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Kunst auf dem Teppich: Joan Miró schuf ungewöhnlichen bildnerischen Kosmos

Maler, Grafiker, Bildhauer und Keramiker zugleich: Rund 100 Werke von Joan Miró zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster bis 6. Juni in der gleichnamigen Ausstellung. [Foto: PD]
Joan Miró gilt als einer der vielfältigsten und experimentierfreudigsten Künstler der klassischen Moderne. Er war Maler, Grafiker, Bildhauer und Keramiker zugleich. Rund 100 seiner Werke zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster bis 6. Juni in der Ausstellung „Joan Miró - Die Farbe seiner Träume“.
Zu den Höhepunkten der Werkschau zählt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller einen zwei Mal drei Meter großen Wandteppich mit dem Titel „Sobreteixim“ aus dem Jahr 1973. „Das Werk beweist, wie sehr sich Miró von den unterschiedlichsten Materialien angezogen fühlte und wie stark er sich dabei immer wieder von den katalanischen Wurzeln leiten ließ.“ In diesem Fall bedient er sich der Flecht- und Webtechnik, einer der ältesten Handwerkskünste der Menschheit, die in Katalonien bis heute ihre Ursprünglichkeit bewahrt hat.
Stofffetzen
Als Ausgangspunkt für „Sobreteixim“ diente dem Künstler ein Jutegewebe, das er nach altbewährter kunsthandwerklicher Methode mit Schnüren durchzog und mit kleineren Stofffetzen bestückte. Schon allein die unregelmäßige Webtechnik des Materials weist einen besonderen optischen Reiz auf.
Mirós künstlerische Vorgehensweise lädt allerdings erst recht zum Stauen ein. Er übergoss den Stoff mit tiefschwarzer Farbe, der er mehrere bunte Akzente entgegensetzte. Der rote Stofffetzen in der oberen rechten Ecke, sein mit roter Acrylfarbe gemaltes Pendant in der unteren linken Ecke und der gelbe Farbeakzent in der Mitte fungieren geradezu als Ausgleich zu dem satten Schwarz und verleihen der Komposition ein gewisses Gleichgewicht. Collageartig hat Miró zusätzlich in der linken Bildhälfte einen alten Jutesack aufgenäht, dessen Aufschrift ihn als Eigentum einer Zuckerfabrik identifiziert.
Pop-Art-Künstler
„Sobreteixim“ ist ein altes katalanisches Wort für handverwebte Stoffreste. Das in Münster gezeigte Werk ist Teil einer gleichnamigen Serie von Teppichen, die der Protagonist auf vielseitige und höchst unterschiedliche Weise bearbeitete. Einige besprenkelte er mit Benzin, um sie anschließend in Brand zu setzen. Die versengten Fasern, die rußgeschwärzte Oberfläche, die Brandlöcher – all das nutzte er für die Komposition seines ungewöhnlichen bildnerischen Kosmos. Andere bestückte er mit Gegenständen wie Besen und Metalleimern. Ein wenig erinnert diese Kombination aus Konsumgegenständen und Malerei an Arbeiten amerikanischer Neo-Dadaisten und Pop Art-Künstler.
Die Werke der Reihe „Sobreteixim“ gehören zu den beeindruckendsten Arbeiten Mirós und zeugen von seinem anhaltenden Schaffensdrang auch im hohen Alter. Als er den im Picasso-Museum ausgestellten Teppich schuf, war er immerhin bereits 80 Jahre alt.
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