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Aktuell im Kino: Precious - Das Leben ist kostbar

Precious (Gabourey Sidibe) und Mutter (Mo´Nique) warten auf die Fürsorge. [Foto: Prokino Filmverleih]
Der Roman und die Romanverfilmung. Das ungeliebte Kind? Regisseur Lee Daniels liefert mit seinem grandiosen, erbarmungslosen Jugenddrama die Ausnahme von der Regel, dass Romanverfilmungen nie so gut sein können wie ihre Vorlage.
Darum geht´s: New York, Harlem, 1987. Precious ist eine übergewichtige Teenagerin, die vom Leben arg gebeutelt wird. Vom Vater vergewaltigt, von der Mutter misshandelt, flüchtet sich die 16-Jährige in Tagträume, die ein besseres Leben verheißen. Das ist allerdings weit entfernt. Obwohl schon in der neunten Klasse, kann das Mädchen weder lesen noch schreiben. Als Precious von der Schule zu fliegen droht, schließt sie sich einem alternativen Lehrprogramm an und stößt auf eine verständnisvolle Lehrerin. Die entdeckt das kreative Potenzial ihrer Schülerin.
Das sagt der Verleih: "Precious" ist ein Film mit einer schwarzen Seele und dem funky Sound direkt aus den Straßen Harlems der 1980er Jahre. Eine wilde Reise aus der Dunkelheit ans Licht. Manchmal muss ein Film ganz unten beginnen, um mit einem absoluten Hochgefühl enden zu können. Regisseur Lee Daniels serviert eine mutige und ungewöhnliche Mischung aus kompromisslosem Realismus, grellem Melodram und abgedrehtem Humor – gepaart mit surrealen Traumszenen, in denen sich Precious als Popstar oder Supermodel und als schlanke, begehrenswerte, weiße Frau sieht.
Basierend auf dem Bestseller „Push" von Sapphire, produziert von Oprah Winfrey, der Talk-Lady des amerikanischen Fernsehens, inszeniert von Lee Daniels, dem Produzenten von „Monster‘s Ball“. Mit Newcomerin und Amerikas neuem Liebling Gabourey Sidibe und der Komödiantin Mo’Nique. Dazu eine mehr als überraschende Mariah Carey, die man so noch nie gesehen hat, und der Musiker Lenny Kravitz in einer ganz untypischen Besetzung. "Precious" ist der Überraschungserfolg in Amerika und wurde mit den wichtigsten internationalen Kritiker- und Publikumspreisen ausgezeichnet.
Das sagen wir: "Push" war der erste Roman von Sapphire, einer in New York ansässigen Schriftstellerin, die sich bis dahin mit ihren Gedichten und der Prosa-Sammlung „American Dreams“ einen Namen gemacht hatte. „Diese Menschen sind nicht unsichtbar“, sagt die Autorin über ihre Geschichten im Presseheft. "Wir hören von ihnen jeden Tag. Aber sie werden vollständig missverstanden, und ich wollte zeigen, was hinter den Statistiken steckt."
Wie weit darf eine Verfilmung gehen? Wenn Film Kunst ist und diese Kunst die Kunst der Filmemacher ist, die die Wirklichkeit in Frage stellen und die eigene Phantasie zur Veränderung dieser Wirklichkeit freisetzen, inwieweit darf ein Filmemacher seine eigene Phantasie für die Umsetzung einer erbarmungslosen und ergreifenden Novelle freisetzen, in der es um einen mehrfach vergewaltigten, schwarzen, übergewichtigen Teenager geht? Richtig. Er darf nichts beschönigen. Gerade aus diesem Grund bewegt sich die Inszenierung von Lee Daniels, übrigens der Überraschungserfolg des 2009er US-Kinojahres, haarscharf am Rande zur Armutspornographie.
Dass der Film dennoch ein Meisterwerk von einer kraftstrotzenden Entwicklungsgeschichte ist, und trotz des erbarmungslosen Plots und seiner schwergewichtigen Hauptdarstellerin leicht wie eine Feder wirkt, liegt nicht nur an der hervorragenden Umsetzung der verschiedenen Bewusstseinsebenen seiner Protagonistin (wenn Precious ihrer furchtbaren Realität zu entkommen versucht, indem sie sich ein Leben als Superstar herbeiträumt), sondern vor allem an Lee Daniels beeindruckender Schauspielführung. Mit einer großen Portion Empathie und Nähe begegnet er seinen Darstellerinnen, die er zu beeindruckenden Höchstleistungen antreibt. Nicht zuletzt auch ihnen ist es zu verdanken, dass der Film bei der jüngsten Oscar-Verleihung zahlreiche Preise sammeln konnte.
Bei diesem sehenswerten Meisterwerk handelt es sich um eine der wenigen Ausnahmen, in denen eine Filmadaption ihre literarische Vorlage künstlerisch zu übertrumpfen vermag. Nicht verpassen!
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Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn....: Sie aufrüttelnde Dramen mit beeindruckenden Darstellerinnen und Darstellern mögen, Ihnen Filme gefallen wie „Die Farbe Lila“ (1985), „Grüne Tomaten“ (1991) oder „Monsters Ball“ (2001); Sie wissen wollen, wie der Musiker Lenny Kravitz und die Musikerin Mariah Carrey auf der Leinwand überzeugen können oder Sie schon lange auf einen Film warten, der Ihnen mal wieder so richtig unter die Haut und ins Herz geht.
Christian Gertz
Der Film läuft täglich um 16.30 und um 21.00 Uhr im Cineplex, Albersloher Weg, Münster.
Karten zum Film können Sie unter der Rufnummer Tel. (0251) 987 12345 vorbestellen.
- [13.05.2010 | ECHO]
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