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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Aktuell im Kino: Nothing Personal

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Martin (Stephen Rea) und Anne (Lotte Verbeek) unterhalten sich in einem Pub. [Foto: MFA - 24 Bilder]

[08.04.2010 | Münster | CHG]

Frei sein. Alles hinter sich lassen. Die junge Holländerin Anne (preisgekrönt: Lotte Verbeek) setzt diesen Traum in die Tat um, reist an die irische Küste und lernt den wesentlich älteren Witwer Martin (Stephen Rea) kennen. Ein beeindruckendes Debüt der gebürtigen Polin Urszula Antoniak. Nicht verpassen!

Darum geht´s: Die junge Holländerin Anne entflieht ihrem Alltag und trampt nach Irland. Dort trifft sie den älteren Intellektuellen Martin, der allein auf einer kleinen Halbinsel in Connemara lebt. Die Beiden gehen eine Zweckgemeinschaft ein: Arbeit gegen Essen. Einzige Bedingung: Kein persönlicher Kontakt. Doch Anne und Martin werden neugierig aufeinander. In der traumhaften westirischen Landschaft entwickelt sich eine ganz eigene Liebesgeschichte.

Das sagt der Verleih: Mit ihrem ersten Spielfilm sorgte Urszula Antoniak europaweit für großes Aufsehen. Auf dem Film Festival in Locarno wurde der Film mit sechs Preisen ausgezeichnet (Best Actress: Lotte Verbeek, Best First Feature, First Prize of the Youth Jury, Fipresci Prize, Cicae Award, Special Mention Ecumenical Jury). In Utrecht auf dem Niederländischen Film Festival holte der Film vier Auszeichnungen: Best Film, Best Director, Best Sound Design: Jan Scherma, Best Photography: Daniel Bouquet. Kurz darauf erhielt das Debüt den Silver Giraldillo Award auf dem 6. Europäischen Filmfestival in Sevilla. Schließlich war "Nothing Personal" auf den Hofer Filmtagen 2009 der absolute Publikumsliebling. Zuhause in Holland feierte man Urszula Antoniaks Debüt ebenfalls als einen riesigen Publikums-Hit. Eine besondere Ehre wurde der Hauptdarstellerin des Films Lotte Verbeek zuteil, sie wurde von einer internationalen Jury zum „European Shooting Star 2010“ gewählt. Die zehn ausgewählten Newcomer wurden auf der diesjährigen Berlinale präsentiert. Zuvor wurde Lotte Verbeek im Dezember 2009 auf dem Marrakech International Film Festival in Morocco als Best Female Performance ausgezeichnet.

Das sagen wir: Junge Frau trifft auf älteren, kulturell interessierten Witwer an der Küste Irlands. Diese kurze Synopsis und auch der Trailer zu „Nothing Personal“ erinnern unweigerlich an die romantischen (oder frecher: kitschigen) TV-Spielfilme aus dem Abend-Programm des öffentlich rechtlichen Programmangebots. Doch, Vorsicht! Wie weit Urszula Antoniaks Debütfilm qualitativ von besagter TV-Unterhaltung entfernt ist, dürfte jedem Zuschauer und erst recht jeder Zuschauerin bereits in den ersten Minuten klar werden. Nur wenige Einstellungen reichen der gebürtigen Polin Antoniak, damit man ein Gefühl für den Zustand oder für die Gefühlswelt ihrer Protagonistin bekommt. Geschlagene fünf Minuten vergehen, bis überhaupt ein Wort gesprochen wird. Es sind die kleinen Gesten, auf die es ankommt. Kleine Gesten, großes Kino. So groß, dass die große Leinwand fast zu klein scheint für diese großen Momente.

Doch die Rebellin Anne, die unweigerlich an Agnés Vardas Mona Bergeron aus „Vogelfrei“, damals von Sandrine Bonnaire verkörpert, erinnert, ist bei Urszula Antoniak alles andere als eine Sympathieträgerin. Anne ist eine Aussteigerin mit allen Rückschlägen und Konsequenzen. Sie schläft im Zelt, sie ernährt sich von Essensresten und entgegnet einer freundlichen Nachfrage einer rastenden Familie auf einem Parkplatz mit schroffen Kommentaren. Selbst als sie auf den älteren Witwer Martin trifft (herausragend naturverbunden verkörpert von Stephen Rea), der der jungen Vagabundin ein warmes Bett und Essen gegen Hilfe im Garten anbietet, will man mit dieser rotzfrechen Göre nicht so recht warm werden. Vielleicht ist es dem jüngst ausgezeichneten "European Shooting Star 2010" Lotte Verbeek zu verdanken, der es allein mit nur wenigen nachdenklichen Blicken gelingt, ihrer spröden Rolle die nötige Wärme zu verleihen, dass ihre Tour de Liberté von Minute zu Minute interessanter wird. So mitfühlend verkörpert, dass man ihr nach kurzen 85 Minuten sogar die unwirklich scheinende Liebesgeschichte zum viel älteren Witwer Martin verzeiht.

Denn der naturverbundene Ire hat sie auch ohne Worte längst verstanden. Er lässt ihr das, wonach sie sich am meisten sehnt: ihre Freiheit. Ein beeindruckendes Debüt.



[video: id=PuNxINUR-R0]

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn....: Sie der Meinung sind, dass es für die großen Gefühle nicht immer vieler Worte bedarf; Ihnen Filme gefallen wie Agnés Vardas „Sans toit ni loi“ (Vogelfrei, 1985), Sean Penns „Into the Wild“ (2007), Kelly Reichardts „Wendy and Lucy“ (2008) oder Patrice Toyes „Niemand – Nowhere Man“ (2008); Ihnen Filme über zwei oder mehr Stunden ohnehin viel zu lang sind oder Sie - wenn auch nur für einen kurzen Augenblick – irgendwann einmal mit der Idee schwanger gegangen sind, von heute auf morgen alles stehen und liegen zu lassen.

Christian Gertz

Der Film läuft täglich um 19.00 und um 20.55 Uhr im Cinema, Warendorfer Straße, Münster.

Karten zum Film können Sie unter der Rufnummer Tel. (0251) 30 300 vorbestellen.

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Am 7.7.2010 ist der Umzug in unser neues Zuhause echo-muenster.de (ohne www.) erfolgt. Auf vielfachen Wunsch bleiben die gesamten bisherigen Inhalte weiterhin hier erreichbar: