der Herr Ministerpräsident gar nicht Ministerpräsident, sondern der Frontmann einer ultraharten Heavy-Metal- oder gar Death-Metal Band wäre, dann brauchte er weder zu lachen noch zu strahlen, nicht einmal positiv-skeptisch zu schauen. Er könnte in Leder gewandet mit langem, offenen, wehendem Haar am Bühnenrand stehen und seine Texte finster martialisch blickend ins vor Begeisterung schäumende Publikum schmettern. Vielleicht hätte er dann auch ein dezent charmantes Lächeln in den Augen. Schön wär’s.

Macht’s Bässer, Euer Gerd

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Am 7.7.2010 ist der Umzug in unser neues Zuhause echo-muenster.de (ohne www.) erfolgt. Auf vielfachen Wunsch bleiben die gesamten bisherigen Inhalte weiterhin hier erreichbar: